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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Die Rolle der Ortsgemeinde in der Kirche der Zukunft
Gesprächsrunde in Eiserfeld mit dem leitenden Theologen der Evangelischen Kirche von Westfalen

Präses der EKvW Dr. Alfred Buß
23.09.2009 17:49
„Ich kann mir die Kirche ohne Ortsgemeinde auch in Zukunft nicht vorstellen.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. h.c. Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, eine Gesprächsrunde im ev. Gemeindehaus Eiserfeld. Die Evangelische Kirchengemeinde hatte nach dem Festgottesdienst zum 150-jährigen Bestehen der Trinitatiskirche die Gemeinde zu einer Gesprächsrunde mit dem leitenden Theologen der westfälischen Landeskirche eingeladen. Das parochiale Prinzip werde auch in Zukunft erhalten, betonte Buß. Aber es gelte auch die 6. These der Barmer Theologischen Erklärung, wonach die Kirche durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten habe an alles Volk. Man müsse feststellen, dass über die Ortsgemeinden viele Menschen nicht mehr erreicht würden. Daher seien Berufsschularbeit, Telefonseelsorge, Autobahnkirchen oder Studierendengemeinden erforderlich.
In den nächsten Jahren werden sich die Gemeindestrukturen verändern. Buß: „Wir werden entsprechend der demographischen Entwicklung weniger und älter in den Gemeinden. Dadurch werden auch die Kirchensteuereinnahmen weniger. Linear gerechnet gehen die Gemeindegliederzahlen bis 2030 um etwa 1/3 und die Finanzkraft um etwa 50% zurück.“
Dies ist auch in Eiserfeld zu spüren. 1970 hatte die Kirchengemeinde noch 7.000 Gemeindeglieder. Heute sind es noch 4.500. Buß weiter: „Wir haben die Strukturen zu groß gesetzt und müssen jetzt reduzieren. Auch die Zahl der Pfarrer wird sich in Zukunft reduzieren. Sie müssen heute bezahlt und später versorgt werden. Dennoch muss schon jetzt wieder geworben werden für ein Theologiestudium, damit in den nächsten Jahren nicht wieder ein Pfarrermangel herrscht wie in den 20er Jahren.“

Karl-Friedrich Kreutz, stellvertretender Presbyteriumsvorsitzender, brachte seine Besorgnis für viele Gemeindeglieder zum Ausdruck. Die Pfarrer seien überlastet mit Amtsgeschäften und Gremienarbeit. Es bleibe nur wenig Kraft für Innovationen und missionarischen Gemeindeaufbau. Den gelte es zu stärken und zu fördern. Zudem seien zu wenig Ehrenamtliche in der Gemeinde bereit, Aufgaben zu übernehmen.

Auch Superintendentin Annette Kurschus nimmt die Überlastung von Pfarrern wahr. Deren Überlastung hängt ihrer Meinung nach auch damit zusammen, dass die Ortsgemeinden alles selbst in die Hand nehmen wollen. Es werde ebenso über Belastungen geklagt, wie über Entmündigungen, wenn der Kirchenkreis eine Entlastung der Gemeinden beispielsweise im Bereich der Arbeit der Kindertagesstätten organisiere.

Ihm stelle sich die Frage, so Pfr. i.R. Wilhelm Winkelmann, ob die Überforderung der Pfarrer nicht auch an ihnen selbst liege. Sie hätten eine Kompetenz in allen Dingen. Dadurch würden die Charismen in der Gemeinde überlagert.

Der Präses empfiehlt den Pfarrern die Bibel zu lesen und Theologie zu treiben. Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge seien die Hauptaufgaben der Pfarrer.

Superintendentin Annette Kurschus machte Mut, die Situation anzunehmen und heute Weichen für Morgen zu stellen. Gemeindeleitung müsse gabenorientiert auf mehrere Schultern verteilt werden.

Musikalisch umrahmt wurde der Gesprächskreis von dem Steicherensemble Rondo da capo unter der Leitung von Elisabeth Dietermann.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Präses Dr. Buß in Eiserfeld: „Ich kann mir die Kirche ohne Ortsgemeinde auch in Zukunft nicht vorstellen.“

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