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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Synode 19. Mai 2010
Unter der Hermeneutik des Verdachtes
Kreissynode Siegen lehnte Vorschläge Kirchengesetzänderungen ab

Pfarrer Rolf Fersterra
25.05.2010 17:04

Das ging den Synodalen im Kirchenkreis Siegen denn doch zu weit. Sie machten sich die Stellungnahme des Theologischen Ausschusses zu Eigen, lehnten vier Kirchenordnungsänderungsvorschläge ab und beantragten, dass die Landessynode die Gesetzesvorlagen überarbeiten solle. Dabei müsste die Bedeutung der gewachsenen Strukturen überschaubarer Ortsgemeinden und Kirchenkreise berücksichtigt werden. Von einer Kompetenzverschiebung zu Lasten der Kirchengemeinden sei abzusehen.
Worum ging es? Es ging der Landeskirche um die Möglichkeit eingreifen zu können bei Pflichtverletzungen des Kreissynodalvorstandes. Es ging um das Recht der Ersatzvornahme durch die Landeskirche zu Lasten des Kirchenkreises und es ging vor allem um die Regelung der Leistungsfähigkeit der Kirchenkreise und Kirchengemeinden.
Dr. Detlef Metz brachte die Änderungsvorschläge der Landeskirche in die Synode ein und wies auf potentielle Schwachstellen des beabsichtigten Regelwerks hin. Ziel der Änderung der Kirchenordnung ist es, folgende kirchlichen Handlungsfelder sowohl auf der Ebene der Landeskirche, der Kirchenkreise sowie der Gemeinden verlässlich auszubilden: 1) Gottesdienst, Kirchenmusik und Kultur, 2) Seelsorge und Beratung, 3) Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung, 4) Mission und Ökumene, 5) Bildung und Erziehung und 6) Leitung und Verwaltung inklusive Öffentlichkeitsarbeit. Die Landeskirche hat die Sorge, dass sich diese Ziele in der Fläche angesichts der zurückgehenden Kirchenmitglieder und schwindenden Kirchensteuermittel nicht erreichen lassen. Metz: „Die hier zum Ausdruck kommende Sorge der Landeskirche mit ihrer besonderen Perspektive, dem Blick für das Ganze, ist ganz und gar nicht unberechtigt, in einer Zeit, die uns vermutlich noch einige Verteilungskämpfe bringen wird, zwischen den Kirchengemeinden, zwischen den Kirchengemeinden und dem Kirchenkreis und dessen Einrichtungen, Referaten und Diensten, die von der Kreissynode errichtet wurden und die die Gemeinden nicht unwesentlich in ihrer Arbeit entlastet haben und noch entlasten.“ Einher geht damit die Sorge um den Erhalt der Solidargemeinschaft.
Die geplanten Änderungen, so Metz, erweitern die Interventionsmöglichkeiten der Landeskirchenebene deutlich. Ihr Ziel sei die Schaffung und Erhaltung starker, handlungsfähiger Kirchengemeinden und Kirchenkreise. „Insofern sollte man die angestrebten KO-Änderungen nicht mit der weithin üblich gewordenen Hermeneutik des Verdachtes lesen, nach der das, was „die da oben“ wollen, nichts Gutes sein kann.“ In der Geschichte der Kirchenverfassung, so der Kirchenhistoriker Metz, sei mit der presbyterial-synodalen Ordnung stets die Zielsetzung verbunden gewesen, die jeweils untere Ebene zu stärken, dass sie ihren Auftrag erfüllen könne.
Er sieht jedoch die beabsichtigten Eingriffsmöglichkeiten der Landeskirche als zu stark in die Selbstverwaltung der Kirchengemeinden und Kirchenkreise eingreifend. Weitere Möglichkeiten der Selbstregulierung, wie beispielsweise eine Art „konstruktives Misstrauensvotum“, das eine Kreissynode gegenüber einem Kreissynodalvorstand aussprechen könnte, stärkten die Kirchenkreise die Handlungsfähigkeit selbst wieder herzustellen.

Der Theologische Ausschuss hatte in vier Sitzungen die Änderungsvorschläge der Kirchenordnung kontrovers beraten, sie aber letztlich allesamt abgelehnt. Pfr. Rolf Fersterra, Vorsitzender des Theologischen Ausschusses, erläuterte die Beratungsergebnisse. Fersterra: „Lenkung und Leitung werden immer mehr von der Gemeinde weg nach oben verlagert.“ Er plädierte für eine Kirchenpolitik, die die Stärke und Mündigkeit der Kirchengemeinde mit allen Kräften fördert.
Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller versuchte die Befürchtungen der Synodalen zu zerstreuen. Es sei seitens der Landeskirche nicht daran gedacht, von oben nach unten durchzuregieren. Die Auftragserfüllung durchzuhalten werde schwieriger. Die Kirchenkreise sollten befähigt werden, ihrem Auftrag entsprechen zu können.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)


Pfr. Rolf Fersterra erläuterte die Standpunkte des Theologischen Ausschusses.


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