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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Synode 19. Mai 2010
Nicht nur im Kirchenkreis und nicht nur bis 75 Jahre
Kontroverse Diskussionen um geplante neue Regelung für die Laienprediger

Pfr. Dr. Detlef Metz
25.05.2010 17:09

Schon im Vorfeld der Kreissynode Siegen zeichnete sich ab, dass die Beratung über das geplante „Kirchengesetz über die Ordnung für die Wortverkündigung und die Sakramentsverwaltung durch Prädikantinnen und Prädikanten“ kontrovers erfolgen würde. Hatten doch die Laienpredigerinnen und Laienprediger schon in vorherigen Beratungen und durch eine eigene Stellungnahme ihre Kritikpunkte aufgezeigt. Sie empfinden es als eine Einschränkung ihres Dienstes, wenn sich der beispielsweise nur noch auf die Gemeinden des Kirchenkreises erstrecken und höchstes bis zum 75sten Lebensjahres ausgeübt werden darf.

Nach der Kirchenordnung können Gemeindeglieder, die die Gabe der Wortverkündigung haben, mit eben dieser und der Sakramentsverwaltung betraut werden. Das die näheren Bestimmungen regelnde Kirchengesetz stammt aus dem Jahre 1969 und wird von vielen Seiten als überarbeitungsbedürftig bezeichnet. In dem geplanten neuen Gesetz sollen auch die Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung durch andere Berufsgruppen wie die Religionslehrer oder Jugendreferenten geregelt werden.
Pfr. Dr. Detlef Metz erläuterte umfänglich die Beweggründe für die Änderungen. Deutlich zu unterscheiden sei die Beauftragung der Laienprediger von der Ordination der Pfarrerinnen und Pfarrer, die für die ganze Kirche gilt und auf Lebenszeit angelegt ist. Zudem umfasst sie das Ganze des geistlichen Tuns von Predigt und Sakramentsverwaltung über Unterricht, Bildungsarbeit, Seelsorge und Leitungstätigkeiten. Dazu bedarf es eines soliden theologischen Fundamentes. Metz: „Angesichts der Herausforderungen, vor denen die Kirche in der Gegenwart steht – neuer offensiver Atheismus, Patchwork-Religion, interreligiöser Dialog, bekenntnisfreudiger Islam, religiöse Indifferenz – wird ein intensives Theologiestudium, in dem auch die Gegenwartsfragen bedacht werden, immer wichtiger. Die evangelische Kirche ist oder besser: sollte sein, die Kirche des Wortes. Für die zu Ordinierenden ist daher eine gründliche Beschäftigung mit der Bibel, dem Alten und Neuen Testament einschließlich der Sprachen, in denen diese verfasst sind, und ihrer Auslegungsgeschichte mitsamt der sie umgebenden Geistesgeschichte sowie das Durchdenken systematisch-theologischer Fragen unabdingbar. Das Wort Gottes liegt eben nicht einfach auf der Straße, es ist ein teures, wertvolles Gut; es bedarf des mühevollen Studiums in dieses Wort einzudringen, sich von ihm in Frage stellen zu lassen, eine theologische Existenz zu entwickeln.“
Den Dienst der Prädikantinnen und Prädikanten bezeichnete Metz als einen speziell zugeschnittenen und ergänzenden, für den allerdings auch eine ordentliche Berufung in der Gemeinde erfolgen müsse. Ein Dienst am Presbyterium vorbei sei undenkbar.

Für die Laienprediger nahm Klaus Vitt das Wort. Seines Erachtens sei das Gesetz von 1969 völlig ausreichend. Vitt: „Eine Beschränkung auf Zeit und Ort muss nicht sein, es ist eine unnötige Fessel. Die Altersfrage regele sich seines Erachtens von selbst. Den Laienpredigern sei bewusst, dass sie keine Pfarrer seien. Vitt: „Wir drängen uns nicht auf. Wir helfen gerne aus, wenn wir gerufen werden.“
Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller zollte den Laienpredigerinnen und Laienpredigern für ihre Arbeit hohen Respekt. Dies sei ein lebendiger Dienst innerhalb des Kirchenkreises Siegen. Er machte deutlich, dass die Berufung aus der Gemeinde und in der Gemeinde erfolgen müsse, dann sei alles stimmig. Der inneren Berufung müsse die äußere Berufung folgen.

In der Kreissynode Siegen fand das neue Prädikantengesetz keine Mehrheit. Dennoch wollte die Synode es nicht bei einer einfachen Ablehnung belassen. Entsprechend dem Antrag der Kirchengemeinde Rödgen sprach sich die Synode mit knapper Mehrheit dafür aus, den Dienst der Laienprediger auch künftig nicht auf den Kirchenkreis zu beschränken und auch eine Altersbeschränkung auf 75 Jahre nicht einzuführen. Ebenfalls soll bei einem Gemeindewechsel keine neue Beauftragung erforderlich werden. Zudem machte sich die Synode den Antrag der Kirchengemeinde Klafeld zu Eigen, die Mitwirkung der Prädikanten, zumindest aber der Gruppe der Jugendreferenten zu ermöglichen und zu regeln.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Foto oben: Pfr. Dr. Detlef Metz erläuterte kompetent die geplanten Änderungen.

Laienprediger Klaus Vitt aus Hilchenbach erläuterte die Positionen der Laienprediger.


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