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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
130 Jahre Evangelische Frauenhilfe Eiserfeld

Erika Denker, Margret Menn, Waltraud Posselt
04.02.2010 15:53

Die älteste Evangelische Frauenhilfe im Siegerland feierte jetzt, etwas im Nachhinein, ihren 130sten Geburtstag. 1879 wird als Geburtsjahr der heutigen Evangelischen Frauenhilfe Eiserfeld angesehen. Die hatte denn auch zu einem Festgottesdienst in die Trinitatiskirche und anschließend zu einem geselligen Beisammensein ins Evangelische Gemeindehaus geladen.
Die Festpredigt hielt Superintendentin Annette Kurschus über den biblischen Leitvers der Frauenhilfsarbeit in Eiserfeld: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40). Sie wies darauf hin, dass sich die Rolle der Frau in der Gemeinde seit den Anfängen der Frauenhilfsarbeit verändert habe. Frauenhilfe sei aber immer noch Diakonie aus der Gemeinde für die Gemeinde. Die Frauen setzten das, wovon sie lebten und worauf sie vertrauten, in die Tat um.

Erika Denker überbrachte die Grüße des Bezirksverbandes der Siegerländer Frauenhilfen und die des Landesverbandes. Sie machte auf die beiden Projekte Zeitpaten und Starthilfe aufmerksam. Heute werden wieder mehr die Familien und Mütter mit Kindern in den Blick der Frauenhilfe genommen. Auch die Frauenhilfsvereine der Nachbargemeinden freuten sich mit dem Eiserfelder Verein und grüßten herzlich.

Margret Menn, stellvertretende Vorsitzende der Frauenhilfe Eiserfeld, ließ im Gemeindehaus die vergangenen 13 Jahrzehnte Revue passieren. Als „Verein mildtätiger Frauen“ wurde die heutige Frauenhilfe gegründet. Damals hatte sich die Einwohnerzahl Eiserfelds, einer aufstrebenden Bergbau- und Industriegemeinde, durch den Zuzug vieler Quartiersleute vom Westerwald und aus dem Nassauischen fast verdreifacht. Es war die Zeit der Anfänge der Vorschulpädagogik und die erste Wirtschaftskrise traf besonders den Bergbau. Die kinderreichen Familien, von Armut und Krankheit geprägt, hatten einen hohen Bedarf an Kinderbetreuung. So wurde eine sogenannte Kleinkinderschule in der Helsbach gebaut und eine fachkundige Betheler Diakonisse eingestellt. Der Schuldendienst und die Folgekosten überstiegen jedoch die Leistungsfähigkeit des Vereins. Das Haus wurde der politischen Gemeinde übertragen. Die Diakonissen versahen bis zur NS-Zeit weiter ihren Dienst.
1895, so die Aufzeichnungen der ehemaligen Vorsitzenden Hilde Dresler, wurde der Verein von Pfr. Heinrich Hubbert vor eine neue große Aufgabe gestellt. Eine Gemeindeschwester wurde eingestellt zur Betreuung der Alten und Kranken des Dorfes. Die Kirchengemeinde und die Kommune bezuschussten diese Arbeit. Der Frauenverein erwachte zu neuem Leben. Er wurde eine Krankenpflegestation der Frauenhilfe eingerichtet. Vielen älteren Frauen sind heute noch die Wittener Diakonissen im Dorfbild in dankbarer Erinnerung. Diese Frauenhilfsarbeit fand 1990 auf Grund geänderter gesetzlicher Vorgaben der Gesundheitsreform nach 95 Jahren ein Ende. Viele Eiserfelder Frauen gaben ihre Mitgliedschaft in der Frauenhilfe auf und traten dem „Freundeskreis Diakoniestation“ bei zur Unterstützung nicht refinanzierbarer Aufgaben.
1906, im Gründungsjahr der Westfälischen Frauenhilfe Soest, trat der Ev. Frauenverein Eiserfeld dem Verband bei und führt seitdem den Namen „Evangelische Frauenhilfe Eiserfeld“.
1900 zählte Eiserfeld 3.500 Einwohner. Durch den technischen Fortschritt in den Gruben trat die Staublunge als eine neue Krankheit unter Bergleuten auf. Die Erkrankten erreichten kaum das 50. Lebensjahr. Sie hinterließen ihre Familien in Armut. Eine zweite Krankenschwester wurde eingestellt. Die Zahl der Frauenhilfsmitglieder stieg. Auch katholische Frauen wurden Mitglied bei der Evangelischen Frauenhilfe. Mit der Mitgliedschaft verbunden war der Anspruch auf häusliche Krankenpflege. Noch in 1959 zählte die Frauenhilfe in Eiserfeld 1000 Mitglieder.
Während der beiden Weltkriege packten die Frauen Päckchen für die Soldaten an der Front. In all den Jahren kamen die Frauen mittwochnachmittags zusammen. Es wurde nach einer Andacht zur Handarbeit vorgelesen. Missionsschwestern hielten Vorträge. Kurse für Säuglingspflege wurden angeboten und es gab lange Zeit eine Nähschule. Erst 1930 übernahm mit Helene Steinseifer eine Frau den Vorsitz des Vereins. Bis dahin hatten die Pfarrer den Vorsitz inne.
Heute geht es der Frauenhilfe in Eiserfeld ähnlich wie vielen anderen Frauenhilfen im Siegerland. Es treffen sich zumeist ältere Frauen. In Eiserfeld sind es zurzeit 30-40, die sich zu den Frauenhilfsstunden vierwöchentlich mittwochs unter der Leitung der heutigen Vorsitzenden Waltraud Posselt einfinden. Der Generationenwechsel ist schwer. Erste Anzeichen auf Bezirksverbandsebene lassen erkennen, dass die Frauenhilfen die Herausforderungen angenommen haben.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

130 Jahre Evangelische Frauenhilfe Eiserfeld. Grund für einen Festgottesdienst und ein geselliges Beisammensein. Im Bild von links: Erika Denker, Vorsitzende des Bezirksverbandes der Siegerländer Frauenhilfen, Margret Menn, stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Frauenhilfe Eiserfeld, und Waltraud Posselt, die Vorsitzende.

Bei der Innenrenovierung der Trinitatiskirche fand Küster Friedrich Schlemper auf dem Dachboden die Bildurkunde über den Beitritt der Eiserfelder Frauenhilfe zur Westfälischen Frauenhilfe Soest im Jahre 1906. Die Bildurkunde trägt die Unterschrift der Kaiserin und den Bibelvers aus Matthäus 25,40: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“


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