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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Neue Zugänge zum Glauben eröffnen
Presbyterschulung im Ev. Gemeindezentrum Rödgen mit Christina Brudereck

Theologin Christina Brudereck
01.12.2008 16:34
Ungewöhnliche Wege, Menschen auf das Evangelium aufmerksam zu machen, lernten jetzt an die 50 Presbyterinnen und Presbyter kennen. Sie nahmen an einem Fortbildungsmodul des Kirchenkreises Siegen im Ev. Gemeindezentrum Rödgen teil. Als Referentin hatten die Kirchenkreisausschüsse für Gemeindeentwicklung sowie Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung die Theologin, Evangelistin und Buchautorin Christina Brudereck, Essen, eingeladen. Christina Brudereck beschreitet mitunter ungewöhnliche Wege, das Evangelium von der freien Gnade Gottes an alles Volk auszurichten.
Basierend auf Umfrageergebnissen, erläuterte sie, dass die große Gruppe der spirituell suchenden Menschen wachse, die Kirche zu diesen Menschen aber kaum Zugang habe. Brudereck: „Der Trend der Respiritualisierung geht am Christentum vorbei. Lediglich Klöster sind aus- und übergebucht. Die Menschen wenden sich eher in Richtung Asien.“ Zwei unangenehme Hinweise erhalte sie von Menschen: Ich erlebe nichts und ihr seid mir zu gewalttätig. Frieden erwarte man nicht vom Christentum, erst recht nicht vom Islam, sondern eher vom Buddhismus. Als Erklärung, warum das so ist, zitierte sie die Aussage einer ihr bekannten Frau: „Ich hatte ‚geistlichen Durst‘ und ging in den Gottesdienst. Der Pfarrer erklärt mir die Zusammensetzung von H2O aber ich wollte trinken. Ich erlebte in der Kirche nichts.“

Um Kontakt zu spirituell suchende Menschen zu bekommen, habe sie ein besonderes Gebets- Angebot mit dem Titel „Der Meister ist da und ruft dich“ (Joh 11, 28) kreiert und es bisher in Pirna und Essen durchgeführt, mit Unterstützung eines Kloster-auf-Zeit-Teams. Es seien Gebets-, Stille- und Gesprächsangebote in einem besonderen sakralen Raum. Es werde nichts erklärt, sondern es werde gefeiert. Suchende erführen Würdigung. Die Veranstaltungsart sei besonders geeignet für spirituelle Räume, am besten seien alte Kirchen geeignet. Alte Kirchengebäude, so Brudereck, seien etwas Einzigartiges, mit dem die Kirchengemeinden wuchern könnten. Angeboten werde den Menschen ein sakraler Raum, in dem Stille erlebt werden könne. Hintergrundmusik, bevorzugt Klassik, bildet einen leisen Klangteppich. Symbole spielten eine nicht zu unterschätzende Rolle, aber auch Kerzen, Textimpulse, Ausstellungen und ein Büchertisch seien Elemente dieses spirituellen Angebotes. In festen Abständen sind öffentliche Gebetszeiten festgelegt: Morgengebet, Schöpfungsgebet, Gebet des Zweifels, Kerzenmeditation, Trinitarisches Gebet, Friedensgebet, Gebet Familie/Mensch. Das Gebet des Zweifels sei in Pirna das bestbesuchte Gebet im Laufe eines Tages gewesen. Um die Zielgruppe anzusprechen, nenne sie das Angebot nicht Gebet, sondern Jesuanische Meditation.
Viele Menschen in Pirna und Essen hätten diese Gebetszeiten wahr- und angenommen, Menschen hätten in der Kirche geweint. Brudereck machte deutlich, dass dieses Angebot nur ein Einstieg sein könne, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Es sei nicht das ganze Evangelium. Aber besser so, als gar nicht anfangen. Es entspreche der Einstellung des Paulus, allen alles zu werden. (1 Kor 9, 22)
Anschließend wurde in Gruppengesprächen die Thematik vertieft. Es stellte sich heraus, dass ein solches Angebot ein Element der Stadtkirchenarbeit sein könne. In Landgemeinden erscheint das Angebot eher weniger geeignet. Einzelne Bestandteile lassen sich jedoch auch in die normale Gemeindearbeit integrieren. Eine würdigende Haltung ist jedoch eine grundsätzlich gebotene Einstellung gegenüber spirituell suchenden Menschen, die eigene Wege finden lässt.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)
Pfrn. Christina Brudereck berichtete von ungewöhnlichen kirchlichen Angeboten in Essen und Pirna für spirituell Suchende.

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