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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

150 Jahre Trinitatiskirche Eiserfeld
Um Gottes willen

Trinitatiskirche Eiserfeld
23.09.2009 17:44

Seit 150 Jahren versammeln sich die evangelischen Christen in Eiserfeld in ihrer Trinitatiskirche. Grund genug, jetzt das Jubiläum gebührend zu begehen und einen Festgottesdienst zu feiern, zu dem sie als Prediger den Präses der westfälischen Landeskirche Dr. h.c. Alfred Buß eingeladen haben. Die Trinitatiskirche, so Buß im Gottesdienst, steht nicht um ihrer selbst willen, sondern um der Menschen willen und vor allem um Gottes willen. Er legte seiner Predigt einen Satz aus dem Hebräerbrief zugrunde: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Buß: „Fundament der Kirche ist Jesus Christus.“
Eine Kirche, so Superintendentin Annette Kurschus in ihrem Grußwort, sei nach reformiertem Verständnis an sich kein heiliger Raum. Er werde geheiligt durch die versammelte Gemeinde. Dennoch sei es ein Ort, wo Menschen Gottes Nähe und Gegenwart erfahren können.
Den musikalischen Rahmen des Gottesdienstes gestalteten der Posaunenchor und der Kirchenchor.

Historie
Wo heute in Eiserfeld die Trinitatiskirche steht, soll bereits im 13. Jh. eine Kapelle gestanden haben. An sie wurde im 16. Jh. ein „Schullokal“ angebaut und in den folgenden Jahrhunderten erweitert und renoviert. Die Kapelle wurde abgebrochen, um Platz zu haben für eine neue Kirche, deren Grundstein am 20. Mai 1857 gelegt wurde. So ganz ohne Auseinandersetzung kam es nicht zur Grundsteinlegung. Beanspruchten doch auch die katholischen Gemeindeglieder in Eiserfeld Besitz an der Kapelle. Ein Regierungsentscheid weist sie den Evangelischen zu.
Zwei Jahre später, am 16. Mai 1859, fand der erste Gottesdienst in der neuen Kirche statt. Sie bot nach Auskunft des Festheftes zum 100-jährigen Jubiläum etwa 1000 Personen Platz. Ab 1. Januar 1874 gehörte Eiserfeld nicht mehr zur Kirchengemeinde Siegen, sondern bildete eine eigene Kirchengemeinde.

1892 wurde die Kirche innen und außen renoviert. Die Kanzel wurde so verlegt, dass der Pastor während der Predigt nun von allen Plätzen gesehen werden konnte. Den Chorraum schmückte seitdem der Spruch aus Hebr. 18, 3: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ 1925 wurde der Spruch durch ein Gemälde mit einer Christusdarstellung ersetzt, das bei der Gemeinde keinen Anklang fand. 1934 wurde dieses Gemälde wieder entfernt. Man erinnerte sich in der reformierten Gemeinde an das zweite Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis machen.“

70 Jahre lang besaß die ev. Kirche Eiserfeld einen schlichten Dachreiter, der keinen Platz für ein größeres Geläut bot. Eine Gemeindeversammlung sprach sich für den Bau eines Turmes aus, der nicht aus Kirchensteuern finanziert werden sollte. Was dann passierte, wird detailliert in der 100-jährigen Festschrift der Kirchengemeinde geschildert: „Am Freitag, dem 5. November 1926 war das Mauerwerk des Turmes in Höhe von 21 Meter mittags vollendet und sollte acht Tage darauf durch den bereits fertiggezimmerten Helm gekrönt werden. Da stürzte das mit soviel rührender Liebe und Begeisterung ausgeführte Bauwerk abends gegen 9 Uhr vollständig in sich zusammen. Der Freitagabend war seit jeher der Übungsabend des Kirchenchores. Auch an diesem „schwarzen Freitag“ war der Chor im oberen Kirchensaal versammelt. Durch Gottes Fügung aber fiel der Turm in sich zusammen und das Stein- und Mauerwerk rollte zur Freiengründer Straße hin. Die Kirche und die angebauten Säle blieben vollkommen verschont, so daß die Sänger des Chores alle mit dem Schrecken davon kamen. Auch sonst litt kein Mensch Schaden, da die Bauarbeiter und einige andere interessierte Glieder der Gemeinde kurz zuvor die Baustelle verlassen hatten und niemand sich in unmittelbarer Nähe des Turmes aufhielt. Die Kunde vom Einsturz verbreitete sich sehr schnell durchs ganze Dorf und war für die nächsten Tage das Gesprächsthema.“ Als Ursache wird ein zu schnelles Hochziehen des Mauerwerks, schlechter Mörtel und der Verzicht auf Maueranker vermutet. Der zweite Bau hat gehalten und ist bis heute im Stadtteil von weitem zu sehen. Am 18. Dezember 1927 erhielt er seine aus Gussstahl gefertigten Glocken.

1958 reichte der Kirchraum nicht mehr aus, um allen Gottesdienstbesuchern Platz zu bieten. So entschloss sich die Kirchengemeinde neben dem Hauptgottesdienst einen Frühgottesdienst einzurichten. In diesem Jahr wurde auch eine Schwerhörigen- und Lautsprecheranlage eingebaut. Zudem erhielt die Kirche durch einen Anbau eine neue Sakristei. Die alte Sakristei wurde zum Treppenaufgang umgestaltet.

1962-63 wurde die Kirche ein weiteres Mal gründlich renoviert. Die alten Emporen wurden abgebrochen und durch neue Seitenemporen und eine Orgelempore ersetzt. Die Fenster wurden neu verglast und die Kanzel erhielt ihren Platz an der seitlichen Stirnwand.
26 Jahre später erfolgte die bislang letzte Renovierung. Chorraum und Kanzel wurden wieder verändert und die Bänke durch Stühle ersetzt. Eine Fußbodenheizung sorgt seitdem im Winter für angenehme Temperaturen und die installierten neuen Leuchter unterstreichen in ihrer Schlichtheit angemessen den sakralen Raum. Im Zuge dieser Renovierung erhielt das Gebäude auch seinen Namen Trinitatiskirche.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri/ Kirchengemeinde)

Am 5. November 1926 stürzte der noch nicht ganz fertige Turm ein.



Die Trinitatiskirche, wie sie heute von der Freiengründer Straße aus zu sehen ist.



In einem Festgottesdienst erinnert sich die Ev.-Ref. Kirchengemeinde Eiserfeld dankbar an das Gemeindeleben in ihrer Trinitatiskirche.


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