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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Bewährungsphase beginnt
15 Kindertageseinrichtungen in Trägerschaft des Kirchenkreises Siegen

Evangelische Kindertageseinrichtungen im Kirchenkries Siegen
19.08.2009 10:20

Für die Kinder des Familienzentrums Unter’m Regenbogen in Burbach sind es immer noch ganz normale Kindergartentage wie andere bisher auch. Die Erzieherinnen sind wie immer freundlich und hilfsbereit. Die Spielsachen liegen immer noch da, wo sie schon immer liegen und auch Daniela Walter, Pfarrerin der Kirchengemeinde Burbach, ist regelmäßig in der Einrichtung und den Kindern wohl bekannt. Und doch hat sich etwas grundlegend geändert. Das Familienzentrum wird nicht mehr von der Kirchengemeinde Burbach getragen, sondern vom Kirchenkreis Siegen. Ab 1. August 2009 nimmt der Kirchenkreis Siegen als Träger von Kindertageseinrichtungen diese neue Aufgabe wahr. Sieben Kirchengemeinden haben 15 Kindertageseinrichtungen in die Trägerschaft des Kirchenkreises abgegeben. Evangelische Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen, kurz EKiKS genannt, heißt der neue Aufgabenbereich.

Hartmut Menzel, Verwaltungsleiter der Kreiskirchenamtes Siegen/Wittgenstein sieht einen großen Vorteil in der neuen Trägerschaft des Kirchenkreises. Die Verhandlungen mit den Kommunen werden einfacher, je mehr Gemeinden ihre Kindergärten übertragen.
Kompliziert ist es dennoch, muss doch mit der Stadt Siegen für die Kindertageseinrichtungen im Stadtgebiet verhandelt werden, mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein für die Einrichtungen außerhalb des Stadtgebietes. Und da sich der Kirchenkreis bis Olpe erstreckt, muss auch dort verhandelt werden. In Olpe schließt sich der Kirchenkreis Siegen dem Verhandlungsergebnis der katholischen Träger an, in Siegen-Wittgenstein verhandelt die Evangelische Kirche für die Schwesterkirche mit. Dabei geht es immer um die verbleibenden Restkosten. 88% der Kosten für die Kitas trägt der Staat. 12% verbleiben bei den Kirchengemeinden bzw. beim Kirchenkreis als Träger. Davon übernimmt die Stadt Siegen freiwillig 6% und der Kreis Siegen-Wittgenstein 6,5%. Beide staatlichen Einrichtungen sind froh, dass die Kirche die Trägerschaft von Kindertageseinrichtungen übernimmt und das nicht nur aus finanziellen Gründen. Das haben die Bürgermeister und Landräte vor einiger Zeit in einem Gespräch deutlich zum Ausdruck gebracht.
Die Kirchengemeinden haben allerdings auch ein eigenes Interesse an der Trägerschaft von Kindertageseinrichtungen. Dazu Präses Dr. Alfred Buß: „Wir können in der öffentlichen Diskussion um Erziehung und Bildung nur dann glaubwürdig für das Recht von Kindern auf religiöse Bildung eintreten, wenn wir in den Gemeinden und Kindergärten … das selbst als unsere ureigenen Aufgaben wahrnehmen.“

SynergieeffekteEinen weiteren Vorteil der Trägerschaft auf Kirchenkreisebene sieht Nina Stahl, Sachgebietsleiterin und Geschäftsstellenleiterin EKiKS, darin, dass Synergieeffekte in Verwaltungsabläufen erkennbar sind: „Zurzeit werden im Fachausschuss EKiKS, der seit März 2009 arbeitet, Grundsatzentscheidungen für ein einheitliches Vorgehen abgestimmt. Zudem werden die Kompetenzen abgesteckt. Das erleichtert die künftige Arbeit sehr.“ Und auch die einheitliche Bewirtschaftung der Gebäude schafft Erleichterungen und Einsparungen. Die religionspädagogische Arbeit in den Einrichtungen wird auch dann bei den Gemeinden verbleiben, wenn eine Einrichtung in die Trägerschaft des Kirchenkreises übergeht. Die Gemeinden behalten ein weitgehendes Mitspracherecht beispielsweise bei Personalentscheidungen. Zudem ist jede Gemeinde, die ihre Einrichtung an den Kirchenkreis abgibt, im Fachausschuss mit Sitz und Stimme vertreten.
Außer den sieben Kirchengemeinden Burbach, Buschhütten, Müsen, Oberholzklau, Olpe, Christus-Siegen und Erlöser-Siegen haben noch weitere ein Interesse daran, ihre Einrichtungen an den Kirchenkreis abzugeben, so Menzel und Stahl. Einige wollen jedoch zunächst abwarten, wie sich das neue System bewährt. Andere Gemeinden haben die Befürchtung, nicht mehr genug Einfluss auf die Einrichtungen ausüben zu können. So beispielsweise die Befürchtung des Presbyteriums in Dreis-Tiefenbach. Die Kirchengemeinde unterhält einen Kindergarten.
Pfr. Thomas Weiß: „Wir wollen weiterhin Träger des Kindergartens sein. Es ist unser Kindergarten, mit dem wir uns identifizieren und für den wir Verantwortung tragen. Der Kindergarten ist ein Grundstein für unseren Gemeindeaufbau.“
Silke van Doorn, Pfarrerin der Christus-Kirchengemeinde in Siegen, ist froh, dass die drei Kindertageseinrichtungen in die Trägerschaft des Kirchenkreises übergegangen sind. Van Doorn: „Die Kirchengemeinde ist von Verwaltungsarbeit entlastet. Wir können uns jetzt viel mehr um das kümmern, was uns als Gemeinde wichtig ist, nämlich theologische Arbeit in den Einrichtungen leisten. Wir wollen die Einrichtungen ja nicht loswerden.“ Die Kirchengemeinde hat nicht das Gefühl, fremdbestimmt zu sein. Und auch die Mitarbeitenden in den Kindertageseinrichtungen tragen diese Entscheidung. Anfängliche Ängste sind ausgeräumt.

