Bookmark and Share

Kontakt    

Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Synode 19. Mai 2010
„Trotz alledem…“ beredt und zukunftsweisend
Synodenbericht der Superintendentin Annette Kurschus

Superintendentin Annette Kurschus
25.05.2010 17:32
Das Motto des Kreiskirchentages 2009 „trotz alledem…“ griff Superintendentin Annette Kurschus jetzt in ihrem Bericht vor der Synode des Kirchenkreises Siegen in der CVJM-Jugendbildungsstätte auf. Dieses Motto bleibe in seiner Kürze beredt und zukunftsweisend – weit über 2009 hinaus. Glauben und Gemeinde sein und Kirche gestalten sei – auch hier im Siegerland – immer ein „Trotz alledem“.
Kurschus: „Dieses Motto weiß darum, dass unser Weg als Einzelne und als Kirche ein Weg mit Widerständen und Hindernissen ist; ein Weg, auf dem wir das Entscheidende nicht planen können und in der Hand haben: Unser Leben nicht, unsere Zukunft nicht – und auch die Zukunft unseres Kirchenkreises nicht.“

Die Superintendentin betonte, dass der Kirchenkreis mehr sei als die Summe der Gemeinden und Dienste. Er bilde eine Gemeinschaft eigener Art, die selbst auf ihre Weise Kirche sei, in der Kirche gemeinsam gelebt, gestaltet und verantwortet sein wolle, presbyterial aufgebaut und synodal geleitet.

Eines ihrer Schlaglichter aus dem Jahr 2009 warf sie auf die Pfarrstellensituation. Der Rückbau von Pfarrstellen habe vorerst rein rechnerisch abgeschlossen werden können. Die Gemeindegliederzahlen, derzeit bei rd. 130.000 angekommen, sinken jedoch weiterhin kontinuierlich. Es sterben mehr Gemeindeglieder als Kinder und Erwachsene getauft werden.

In den Gemeinden und Regionen müsse mit viel zeitlichem und nervlichem Aufwand Neues angestoßen und auf den Weg gebracht werden. Kurschus: „Viel Last liegt hier auch auf den Schultern der Presbyterinnen und Presbyter und der vielen anderen ehrenamtlichen Mitarbeitenden, denen ich an dieser Stelle ausdrücklich für ihren Einsatz danke.“

Vakanzzeiten nutzen

Durch die Vorruhestandsregelung für Pfarrerinnen und Pfarrer und durch die Erhöhung der Kontingente für den evangelischen Religionsunterricht, der von Pfarrerinnen und Pfarrern erteilt werden kann, sei Bewegung in die Pfarrstellensituation gekommen. Kurschus: „Neuerdings gibt es vakante Pfarrstellen in unseren Gemeinden, die sich nur mit Mühe oder gar nicht wieder besetzen lassen. Bewerbungen bleiben beinahe gänzlich aus.“ Dies, so die leitende Kirchenkreistheologin, hänge auch damit zusammen, dass viele funktionale Arbeitsbereiche dauerhaft von Pfarrerinnen und Pfarrern im Entsendungsdienst versorgt werden, die sich nicht auf freie Gemeindepfarrstellen bewerben.
Trotz der schwierigen Vakanzsituationen, die Gemeinden an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen können, sieht die Superintendentin in solchen begrenzten Zeiten eine Chance, diese Zeiten zu nutzen und Korrekturen in ihren Ausrichtungen zu nutzen und sich auf die eigenen Kräfte und Stärken zu besinnen. Die bisherigen Erfahrungen lehrten jedoch, dass betroffene Gemeinden durch solche „Durststrecken“ im Nachhinein betrachtet immer auch etwas gewonnen hätten.

