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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode Siegen
Diakonisches Profil in einem ständigen Prozess weiterentwickeln
Diakonie - schon viel erreicht - Bericht der Superintendentin

Plenum Kreissynode
02.07.2009 17:35

Es ist ein langer und beschwerlicher Weg, aber es zeichnet sich ab, dass das Miteinander von Kirche und Diakonie im Kirchenkreis Siegen zunehmend auf einen guten Weg kommt. Auf der Diakoniesynode in Kreuztal am 18. September 2008 wurde der Theologische Ausschuss des Kirchenkreises Siegen beauftragt, an einer Begriffsklärung „Evangelisches Profil diakonischer Arbeit im Kirchenkreis Siegen“ zu arbeiten. Jetzt legte der Vorsitzende des Ausschusses Rolf Fersterra das Beratungsergebnis auf der Kreissynode vor, die in der CVJM-Jugendbildungsstätte in Wilgersdorf tagte.

Diakonie, so das Papier, wurzelt in der Sendung Jesu Christi und seinem Dienst für alle Menschen. In dieser Sendung liegt nach dem biblischen Zeugnis der Auftrag an die Kirche begründet, den Dienst Jesu in Wort und Tat weiterzutragen. Es ist ein unverzichtbarer Teil der „Missio Dei“ und ein Wesensmerkmal von Kirche. Als „Diakonische Werte“ werden Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit und insbesondere die Option für die Armen benannt. Sie ergeben sich aus dem christlichen Verständnis vom Menschen, vom Leben, von der Welt und von Gott, so wie sie im alten und neuen Testament bezeugt sind. Das „Diakonische Profil“ kommt durch die Orientierung am diakonischen Auftrag und durch die Gestaltung der Arbeit nach den diakonischen Werten zustande. Durch ihr Profil ist die Einrichtung erkennbar und unterscheidbar von Einrichtungen anderer Träger. Ein solches Profil wird von der Kreissynode eingefordert und muss erkennbar etwas Besonderes sein.

Herausgearbeitet wurde in der Stellungnahme des Theologischen Ausschusses, dass der diakonische Auftrag in unterschiedlichen Strukturen zur Geltung kommen kann. Aus theologischen Kriterien lässt sich nicht zwingend eine bestimmte Struktur von Diakonie wie etwa eine Vereinsstruktur oder die Trägerschaft durch den Kirchenkreis ableiten. Diakonisches Profil, so der Ausschuss, muss in einem ständigen Prozess weiterentwickelt werden und kann nicht in einer ein für allemal „richtigen“ Struktur „eingefangen“ werden. Die Kreissynode als Gemeinschaft aller Kirchengemeinden muss sich dauerhaft engagieren, wenn sie diakonisches Profil mitgestalten will. Dazu bedarf es der institutionellen und strukturellen Verankerung der Kreissynode.Diakonisches Profil ist kein Selbstzweck und darf seine Begründung nicht ausschließlich in Gründen des besseren Marketings diakonischer Einrichtungen finden oder für den Bestand oder die Sicherung von Kirche instrumentalisiert werden. Die Begründung des Engagements der Kirche auf dem sozial-diakonischen Markt liegt alleine darin, dass die Orientierung an diakonischen Werten zu einer Verbesserung, Vertiefung und Ergänzung sozial-pflegerischer und medizinischer Hilfe führt, die dem Menschen zugute kommt.Der Theologische Ausschuss rät dazu, „Geistlich-diakonische“ Fortbildung zu institutionalisieren und eine „diakonische Akademie“ zu bilden. Diakonie braucht die Gemeinde, um ihre diakonische Identität und Kultur zu bewahren. Die Gemeinde wiederum braucht die Diakonie, um den auch an sie gerichteten Auftrag zu erfüllen. Im Zuge der bevorstehenden Neustrukturierung sollten möglichst viele dauerhafte Kooperationen zwischen Kirche und Diakonie verabredet und eingerichtet werden.
kp


Diakonie - schon viel erreicht
Superintendentin gibt Zwischenbericht zur Neustrukturierung der Diakonie