Viele VerhandlungenBis es soweit war, musste in vielen Verhandlungen Überzeugungsarbeit geleistet werden. Bereits im Mai 2007 führte die Kreissynode eine Debatte um die Trägerschaft der Kindertageseinrichtungen. Es ist kein kleines Thema. Innerhalb des Kirchenkreises Siegen tragen 25 Kirchengemeinden 52 Kindertageseinrichtungen. In der Stadt Siegen ist die evangelische Kirche mit ihren Kirchengemeinden der größte Träger. Es geht insgesamt um ein Finanzvolumen von 19 Mio. Euro.
Sollen die Kindergärten in Zukunft weiter in der Trägerschaft der Gemeinden bleiben, von denen einige die finanzielle Last nicht mehr tragen können und loslassen müssen oder gibt es die Möglichkeit, die Kosten solidarisch gemeinsam zu tragen, beispielsweise auf Kirchenkreisebene. Dies würde jedoch bedeuten, dass die Gemeinden, die keine Kindertageseinrichtungen haben, sich an den Kosten der anderen beteiligen. Ziel der Überlegungen war es, möglichst viele ev. Kindertageseinrichtungen dauerhaft zu erhalten. Im Mai 2007 war die Entscheidung noch nicht reif. Das Thema wurde auf den Herbst vertagt. Im November wurde dann die Satzung für die Trägerschaft ev. Kindertageseinrichtungen auf Kirchenkreisebene beschlossen. Mehrheitlich, und doch eher zaghaft. Die Unsicherheit Vieler war noch deutlich. Kann es der Kirchenkreis wirklich besser als die Kirchengemeinden? Haben die Kirchengemeinden bei einer Kirchenkreisträgerschaft noch genügend Mitspracherecht? Was kostet am Ende die Trägerschaft auf Kirchenkreisebene die Gemeinden? Hinzu kam das neue KIBIZ (Kinderbildungsgesetz), das zum 1. August 2008 in Kraft trat, eine komplett neue Finanzierung der Kindertageseinrichtungen mit sich brachte und viel Unbekanntes in sich barg. Und auch mit der Bildung immer größerer Einheiten jenseits der Gemeindeebene tat sich so manche reformierte Seele schwer.Ein halbes Jahr später kam das Thema erneut auf die Tagesordnung der Kreissynode. Diesmal in Form der Finanzierung. Mit 900.000 Euro belasten die evangelischen Kindergärten die kirchlichen Haushalte jährlich. Ungezählte Berechnungsmodi wurden erstellt, um zu ermitteln, wie sich künftig evangelische Kindergartenarbeit so sichern und finanzieren lässt, dass sie Kirchengemeinden und der Kirchenkreis es verkraften können. Erste Kirchengemeinden hatten bereits beschlossen, ihre Kindergärten an die Kommunen abzugeben. Sonderzuschüsse des Kirchenkreises konnten diese Entwicklung abwenden.
Künftig, so beschloss mit großer Mehrheit die Synode, bezahlt jede Kirchengemeinde pro Gemeindeglied einen Betrag von 2,80 Euro. Dies entspricht etwa einem Schlüssel von 2500 Gemeindegliedern pro Kindergartengruppe. Die Kirchengemeinden, die jetzt Kindergartenarbeit vorhalten, zahlen darüber hinaus einen Beitrag pro Gemeindeglied, der sich aus den Kosten ergibt, die durch die Umlage von 2,80 Euro nicht gedeckt sind. Dies sind zurzeit rund 4,30 Euro. Die Gesamtsumme des kreiskirchlich aufzubringenden Trägeranteils an Kindergartenarbeit soll nicht mehr als 7% vom Nettokirchensteueraufkommen betragen.

Sinkende Kinderzahlen bereiten den Kindergärten derzeit noch keine Probleme. Die staatlichen Vorgaben für die Plätze für Kinder unter drei Jahren und die damit verbundenen höheren Aufwendungen sichern den Einrichtungen ihren Bestand, zumindest bis zu den Jahren 2013/14.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)



15 Kindertageseinrichtungen aus sieben Kirchengemeinden sind zum 1. August 2009 in die Trägerschaft des Kirchenkreises Siegen übergegangen

52 evangelische Kindertageseinrichtungen werden im Einzugsbereich des Kirchenkreises Siegen unterhalten



Die religionspädagogische Arbeit in den Kindertageseinrichtungen verbleibt auch bei einem Trägerwechsel zum Kirchenkreis bei den Kirchengemeinden.


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