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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Ein stiller Arbeiter im Weinberg des Herrn
Pfarrer Werner Stockhecke in Littfeld verabschiedet

Pfarrer Werner Stockhecke mit Ehefrau Astrid
10.11.2009 16:57
Nach 36 Dienstjahren in der Kirchengemeinde Krombach wurde jetzt Pfarrer Werner Stockhecke im Samstagabendgottesdienst im ev. Gemeindezentrum Littfeld in den Ruhestand verabschiedet.
Werner Stockhecke lag seine Gemeinde in Littfeld und Welschen-Ennest am Herzen. Hier gehörte er hin, seit er nach seinem Theologiestudium, einem Vikariat in Kreuztal und einem Sondervikariat in London zunächst als Hilfsprediger, wie es damals hieß, in Littfeld seine Gemeindearbeit begann. Kurze Zeit später wurde die dritte Pfarrstelle in Krombach eingerichtet und Werner Stockhecke am 15. Dezember 1974 in eben diese Pfarrstelle eingeführt. Presbyter Harald Affholderbach skizzierte die Arbeit von Stockhecke in Littfeld. Im ersten Drittel seiner Amtszeit habe er sich besonders um die Jugend bemüht und eine gute Jugendarbeit aufgebaut. Die Einrichtung einer Disco für die jungen Leute sei für die Kirchengemeinde sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Im letzten Drittel seiner Amtszeit habe er stärker die Senioren im Fokus. Gerne erinnere man sich an die gut vorbereiteten Senioren-Freizeiten. Und nicht zuletzt an den Humor des Pfarrers, der schon legendär auf solchen Freizeiten als Komiker Herbert Knebel auftrat. Seine Familie hat den Pfarrer bei seiner Gemeindearbeit unterstützt und sich ehrenamtlich eingebracht.
Sein Pfarrkollege Jochen Ahl erinnerte an die 20 Jahre gemeinsamer Arbeit in der Kirchengemeinde Krombach. Stockhecke habe sich die Freiheit gegönnt, bei manchen Dingen zu sagen: „Nein, das ist nicht mein Stil. Macht ihr das Mal, aber ich gehe meinen Weg.“ Und wenn die Kollegen mal wieder auf Freizeit unterwegs gewesen seien, habe er zu Hause Stallwache gehalten. Er habe sich selbst als einen stillen Arbeiter im Weinberg des Herrn gesehen und dazu eingeladen, dass Menschen das „Wassers des Lebens“ entdecken und daraus schöpfen.

In seiner Abschiedspredigt bezog sich Stockhecke auf die bekannte biblische Geschichte, die dem Holzrelief an der Kanzel im Ev. Gemeindezentrum Littfeld zugrunde liegt. Der Siegerländer Künstler Hermann Kuhmichel hat es geschaffen und es zeigt das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Die Geschichte vom verlorenen Sohn sei eher die Geschichte vom barmherzigen Vater, so der Theologe. Er schilderte drastisch die Geschichte des Sohnes, der sich seine Freiheit nimmt und mit seinem Erbteil aus dem Vaterhaus geht. Aus dem Auszug wird ein Absturz. Der Sohn landet als beziehungsloser Sklave bei den Schweinen. Der Vater nimmt den Ausreißer wieder liebevoll als Sohn an. Stockhecke: „Die Freiheit, die der Sohn meinte und wollte, gibt es nicht. Unter einem Herren stehen wir immer. Wir Menschen wollen unsere eigenen Herren sein. Wir wollen uns nichts sagen lassen und verschließen uns vor Gott. Wir begeben uns in eine Knechtschaft hinein.“ Er zitiert Martin Luther: Entweder wird der Mensch von Gott oder vom Teufel geritten. Das Gott den Menschen wieder annimmt, so Stockhecke, sei das Wunder der Liebe Gottes. Diese Liebe Gottes könne nicht erworben werden durch Gehorsam oder Pflichterfüllung. Die Christen glaubten an einen zuvorkommenden Gott. Und das sei die Botschaft gewesen, die er in all den Jahren als Pfarrer in Littfeld auszurichten versucht habe: Die Botschaft vom zuvorkommenden menschlichen Gott.

Nach der Predigt entpflichtete ihn Superintendentin Kurschus von seinen Amtspflichten als Gemeindepfarrer. Kurschus: „Ihr Tun und Lassen hat Spuren hinterlassen in den Köpfen und Herzen der Menschen. Vielen sind Sie zu einem wichtigen Prediger und Seelsorger geworden. Abschied ist immer auch schwer. Auch wenn ein neuer Lebensabschnitt verheißungsvoll auf uns wartet.“ Die Gemeinde bittet die Superintendentin, ihren ehemaligen Gemeindepfarrer loszulassen und ihn nicht mehr um Dienste zu bitten. Auch wenn er das Recht behält, als ordinierter Pfarrer zu predigen, zu taufen und das Abendmahl auszuteilen. Schmerzlich ist für die Gemeinde, dass die Pfarrstelle aus finanziellen Gründen nicht wieder besetzt wird. Die Kirchengemeinde muss neue Wege suchen und finden, wie die Gemeindearbeit künftig mit weniger hauptamtlichem Personal gestaltet werden kann. Kurschus: „Gott, der seine Gemeinde sammelt und schützt, hat verheißen, sie zu erhalten.“ Den musikalischen Teil des Abschiedsgottesdienstes übernahmen der Posaunenchor und Günter Drucks an der Orgel und nicht zuletzt der Chor „Lichtblicke“, in dem Werner Stockhecke und seine Frau Astrid mitsingen. Familie Stockhecke nebst Hund William bleiben den Littfeldern erhalten. Und damit auch die schon legendäre Begeisterung des Pfarrers für Schwarz-gelb, seinen Dortmunder Fußballverein BVB.
Und auch in die Seniorenarbeit der Kirchengemeinde wird sich Werner Stockhecke, wenn auch nicht mehr als Gemeindepfarrer, weiterhin einbringen.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Nach 36 Dienstjahren in der Kirchengemeinde Krombach wurde Pfarrer Werner Stockhecke, hier mit Ehefrau Astrid, in den Ruhestand verabschiedet.

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