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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Jedes Kind muss die Chance haben, gleichberechtigt an den vielfältigen Möglichkeiten des Lebens teilzunehmen“
Kirchenkampagne gegen Kinderarmut startete am Unteren Schloss

Kampagne gegen Kinderarmut
10.11.2008 16:29

Da kommen Kinder ohne Frühstück, in abgerissener Kleidung, mit zu kleinen Schuhen, ohne Hefte und Bücher in die Schule. Da werden Kinder urplötzlich krank, wenn eine Klassenfahrt geplant ist. Oder sie entschuldigen sich mit fadenscheinigen Gründen, wenn ein Ausflug ins Schwimmbad geplant wird oder Freunde zusammen ins Kino wollen. Wer mag denn schon sagen, dass das nötige Geld dazu fehlt? Armut in Deutschland, Armut auch im Siegerland.„Lasst uns nicht hängen!“ – unter diesem Leitmotiv will die Evangelische Kirche von Westfalen den Skandal der wachsenden Armut von Kindern mit einer Kampagne öffentlich machen und zur Sprache bringen. 825.000 Kinder lebten in Nordrhein-Westfalen in Armut (Sozialbericht der Landesregierung 2007). Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen: „Es lässt sich nicht mehr leugnen: Es gibt bei uns in Deutschland wieder arme Kinder, Kinder, denen es am Nötigsten fehlt, Kinder, die am alltäglichen Leben ihrer Gruppen- und Klassenkameraden nicht immer teilhaben können.“ Das ist für die Landeskirche ein Skandal. Deshalb führt sie jetzt eine Kampagne gegen Kinderarmut durch.

Die Schirmherrschaft hat Christoph Biemann übernommen, bekannt durch die „Sendung mit der Maus“ des WDR. Eine am Schwanz hängende Maus ist das Erkennungszeichen der Kampagne, die jetzt im Kirchenkreis Siegen angekommen ist. Kinder und Eltern trafen sich auf Einladung der Ev. Familienbildungsstätte und des Jugendreferates des Kirchenkreises Siegen auf dem Platz des Unteren Schlosses und machten auf die wachsende Kinderarmut in Deutschland aufmerksam.
Das Signal für den Ballonstart gab Superintendentin Annette Kurschus. Sie erinnerte in ihrer kurzen Ansprache an einen Kindergipfel, zu dem die Landeskirche vor fünf Monate eingeladen hatte und auf dem Kinder und Jugendliche eine Resolution verfasst haben, der Kinderarmut sehr klar als einen Skandal bezeichnet. Die Kinder erteilten den Erwachsenen einen deutlichen Auftrag: „Lasst uns nicht hängen! Setzt euch gegen Kinderarmut ein!“
Superintendentin Kurschus: „Wir waren lange gewohnt, bei Armut sofort an die Menschen auf der anderen Seite der Erde zu denken, irgendwo im Süden, auf dem afrikanischen Kontinent, weit weg von uns. Wer ahnt schon, dass bei uns in Deutschland, ja, auch hier bei uns in Siegen die Zahl der Kinder erschreckend zunimmt, die rufen: „Lasst uns nicht hängen!“ Wenn sie das laut rufen, wenn sie ihre Stimme erheben, dann ist ja schon viel gewonnen. Die meisten aber schämen sich – weil Armut immer mit Scham zu tun hat – und sagen nichts.“
Die Folge von Armut ist Ausgrenzung. Und die Folge von Ausgrenzung sind schlechtere Chancen. Wer aus Armut nicht dabei ist, geht vielleicht erst gar nicht auf eine gute Schule, verpasst vielleicht einen guten Schulabschluss, erhält keine gute Ausbildung, keinen Job, kein Geld, keine Perspektive. Es ist ein Teufelskreis, so die Superintendentin.
Kurschus weiter: „Jedes Kind – egal wie die soziale Stellung seiner Familie ist – muss grundsätzlich die Chance haben, seine Gaben zu entfalten und gleichberechtigt an den vielfältigen Möglichkeiten des Lebens teilzunehmen. Jesus hat gesagt: “Ich bin gekommen, dass alle das Leben in Fülle haben sollen.” (Johannes 10,10) Wir als Kirche verstehen dies als klaren Auftrag, uns mit Worten und Taten dafür einzusetzen, dass Kinder ihr Leben als wertvoll erfahren und es in all seinen Möglichkeiten ausschöpfen können; sie sollen sich als gewollt und geliebt wissen und selbstbewusst ihren Alltag gestalten lernen. Dafür wollen wir auch als Evangelische Kirche im Siegerland stehen.“

Die Resolution des Kindergipfels soll in den Gemeinden des Kirchenkreises ankommen, in den Kindergärten und Schulen. In Gottesdiensten soll daran erinnert und in besonderen Veranstaltungen darauf aufmerksam gemacht werden. Es gilt nun gemeinsam zu überlegen, so Annette Kurschus, welche Taten vor Ort folgen können – und „wir bitten Sie, dabei mitzuhelfen“.

Viele Luftballone stiegen in den blauen Himmel des Siegerlandes. Jeder mit einem Kärtchen versehen, das auf die Kinderarmut und die Kampagne der Landeskirche aufmerksam macht. Die Kinder sind gespannt, ob sie eine Antwort erhalten und wie weit die Ballone geflogen sind.

Nach dem Ballonstart versammelten sich Eltern und Kinder zu einem Krabbelgottesdienst mit Pfrn. Mirjam Ellermann (Wilnsdorf) in der Martinikirche, zu dem die Familienbildungsstätte eingeladen hatte. Diese kirchliche Einrichtung feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Das Thema des Gottesdienstes „Wir tragen ein Licht in die Welt“ wurde anschließend beim Laternenzug durch die Siegener Oberstadt augenscheinlich.

Weitere Infos: www.lasst-uns-nicht-haengen.de

kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Kampagne gegen Kinderarmut: "Lasst uns nicht hängen"

Viele Kinder ließen jetzt ihre Luftballone in den Siegerländer Himmel steigen. Sie machten aufmerksam auf die zunehmende Kinderarmut in Deutschland.

von links: Karin Frerichs-Schneider, Leiterin der Ev. Familienbildungsstätte, und Superintendentin Annette Kurschus

„Wir tragen ein Licht in die Welt“ – Gut besucht war der Krabbelgottesdienst in der Martinikirche.


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