Die Herbstsynode am 26. November 2008 hatte den Kreissynodalvorstand beauftragt, bis zur Sommersynode 2009 neue Diakoniestrukturen zu entwickeln. Die Superintendentin Annette Kurschus gab auf der Kreissynode einen Zwischenbericht über den Stand der Arbeit. Das gesteckte Zeitziel habe man trotz intensiver Bemühungen nicht einhalten können. „Bei den Beratungen haben wir auf Schritt und Tritt gemerkt, wie uns die Vergangenheit mit ihren gegenseitigen Verletzungen und Missverständnissen immer wieder einholt und zurückwirft“, so Kurschus in Anspielung auf den Konflikt zwischen Diakonie und Kirchenkreis im Jahre 2005. „Das bislang Erreichte mag vielleicht wenig erscheinen, es ist aber viel.“

Entwickelt worden seien bislang deutliche Zielvorstellungen, über die sich die Arbeitsgruppe einig sei. So solle das operative Geschäft und einige Immobilien des Diakonischen Werkes in die Diakonie in Südwestfalen übertragen werden. Dies wende eine Insolvenz des Diakonischen Werkes ab, schaffe Synergien und sichere die Dienstleistungsbereiche des Diakonischen Werkes nachhaltig. Das Diakonische Werk könne sich dadurch auf seine verbands-, wohlfahrts- und kirchenpolitischen Aufgaben ebenso konzentrieren wie auf Fragen der grundsätzlichen Ausrichtung der diakonischen Arbeit im Kirchenkreis. Angestrebt werde, so die Superintendentin weiter, eine vertragliche Regelung, nach der in der Gesellschafterversammlung das Diakonische Werk und der Krankenhausverein „mit einer Stimme sprechen“.
Die zurzeit strukturell gegebene Majorisierung des Diakonischen Werkes durch den Krankenhausverein soll aufgehoben werden. Auf längere Sicht sei zu prüfen, ob der Krankenhausverein und die Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes zusammengelegt werden könnten. Zudem sollen die Satzungen bzw. der Gesellschaftervertrag so angepasst werden, dass der Kirchenkreis – wie es im Diakoniegesetz vorgeschrieben ist – seine Leitungsaufgabe umfänglich und angemessen wahrnehmen kann. Da die Superintendentin nicht an allen Gremien der Diakonie selbst teilnehmen kann, soll eine klare Vertretungsregelung geschaffen werden.
Zur Schärfung und Stärkung des diakonischen Profils wolle die Diakonie in Südwestfalen einen „Theologischen Direktor“ einstellen. Bei der Auswahl einer geeigneten Person werde der Kirchenkreis maßgeblich beteiligt sein.

Arbeitskreismitglied Pfarrer Günter Jochum kritisierte, dass seines Erachtens nicht gründlich geprüft werde, ob die Vereinsstruktur heute noch zeitgemäß, effektiv und notwendig sei. Er hält es für erforderlich, grundsätzlich die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Rechts- und Organisationsstrukturen zu prüfen und sich nicht jetzt schon auf die Beibehaltung der Vereinsstruktur festzulegen.

Der synodale Ausschuss für Gemeindeaufbau, so dessen Vorsitzender Pfarrer Michael Junk, wolle das Anliegen, Diakonie und Mission wieder zusammenzubringen, aktiv unterstützen. Der Ausschuss hält es daher für dringend erforderlich, dass bei der Neukonzeption der diakonischen Arbeit im Kirchenkreis Siegen, der diakonische und der missionarische Auftrag der Kirche deutlicher als bisher aufeinander bezogen werden. Auf diesen Gesichtspunkt solle bei der Besetzung der Stelle des Theologischen Direktors in der Diakonie in Südwestfalen geachtet werden. Diakonisches und missionarisches Engagement bedingten einander und ergäben nur gemeinsam ein glaubwürdiges Zeugnis für das Evangelium.

kp


Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)


Superintendentin Annette Kurschus benötigte nur sehr selten die Synodenglocke, um für Aufmerksamkeit zu sorgen.


Die Kreissynode Siegen in der CVJM-Jugendbildungsstätte.


Das Tagungsbüro sorgte für eine reibungslose Synodenorganisation. Im Bild von links. Jan Siegismund, Synodalvikar Michael Weber und Pfr. Volker Schubert.


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