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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Dr. Albert Wunsch in Kaan-Marienborn
Müssen Eltern ihre Kinder glücklich machen?

Dr. Albert Wunsch
02.06.2010 15:27
Das ist doch klar, Eltern wollen, dass ihre Kinder wohl aufwachsen und die Kleinen glücklich und zufrieden sind. „Ist es unsere Aufgabe als Eltern, unsere Kinder glücklich zu machen?“ fragte kürzlich Dr. Albert Wunsch Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern in der Ev. Kirche in Kaan-Marienborn. Das Ev. Familienzentrum Kunterbunt hatte den Erziehungswissenschaftler, und Buchautoren zu dem Fachvortrag eingeladen. Gewürzt mit einer kräftigen Prise rheinischem Humor verstand es der Pädagoge vortrefflich, Informationsvermittlung und Unterhaltung miteinander zu verbinden. So mancher Vater und manche Mutter fühlte sich insgeheim ertappt bei ihren eigenen mitunter fragwürdigen Erziehungsbemühungen.
So sollte ein fünfjähriges Kind beispielsweise in der Lage sein, seine Schnürsenkel zu binden. Die Mutter bindet dennoch dem Kind jeden Morgen die Schuhe. So sollten die Eltern nicht gleich aufspringen, wenn die Göhren beim Essen fragten: „Wo ist der Sprudel?“ Und eine 16-jährige sollte in der Lage sein, ihre Wäsche selbst zu waschen. „Es liegt nicht an den Kleinen“, so Wunsch, „sondern an den Eltern. Wenn Eltern für ihre Kinder handeln, haben die Kleinen nicht die Möglichkeit ins Leben hineinzuwachsen.“
Da es ungewiss sei, was Kinder in 25 Jahren können müssten um ihr Leben zu gestalten, aber Erziehung dennoch stattfinde, halte er bestimmte Schlüsselqualifikationen wie Mut, Kraft, Ausdauer, Geschick, Ideenreichtum oder Zielstrebigkeit als wichtige Erziehungsinhalte für unabdingbar. Da solche Qualifikationen nirgendwo unterrichtet würden, könnten die Kinder sie nur in den ersten Jahren in ihren Familien lernen. Wunsch: „Die ersten drei bis fünf Jahre sind eine Schicksalszeit auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Später wird das Benötigte kaum nachgeliefert werden können.“
Auch die Entwicklung von sozialer Kompetenz und Konfliktfähigkeit müsse trainiert werden. Wunsch: „Selbst mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas bauen.“ Kinder und Jugendliche benötigten die Herausforderung, sollten aber auch eine gewisse Unbeschwertheit genießen können.
„Man kann nicht nicht erziehen. Entweder die Eltern bereiten die Kinder bewusst auf die Realitäten des Lebens vor oder aber sie lassen alles laufen. Beides hat Konsequenzen“, so der Erziehungswissenschaftler, der so manchen alltagstauglichen Erziehungstipp parat hatte.
Grundsätzlich sollte den Kindern mit Wohlwollen begegnet werden. Was man von den Kindern erwarte, müsse von den Eltern vorgelebt werden. Auf dieser Basis könne konsequent erzogen werden. Konsequenz ohne Wohlwollen sei Härte. Konsequenz ohne Vorleben sei eine Lüge. Und Wohlwollen ohne Konsequenz sei Feigheit.

Vielfältig waren die Beiträge aus dem Publikum auf die Frage, warum der leichtere Weg des Verwöhnens gegangen wird: Es ist einfacher, um im Zeitplan zu bleiben, um geliebt zu werden, aus Bequemlichkeit oder um keine Schuldgefühle zu haben. Verwöhnen ist bei Erziehung immer negativ besetzt. „Oh wie schön, da kommt ein verwöhntes Kind“, würde wohl niemand sagen, so Wunsch. Dennoch sei es eine nötige Herausforderung, sich und anderen etwas Gutes zu tun.
Dabei geraten Eltern leicht in ein falsches Helfen wollen und übernehmen die vom Kind selbst zu erlernenden Funktionen wie beispielsweise das Aufräumen. Richtig wäre es, das Kind dazu zu bringen, es selbst zu können. Dr. Albert Wunsch nannte als Erziehungsziel Eigenständigkeit und Selbstverantwortung. Verwöhnen schaffe dagegen Menschen, die alles wollten, aber nichts gäben, kurz: Asoziale. Verwöhnung mache abhängig, lebensuntüchtig und einsam.

Sollen Eltern nun ihre Kinder glücklich machen? Der Erziehungsberater: „Die Kinder sollen ihr Glück finden und die Eltern sollen ihnen dabei helfen.“
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Nicht nur überzeugend informiert, sondern auch gut unterhalten wurden die Besucher in der Ev. Kirche in Kaan-Marienborn. Erziehungswissenschaftler Dr. Albert Wunsch zeigte, wie aus Kindern eigenverantwortliche Persönlichkeiten werden können.

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