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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Bestattungen in christlicher Hoffnung
Theologischer Ausschuss legte Votum zur Kirchlichen Bestattung vor

Herbstsynode 2008 Kirchenkreis Siegen
01.12.2008 16:49
Welche Bestattungsformen sind mit der Kirchlichen Bestattung noch zu vereinbaren? Diese Frage beschäftigte den Theologischen Ausschuss etwa zweieinhalb Jahre. Er setzte sich intensiv mit den theologischen und soziologischen Fragen der heutigen Bestattungskultur, die von einer starken Individualisierung der Trauerkulturen und Pluralisierung der Gestaltungsformen geprägt ist, auseinander. Jetzt legte er auf der Kreissynode Siegen sein Votum vor.
Die Form der Waldbestattung beispielsweise in sogenannten Friedwäldern oder Ruheforsten hat die Frage ausgelöst, ob sich bei dieser Bestattungsform naturreligiöse Vorstellungen gegen die christliche Verkündigung durchsetzen. Besonders die anonymen Bestattungen in Wiesengräbern, in Wäldern oder auf See bringen die Problematik eines fehlenden Trauerortes mit sich. Zugleich könnte bei einer „namenlosen“ Bestattung die Würde des Verstorbenen gefährdet sein. Eine zunehmende Anzahl von Bestattungen findet ohne öffentlichen Trauergottesdienst „im engsten Familienkreis“ oder „in aller Stille“ statt, also ohne Teilnahme der Gemeinde. Bei der ebenfalls zunehmenden Zahl von Bestattung „nur am Grabe“, also ohne Andacht oder Gottesdienst in einer Trauerhalle, ist die Verkündigung durch Schriftlesung oder Predigt oftmals stark eingeschränkt oder gar nicht gegeben. Oder aber es werden Gestaltungswünsche der Angehörigen geäußert, die nur schwer oder gar nicht mit den Grundsätzen der Kirchlichen Bestattung zu vermitteln sind. Da es keine biblische Überlieferung normativer Vorgaben für eine christliche Bestattung gibt, ist zwischen Grundsätzen zu unterscheiden, die sich deutlich aus dem Verkündigungsauftrag, dem biblischen Menschenbild oder dem Verständnis des Gottesdienstes ergeben und ästhetischen oder kulturell bedingten Vorstellungen, die letztlich dem Ermessen anheim gestellt bleiben müssen. Der Theologische Ausschuss rät den Gemeinden, anstatt eine Form der Bestattung zu verbieten oder zu unterdrücken, sollte die Kirche versuchen, das christliche beziehungsweise kirchliche Anliegen innerhalb unterschiedlicher Formen zur Geltung zu bringen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Kirchlichen Bestattung zu schärfen.
Als Kennzeichen der Kirchlichen Bestattung bezeichnet der Theologische Ausschuss die Verkündigung des Evangeliums als deren Mittelpunkt. Die Gemeinde verkündige dabei den Tod als Gericht Gottes über alles irdische Wesen und bezeuge die Auferstehung Jesu Christi als Sieg über Sünde und Tod. Sie rufe die Lebenden zum Heil in Christus. Die uneingeschränkte Möglichkeit der christlichen Verkündigung sei die Grundbedingung der Kirchlichen Bestattung. Sie sei ein Gottesdienst mit Votum, Gemeindegesang, Schriftlesung und Segen und eine kirchliche Handlung, bei der die Gemeinde ihre verstorbenen Glieder zu Grabe trage. Die Kirchliche Bestattung sei als Gemeindegottesdienst prinzipiell öffentlich. Die kirchliche Bestattung umfasse die seelsorgliche Zuwendung zu den Hinterbliebenen und allen Trauernden. Die Gemeinde gedenke der Verstorbenen und vertraue sie der Gnade Gottes an. Der Theologische Ausschuss des Kirchenkreises Siegen kommt zu dem Ergebnis, dass die unterschiedlichen gegenwärtigen Formen der Bestattung so lange für eine Gestaltung als Kirchliche Bestattung offen sind, wie in ihnen die Verkündigung uneingeschränkt möglich ist und eine Form durch ihren symbolischen Gehalt die christliche Verkündigung nicht eindeutig entgegensteht. Auch die Form der Waldbestattung widerspricht dem Anliegen der Kirchlichen Bestattung nicht grundsätzlich. Eine Kirchliche Bestattung soll dann abgelehnt werden, wenn durch die Wahl der Bestattungsform und ihre Begründung eine Geringschätzung der Verkündigung oder eine Missachtung der Würde des Verstorbenen erkennbar wird. Eine Predigt, möglichst auf Grundlage eines Bibeltextes, sollte Bestandteil jeder Kirchlichen Bestattung sein. Dies erfordert einen Rahmen, in dem die Predigt gehört und aufgenommen werden kann.
Der Ausschuss geht auch auf Finanzierungsmöglichkeiten bei sozialen Notlagen ein, stellt den örtlichen Gemeindebezug heraus und weist darauf hin, dass die ausführende Pfarrerin beziehungsweise der ausführende Pfarrer die Verantwortung für die Durchführung habe.
Schlussendlich empfiehlt der Theologische Ausschuss, das Thema Bestattung innerhalb der Gemeindearbeit zu thematisieren und regelmäßig Gespräche mit den ortsansässigen Bestattungsunternehmern zu suchen, um den kirchlichen Charakter der Bestattung zu gewährleisten.
kp

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