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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Geh Denken“ – Siegener Bündnis für Demokratie
Über 2.500 Bürgerinnen und Bürger gingen auf die Straße

Demonstration für Demokratie, Toleranz udn Weltoffenheit
17.12.2008 14:19

Am 16. Dezember 2008 jährte sich zum 64. Mal der Tag, an dem Siegen durch einen alliierten Bombenangriff schwer zerstört wurde. An diesem Tag, so Siegens Bürgermeister Steffen Mues in einem öffentlichen Aufruf zum 16. Dezember, „der sich als dunkelste Stunde unserer Stadt in das Gedächtnis eingegraben hat und der als Sinnbild für die verheerende Wirkung nationalsozialistischer Ideologie steht, will eine rechtsextreme Gruppierung eine Kundgebung in Siegen durchführen. Das werden wir als Demokraten, die aus der Geschichte gelernt haben, nicht hinnehmen.“
Die Freien Nationalisten, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind, hatten eine „Gedenk-Kundgebung“ für diesen Tag angekündigt.
In kurzer Zeit formierte sich unter der Federführung des DGB das aus vierzig Gruppierungen bestehende Bündnis „Siegen für Demokratie“, darunter auch der Kirchenkreis Siegen. Das Bündnis rief alle Menschen – Junge und Alte, aus unserer Heimat, mit oder ohne deutschen Pass – auf, Rechtsextreme nicht ohne Widerspruch durch Siegen marschieren zu lassen. Nach dem stillen Gedenken mit Kranzniederlegung am „Dicken Turm“, der Gedenkstätte am Unteren Schloss, formierte sich der Zug am Apollo-Theater und ging durch die Fußgängerzone die Siegener Oberstadt hinauf zum Rathaus und der Nikolaikirche. Über 2.500 Menschen gingen auf die Straße. Bürgermeister Steffen Mues (CDU) und Willi Braase (MdB, SPD) riefen den Menschen zu, für eine starke und wehrhafte Demokratie einzutreten. Superintendentin Annette Kurschus fragte in ihrem Grußwort für den Kirchenkreis: „Was bedeutet es, dass wir zusammen durch die Stadt gezogen sind, ein menschlicher Zug des Gedenkens, des Denkens im Gehen. Ein Zug der Erinnerung nicht nur, sondern auch ein Zug der Empörung; ein Zug der kompromisslosen Klarheit. Ein Zug, der im Grauen des Erinnerns sehr genau weiß, was nicht mehr sein soll, was um Gottes und der Menschen willen nie mehr passieren darf.“ Sie empfahl, zu erzählen von dem 16. Dezember 1944. „Wir brauchen Menschen, die erzählen, damit die Erinnerung wach bleibt. Die Erinnerung daran, welch sinnloses Elend Krieg über die Menschen bringt, egal wo sie leben, egal zu welchem Volk sie gehören, egal, was ihr Herz glaubt.“ „Erzählt eure eigenen Geschichten. Die schlimmen Geschichten von Zerstörung und Vernichtung und Elend und Gewalt und Hass.“ „Und verschweigt die Geschichten der Hoffnung nicht. In denen die Liebe stärker war als der Hass. In denen doch ein Mensch gerettet wurde. In denen doch einer den Mund aufmachte gegen das Unrecht. In denen doch einer dem fremden Menschen half. Es sind lebenswichtige Zeichen der Geschichte, die Gott mit den Menschen angefangen hat und die in Jesus weiterging.“

Nach der Kundgebung besuchten viele Menschen den ökumenischen Gottesdienst vor und anschließend in der Nikolaikirche, den Pfr. Armin Pulfrich, Erlösergemeinde, und Pfr. Thomas Rickelhoff, St. Marien, gestalteten. Parallel zum Gottesdienst begann eine Mahnwache an der ehemaligen Synagoge ganz in der Nähe der „Kundgebung“ der Neonazis.
Um 20 Uhr waren die Menschen ins Apollo-Theater eingeladen. „Wenn die Wunde nicht mehr schmerzt, schmerzt die Narbe“ (Brecht) lautete die Eigenproduktion zum 16. Dezember. Intendant Magnus Reitschuster und seine Mitarbeitenden lasen Szenen und Texte unter anderem von Erika Mann und Bert Brecht.
kp

Hier der Wortlaut des Grußwortes:
Grußwort Superintendentin_Kurschus_zum 16._dezember_2008.pdf


Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)
Über 2.500 Menschen demonstrierten in Siegen für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit und gegen den Aufmarsch der „Freien Nationalen“.


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