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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Pfarrer Berthold Heiermann in Weidenau verabschiedet
Pfr. Berthold Heiermann
03.12.2009 15:00
Seit fast dreißig Jahren war Berthold Heiermann Pfarrer in der Kirchengemeinde Weidenau. Am 1. Advent wurde er jetzt in einem Gottesdienst von seiner Gemeinde herzlich verabschiedet und von Superintendentin Annette Kurschus von seinen Amtspflichten entbunden.
Am Ostersonntag, dem 7. April 1980, wurde Heiermann von Synodalassessor Günther Albrecht in die dritte Pfarrstelle der Kirchengemeinde Weidenau eingeführt. Zuvor war er einige Jahre in der Paulusgemeinde in Hagen tätig. Seit April 1974 feiert Heiermann regelmäßig Gottesdienste. Die weitaus meisten davon in Weidenau. In seiner Dienstzeit sind es etwa 2000 gewesen. Nicht selten mehrere an einem Sonntag.
In seiner Abschiedspredigt über Psalm 136, 1-9 machte Heiermann deutlich, dass der Psalmbeter von einer Ich-Du-Beziehung spricht, von einer persönlichen Erfahrung mit Gottes Wirklichkeit. Gottes Größe sei zwar nicht zu fassen, aber zu spüren. „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Mit diesem Zuspruch werde er zuversichtlich in den neuen Lebensabschnitt gehen. Der Gemeinde wünschte er ein weiteres Gedeihen unter Gottes schützender Hand. „Möge Gottes unendliche Liebe Ihnen Trost, Hoffnung und Leben schenken.“

Superintendentin Annette Kurschus, selbst sechs Jahre lang Pfarrerin in Weidenau gewesen, entband ihren ehemaligen Pfarrkollegen von seinen Pflichten. Er habe mit besonderer Verlässlichkeit und Treue seine Gaben in der Kirchengemeinde und im Kirchenkreis eingebracht. Kurschus: „Dein Tun und Lassen hat Spuren hinterlassen. Unsichtbare in den Köpfen und Herzen und auch sichtbare. Vielen bist Du zu einem wichtigen Prediger, Seelsorger, Begleiter, Lehrer und vertrauten Freund geworden. Die Botschaft von der Treue und Liebe Gottes hast Du verkündigt und gelebt. Nun bist Du frei von den dienstlichen Pflichten in der Kirchengemeinde Weidenau.“ Für seinen weiteren Lebensweg sprach die Superintendentin ihm den Segen Gottes zu.

Die Abschiedsgrüße und den Dank der Kirchengemeinde überbrachte Pfarrer Martin Eerenstein. „Dein Dienst umfasste mehr als 100%, oftmals sieben Tage die Woche „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“, immer warst Du erreichbar. Pfarrer sein war zu 100% Dein Lebensinhalt. Immer wurde man freundlich und hilfsbereit begrüßt. Du hast Deine Altersgenossen angesprochen und die Menschen mitgenommen in die Gemeinde, sei es in die Krabbelgruppe oder den Hauskreis.“ Zum Abschied und zur Erinnerung an die Weidenauer Zeit überreichte er dem scheidenden Pfarrer augenzwinkernd ein reformiertes Beffchen, jene weiße Halsbinde, die auf dem Talar getragen wird und bei den Pfarrern, die das reformierte Bekenntnis bei ihrer Ordination abgelegt haben, aus zwei komplett miteinander verbundenen Rechtecken besteht. Bei den Lutheranern besteht es aus zwei im 30° Winkel abstehenden Teilen. Das Beffchen war ursprünglich als Schutz des Talars vor dem Bart des Pfarrers gedacht. Eerenstein zu Heiermann: „Damit Du immer weißt, wo Du herkommst. Reformiert steht für Qualität. Das haben wir bei Dir empfunden.“

Heiermann war mit Leib und Seele Pfarrer. In der Gemeinde hat er sich während drei Jahrzehnten in fast allen Ausschüssen eingebracht und 20 Jahre lang den Gemeindebrief redigiert. Mit der Kirchengemeinde unternahm Heiermann gerne Studienfahrten in alle Welt. Schottland, Ungarn, Rom, Israel sind nur einige Stationen der von ihm vorbereiteten Reisen. Auf Kirchenkreisebene war er 20 Jahre lang Beauftragter für den Kirchlichen Unterricht, etliche Jahre hat er als Vorsitzender des Ausschusses für „Öffentliche Verantwortung“ und Öffentlichkeitsbeauftragter die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises gestaltet und den Regionalteil der evangelischen Zeitung „Unsere Kirche“ verantwortet. Bis zuletzt war Heiermann Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen und wurde von den Gemeinden in dieser Funktion oft zu Rate gezogen. Zudem erteilte er Religionsuunterricht an einem städtischen Gymnasium.

Musikalisch gestalteten der Calvin-Chor unter der Leitung von Hans-Hermann Steiner und Almut Pieck an der Querflöte sowie Organistin Christine Wahnschaffe den Gottesdienst.

Eine Überraschung gelang einigen Kindern des Familienzentrums Vogelsang. Als Könige verkleidet brachten sie zwar nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe mit, dafür aber einen Schinken, Hustenbonbons, eine Lampe mit Fichtennadelduft, der an das Siegerland erinnern soll, sowie ein Kissen und eine mit Handabdrücken selbst dekorierte Decke. Die Geschenke sollen den Ruhestand angenehmer machen. Den verbringen Berthold Heiermann und seine Ehefrau Waltraud in der Stadt Norden in Ostfriesland. Dort hat es sie schon oft während der Urlaubszeit hingezogen. In Norden werden sie sich ins kirchliche Gemeindeleben einbringen. Heiermann: „Auch in meinem neuen Lebensabschnitt will ich gerne Pfarrer und Pastor bleiben, aber an erster Stelle Privatmensch sein.“
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Seine letzte Predigt als Gemeindepfarrer hielt Bertold Heiermann am 1. Advent von der Kanzel der Haardter Kirche. Deutlich zu sehen sein lutherisches Beffchen, bestehend aus zwei unverbundenen Rechtecken, in die jeweils ein Kreuz eingewirkt ist. Zudem trägt er, untypisch für reformierte Pfarrer, eine weiß-rote Stola.

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