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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Christen brauchen Gottesdienste und Bibelstunden
Prof. Dr. Georg Plasger sprach über die 1. These der Barmer Theologischen Erklärung

Prof. Dr. Georg Plasger
07.04.2009 12:56
Die Barmer Theologische Erklärung ist das erste gemeinsame Glaubenszeugnis evangelischer Christen seit der Reformationszeit, das vor 75 Jahren in Wuppertal-Barmen verfasst wurde. Entstanden in den Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur hat die Erklärung bis heute als wegweisendes und verbindliches Zeugnis evangelischer Kirchen eine hohe Bedeutung und gleich bleibende Aktualität.

In haus nordhelle bei Valbert sprach jetzt Prof. Dr. Georg Plasger, Universität Siegen, über die 1. der 6 Thesen der Barmer Theologischen Erklärung. Ihr Wortlaut: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“

In einer kurzen Einführung zeigte er auf, wie es in der Zeit des Nationalsozialismus zur Entstehung der Barmer Theologischen Erklärung kam. Viele evangelischen Christinnen und Christen hätten Hitler als Retter begrüßt, in der Hoffnung, er werde die Kirche aus der dunklen Zeit der Weimarer Republik herausführen. Die Deutschen Christen beabsichtigten, den Nationalsozialismus und das Christentum zu vereinigen und die arische von der jüdischen Rasse zu trennen, bis hin zu der Ersetzung des Alten Testaments durch die germanische Edda, eine Sammlung deutscher Dichtungen. Karl Barth und einige andere wiesen bereits im Juni 1933 darauf hin, dass selbst ein Ja zu Hitler theologisch problematisch sei. Die Kirche müsste, so Barth, nach ihrem eigenen theologisch begründeten Weg fragen. Nachdem im Laufe des Jahre 1933 immer mehr Kirchen „gleichgeschaltet“, durch die Deutschen Christen erobert, worden seien, hätten zunächst reformierte Synoden und dann vom 29.-31.Mai 1934 eine Synode der Bekennenden Kirche in Wuppertal-Barmen stattgefunden, auf der die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet worden sei.

Zentrale Aussage der These 1 sei, so Plasger, „dass Jesus Christus das eine Wort Gottes sei. Er allein. Auch die biblischen Worte verweisen darauf – zu Gott kommen wir nur durch Jesus Christus, nicht anderswo.“ Das eine Wort Gotte sei nur in der Bibel zu finden. Dies mache sie so wertvoll und wichtig. Der Theologieprofessor: „Auf Jesus Christus hören – das geht, indem die Bibel gelesen und ausgelegt wird.“ Auf Jesus Christus gelte es im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen. Dies relativiere alle anderen Lebensgründe und ziele auf die praktischen Konsequenzen des Christseins.

Die These richte sich aber auch gegen problematische Irrlehren. Dazu zählte er den römischen Katholizismus, wenn er die Tradition der Bibel gleichstelle und dem Papstamt Letztgültigkeit zukommen lasse. Aber auch liberale Strömungen wie den Neuprotestantismus, die das eigene Gefühl oder die Vernunft zum letzten Kriterium erhoben hätten. Gott könne man zudem auch nicht aus der Natur heraus erkennen.

In dem Theologischen Bekenntnis sieht der Hochschullehrer eine fundamentale „Ideologiekritik“. Dies bedeute, dass die eigene Art zu glauben nicht absolut zu setzen sei. Nichts, auch das eigene Bekenntnis und auch nicht die Barmer Theologische Erklärung, dürfe an die Stelle Christi treten. Dies gelte ebenso für die eigene Autonomie, den jeweiligen Zeitgeist und die eigene Toleranz. Sie seien nicht höher anzusehen als Gottes Wort und als Gottes Selbstbekundung in Jesus Christus.

Plasger zog als Schlussfolgerung, dass Christen lebenslange Christus-Erkenntnis bräuchten. Gottesdienste und auch Bibelstunden seien geistliche Fortbildungsangebote, die für eine zunehmende Christus-Erkenntnis förderlich seien.
Die 1. Barmer These warne davor, Gott mit unseren Gottesbildern zu identifizieren. Plasger: „Woher wissen wir, was ‚ein Gott’ alles können muss?“ Sie lade jedoch ein, „die Mitte unseres Glaubens in Christus zu sehen, in dem Gott zu uns gekommen ist und uns erlöst hat. So dürfen wir von Gott reden und ihm vertrauen – und gehorchen.“

Aus Anlass des 75-jährigen Jubiläums finden in der Evangelischen Kirche von Westfalen Veranstaltungen zu allen sechs Thesen der Barmer Theologischen Erklärung statt. Weitere Informationen unter www.ekvw.de.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Prof. Dr. Georg Plasger, Universität Siegen, sprach über die Bedeutung der Barmer Theologischen Erklärung in der heutigen Zeit.

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