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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Wann ist ein Mann ein Mann?
Lebhafter Kreismännertag in Eiserfeld

Vorsitzende der Männerarbeit der EKD Pfr. Heinz-Georg Ackermeier
13.11.2009 11:57
Es war ein lebhafter Kreismännertag mit einer Rekordteilnahme. Über 120 Männer aus 15 Männerkreisen im Kirchenkreis Siegen trafen sich jetzt im ev. Gemeindehaus Eiserfeld zum Kreismännertag. „So viele waren wir noch nie“ begrüßte der Kreismännerbeauftragte Pfr. Christoph Dasbach, Kirchengemeinde Wilnsdorf, die zumeist über 60-jährigen. 20 Männerkreise gibt es zurzeit im Kirchenkreis Siegen, die sich regelmäßig treffen.

Haben sich die Männer in Deutschland verändert? Dieser Frage geht eine repräsentative Studie nach, die im Auftrag der Männerarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands erstellt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht wurde. 1.470 Männer und 970 Frauen gaben Auskunft zu ihrer Einstellung zu Arbeit, Familie, Innenwelt, Religion und Kirche. Wissenschaftlich betreut wurde die Studie mit dem Titel „Männer in Bewegung - Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland“ von dem Sozialwissenschaftler Rainer Volz (Düsseldorf) und dem Pastoraltheologe und -soziologe Paul Michael Zulehner (Wien). Was dabei herauskam und welche Veränderungen im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahr 1998 zu verzeichnen sind, erläuterte der Vorsitzende der Männerarbeit der EKD Pfr. Heinz-Georg Ackermeier. Herausgekommen ist beispielsweise, dass Männer die Berufstätigkeit von Frauen heute höher bewerten als noch vor zehn Jahren. Heute wird es als selbstverständlicher angesehen, dass Frauen zum Haushaltseinkommen beitragen. Die Meinung nimmt ab, dass die Berufstätigkeit von Frauen sich negativ auf die Ehe und die Kinder auswirkt. Männer nähmen heute ihre Vaterrolle ernster als noch vor Jahren. Diese Veränderung, so Ackermeier, könne auch etwas mit der wirtschaftlichen Situation zu tun haben. Ein Gehalt reiche oft nicht mehr aus, um eine Familie zu versorgen.
Hier setzte eine lebhafte und kontroverse Diskussion ein. Nicht alle waren der Meinung, dass es für eine Familie gut sei, wenn die Frau einem Beruf nachgehe.

Die Familie als Lebensgemeinschaft mit Kindern stehe unangefochten auf Platz eins, vor Freunden, Freizeit und Arbeit, entnahm der Theologe der Studie. Während 1998 22% der modernen Männer in der Arbeit ihren Sinn gesehen hätten, seien es heute 45%. Eine hohe Wertschätzung von sowohl Familie als auch Arbeit sei festzustellen. Hier müssten Regelungen gefunden werden, wie Arbeit und Familie gleichermaßen bewältigt werden könnten. Deutlich wurde in dem Vortrag, dass die Väter heute eher bereit sind, ihrer Vaterrolle gerecht zu werden. Dies macht es den Firmen bei der Organisation von Arbeit nicht einfach. Die Wirtschaft hat den Anspruch, dass Männer allzeit flexibel verfügbar sind. Auch Männer haben somit zunehmend das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Was machen Männer mit ihren Kindern? Am liebsten spielen, am wenigsten beten lautet die Studienantwort. Nach wie vor erziehen die Mütter stärker die Kinder als die Väter. Im Haushalt sind die Männer eher für das Technisch-Praktische zuständig, während die Frauen stärker in häuslich-sozialen Bereichen tätig sind.

Ein Nebenthema war das Stichwort Pflege. Männer, so Ackermeier, seien nicht resistent gegen Pflege. Sie pflegten im Alter die Person, mit der sie zusammenleben. Sie seien aber eher nicht bereit, hierzu ihre Berufstätigkeit aufzugeben.

Es herrsche eine Sehnsucht nach verlässlichen Lebensformen vor, wusste der Theologe zu berichten. Dabei sei die bürgerliche Ehe hoch im Kurs. Für einen idealen Lebensraum werden von 87% der Männer und 91% der Frauen Stabilität und Liebe genannt. Die faktischen Scheidungszahlen zeigen allerdings, wie schwer es sei, dies zu verwirklichen. Trotz der Scheidungszahlen hielte nur eine Minderheit der Männer (25%) die Ehe für eine überholte Einrichtung. Vertrauen, Liebe, Treue und Ehrlichkeit seien als wichtige Beziehungsfaktoren benannt.

Kirchen seien für viele Männer, so Ackermeier, ein exotischer Ort. Je moderner Männer geprägt seien, umso kirchendistanzierter seien sie. Allerdings sei eine leichte Veränderung insgesamt auszumachen. Kirche habe bei Männern an Ansehen gewonnen. Allerdings wollten sie keine Bevormundung, sondern Gespräche auf Augenhöhe. Während 1998 sich 37% der Männer und 53% der Frauen als religiös eingeschätzt hätten, schätzten sich 2008 39% der Männer und nur noch 43% der Frauen so ein. Männer, so werde deutlich, hätten einen anderen Zugang zu Spiritualität und Glauben als Frauen. Eine Zunahme von 14% auf 33% habe die Bejahung der Frage erfahren, ob Glaube eine Bedeutung bei der Bewältigung von Lebenskrisen habe. Auch die Kirchenverbundenheit und Kirchensympathie sei bei den Männern von 16% auf 29% gestiegen. Selbst bei Konfessionslosen sei die Kirchensympathie von 3% auf 11% gestiegen. Dies sei eine deutliche Aufforderung an die Kirche, für die Arbeit mit Männern mehr Raum, Geld und Personal zu geben.

Nach dem Mittagessen hatte die Eiserfelder Männergruppe noch zwei alternative Kulturprogramme im Angebot. Etliche nahmen an einer Besichtigung des Reinhold-Forster-Erbstollens teil, andere besuchten das Heimatmuseum.

Die komplette Männer-Studie mit dem Titel „Männer in Bewegung“ ist im Internet unter www.ekd.de/download/maennerstudie2009-03-18.pdf zu finden. kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Heinz-Georg Ackermeier, Vorsitzender der Männerarbeit der EKD, erläuterte die neue Männer-Studie, wonach Kirche bei Männern an Ansehen zugenommen habe.

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