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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Sorgen kann man teilen: 0800-1110111
30 Jahre TelefonSeelsorge Siegen

Karola Faust, Rolf-Christian Wangemann und Heiner Meilwes
30.04.2010 13:05
Die TelefonSeelsorge ist heute aus dem Netz der Beratungsangebote nicht mehr wegzudenken. Bundesweit ist unter der gebührenfreien Nummer 0800-1110111 Rat und Hilfe erhältlich.
Seit 30 Jahre gibt es die TelefonSeelsorge in Siegen. Am 1. Mai 1980 nahm die TelefonSeelsorge Siegen mit 49 Mitarbeitenden ihren Dienst auf. Sie wurde gegründet von den ev. Kirchenkreisen Siegen und Wittgenstein und dem kath. Gemeindeverband Siegerland-Südsauerland. Angesichts der psychosozialen Unterversorgung in der Region wollten die drei Träger 1980 ein Beratungsangebot rund um die Uhr einrichten, wo Menschen in Not und Einsamkeit einen verschwiegenen Gesprächspartner finden.

Am ersten Tag kamen 25 Anrufe, wissen Heiner Meilwes, Leiter der TelefonSeelsorge in Siegen und Karola Faust, ehrenamtliche Mitarbeiterin der ersten Stunde. Ein älteres Ehepaar beispielsweise litt unter dem Schwiegersohn. Ein krebskranker Mann sprach über seinen nahen Tod und eine verzweifelte Frau wurde von ihrem Mann geschlagen und suchte Hilfe. Eine junge Frau hatte Drogenprobleme und fragte, wo sie sich hinwenden könne. Die 80-jährige Karola Faust erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Ich erfuhr von Pfr. Helmut Flender, dem ersten Leiter der Einrichtung, das Ehrenamtliche gesucht würden und hatte Interesse an einer solchen Aufgabe. Wir wurden ein Jahr lang ausgebildet und konnten dann den Telefonseelsorgedienst übernehmen.“

Auch heute noch wird bei der TelefonSeelsorge großer Wert auf eine sorgsame Auswahl und qualifizierte Ausbildung der ehrenamtlich Mitarbeitenden gelegt, betont Rolf-Christian Wangemann, stellvertretender Leiter der TelefonSeelsorge. Flexibilität, Dienstbereitschaft, Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Verlässlichkeit und nicht zuletzt eine Verbundenheit dem christlichen Auftrag in einer kirchlichen Einrichtung sind wichtige Voraussetzungen, um ehrenamtlich in der TelefonSeelsorge mitarbeiten zu können. Eineinhalb Jahre dauert eine solche qualifizierte Ausbildung, die mit der Verpflichtung einher geht, mindestens zwei Jahre in der TelefonSeelsorge mitzuarbeiten. Die Motivation mitzuarbeiten, ist heute neben der Dienstbereitschaft die fundierte Ausbildung, die in vielen anderen Lebensbereichen hilfreich ist. In der Gruppe werden die Belastungen der Gespräche aufgearbeitet. Dadurch entsteht auch eine große Verbundenheit der Ehrenamtlichen. Diese Supervision ist außerordentlich wichtig. Karola Faust erinnert sich an eine Situation in den Anfängen, wo sie nachts vier Stunden mit einem jungen Mann gesprochen hat, der aus einer Telefonzelle anrief und sich umbringen wollte. Faust: „Ich hatte Angst versagt zu haben, wenn sich nach diesem Gespräch der junge Mann umgebracht hätte. Ich habe einige Tage die Todesanzeigen in der Tageszeitung aufmerksam gelesen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, mich abzugrenzen.“

Wer anruft, wissen Mitarbeitende in der TelefonSeelsorge nicht. Die Rufnummerübermittlung ist ausgeschaltet. Anonymität ist ein hohes Gut. Der Anrufer selbst bestimmt, ob und wie weit er die Anonymität aufgibt. Aber auch die Beraterin oder der Berater am Telefon bleibt unerkannt.

Inzwischen sind 30 Jahre vergangen, das Seelsorgentelefon in Siegen hat über 500 000 Mal geklingelt und Hilfe suchende Menschen aus dem Siegerland, aus Wittgenstein, aus dem Olper und Betzdorfer Raum sowie aus dem Westerwald haben immer wieder einen Gesprächspartner, Begleitung in ihrer Not oder Halt in einer zugespitzten Krise gefunden.

Im Vergleich zum Anfang haben sich die Zahl und die Art der Kontakte mit der TelefonSeelsorge sehr verändert. Im letzten Jahr erreichten die TelefonSeelsorge Siegen 27 233 Anrufe. Das sind täglich 70-80 Anrufe, die heute von ungefähr 100 Ehrenamtlichen angenommen werden.

Anders als zu Beginn ist heute die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr präsent. Gab es bis in den 90er Jahren täglich nur einen Anruf aus dieser Altersgruppe, sind es heute jeden Tag ungefähr 30 Kontakte. Dadurch, dass heute jeder Jugendliche ein Handy hat, ist es für diese Generation normal, ständig über dieses Medium zu kommunizieren, auch mit der TelefonSeelsorge.

Eine andere große Veränderung: Die TelefonSeelsorge Siegen bietet neben dem Telefonnotruf (0800 1110111) auch Email - (seit Dezember 2001) und Chatberatung (seit Frühjahr 2006) an. Diese Beratungs- und Seelsorgeangebote können Ratsuchende über die Adresse www.Telefonseelsorge.de erreichen. Die Beratung im Internet ist noch niedrigschwelliger als am Telefon. So sagt eine Ratsuchende: „Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass ich das, was ich hier schreibe, am Telefon sagen könnte. Das wäre mir viel zu nah.“
Während die Chatberatung ähnlich wie die Telefongespräche im Hier und Jetzt einen hilfreichen Kontakt anbietet, ermöglicht die Beratung per Mail die Begleitung eines Ratsuchenden über einen längeren Zeitraum hinweg. So kann eine Entwicklung mit verfolgt werden.
Im letzten Jahr wurden in der TelefonSeelsorge Siegen 266 Mails bearbeitet und 99 Chats durchgeführt. Vor allem junge Erwachsene nutzen das Angebot TelefonSeelsorge im Internet. Ähnlich wie am Telefon stehen die Themen psychische Erkrankungen, Beziehung, Partnerschaft und Familie im Vordergrund. Aufgrund der steigenden Nachfrage sind die Internetberatungsplätze von zwei auf vier verdoppelt worden. Und auch die Erreichbarkeit am Telefon ist seit Anfang 2010 erhöht worden, indem in den Abend- und ersten Nachtstunden das Telefon doppelt besetzt ist. Helfen können die Mitarbeitenden nicht immer. Sie sind keine Therapeuten. Rolf-Christian Wangemann: „Wir wissen um die Begrenztheit unserer Möglichkeiten und überweisen Menschen in gute Hände.“
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Karola Faust, Rolf-Christian Wangemann und Heiner Meilwes. Für das Siegerland, Wittgenstein, den Olper und Betzdorfer Raum sowie den Westerwald ist die TelefonSeelsorge Siegen ein verlässlicher Ansprechpartner bei seelischer Not.

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