Kirchenkreiskonzeption

Seit August 2009 arbeitet im Kirchenkreis Siegen eine vom Kreissynodalvorstand einberufene Projektgruppe an einer Kirchenkreiskonzeption. Kurschus: „Wir haben uns vorgenommen, den Prozess der Konzeptionsentwicklung als eine Chance zu begreifen und zu nutzen, um unseren Kirchenkreis zunächst in seinem Geworden-Sein und in seiner unverwechselhaften Besonderheit mit ihren Stärken und Schwächen in den Blick zu nehmen, zu beschreiben und zu verstehen. Daraus wollen wir Optionen für einen verantwortungsvollen und profilierten Weg in die Zukunft entwickeln, auf dem wir unseren biblischen Auftrag als Teil der Kirche Jesu Christi an unserem Ort und unter den gegebenen äußeren Bedingungen wahrnehmen und gestalten.“ Dies brauche Zeit und dank des kompetenten externen Moderators Rainer Cordes, der den Prozess unentgeltlich begleite, gelinge es nicht, den schwierigen Fragen und Tabu-Themen des Kirchenkreises auszuweichen. Dabei gehe es beispielsweise auch um die Frage: Wie ist eigentlich nach reformiertem Kirchenverständnis eine angemessene Wahrnehmung von kirchlichen Leitungsfunktionen möglich? Die Gemeindekonzeptionen werden in dem Kirchenkreisprozess selbstverständlich mit berücksichtigt. Zudem werde der Prozess zur gegebenen Zeit für eine breite Beteiligung geöffnet.

Die Besetzung der Stelle einer Theologischen Direktorin /eines Theologischen Direktors in der Diakonie Südwestfalen habe im vergangenen Jahr viel Zeit benötigt. Dadurch seien die von der Sondersynode im Herbst 2008 angeregten Schritte zur Weiterentwicklung der Diakonie-Strukturen und zur verstärkten Arbeit am evangelischen Profil der Diakonie vorrübergehend ins Stocken geraten. Inzwischen hat Pfarrerin Jutta Ostermann aus der Hannoverschen Landeskirche ihren Dienst als Theologische Direktorin angetreten. Mit ihr kann nun der begonnene Weg einer konstruktiven Weiterentwicklung überschaubarer Strukturen und eines diakonischen Profils konsequent wieder aufgenommen und zielgerichtet fortgeführt werden. Annette Kurschus: „Alle gemeinsam bleiben wir beharrlich auf der Spur eines verbesserten Miteinanders von Kirche und Diakonie. Beide können und wollen nicht ohne einander sein. Diese Erkenntnis bedeutet Verpflichtung und Anreiz zugleich, an einem guten und vertrauensvollen gemeinsamen Weg unbeirrt weiter zu bauen.“

Gesellschaftlich engagiert

Als gesellschaftliche Themen haben den Kirchenkreis im vergangenen Jahr das Problem der Kinderarmut und die Frage nach dem verkaufsoffenen Sonntag beschäftigt. In manchen kontroversen Debatten seien die kirchliche Position zum Sonntagsschutz deutlich zur Sprache gebracht worden und habe nicht unerhebliche Gehör in der Politik gefunden.

Superintendentin Kurschus zur Kinderarmut: „Als Kirche, die bewusst und mit Überzeugung Säuglinge und kleine Kinder tauft, können wir nicht hinnehmen, dass Kinder zunehmend von Armut betroffen und damit schleichend von der gleichberechtigten Teilhabe an wichtigen Prozessen des Lebens ausgeschlossen sind. Mit unserem taufenden Handeln nehmen wir Verantwortung für den weiteren Weg der getauften Kinder – nicht nur für ihren Weg im Glauben.“
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Superintendentin Annette Kurschus zum Schluss ihres Berichtes vor der Synode, das Motto des diesjährigen ökumenischen Kirchentages in München („Damit ihr Hoffnung habt“) aufnehmend: „Ja, Hoffnung haben wir. Trotz alledem. Für uns, für die Kirche und für die Welt, in der wir leben. Gott sei Dank.“

zurück zur Übersicht



Archiv:
2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003