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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

113 Abiturzeugnisse am EVAU
Schüler gestalteten Schule

Evangelisches GYmnasium Weidenau Abitur 2010
01.07.2010 15:56
Mit festlichen Klängen des Streichorchesters der Schule begann die Ausgabe der Abiturzeugnisse in der „Arche“ des Evangelischen Gymnasiums in Weidenau. Als die Schüler vor 9 Jahren als neue Klasse 5 in diesem Raum saßen, so Schulleiterin Dorothea Woydack, sei sie mit ihnen gemeinsam aufgeregt und neugierig gewesen, ob es eine erfreuliche Schulzeit würde und die Schüler sich an der Schule gut aufgehoben fühlen. Die Schulleiterin hob nun selbstkritisch hervor, dass etliche der damaligen Schüler an dieser Schule das Abitur nicht erreicht hätten. „Sind wir hier zu elitär“, so Woydack, „auch wenn wir es nicht sein wollen?“
Der jetzige Abiturjahrgang habe die Schule nicht nur durchlaufen, sondern sie auch gestaltet, beispielsweise im Langzeitprojekt der Schule „EVAU baut Zukunft“.

Die stellv. Synodalassessorin des Kirchenkreises Siegen, Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng, griff das diesjährige Abiturmotto „Highsociabi – reich – schön - Privatschüler“ in ihrem Grußwort auf. Reich - schön - privat seien Synonyme für das, was in unserer Gesellschaft zähle: Leistung, Geld, Profit, Macht, von Trendsettern gesetzte Schönheitsideale und Fitness. Diese gesellschaftlichen Maßstäbe könnten knechten und Menschen regelrecht krank machen. Waffenschmidt-Leng: „Das sind die Erwartungen, die man erfüllen muss, um geliebt zu werden, das ist das ständige Sorgen, ob man denn den Leistungsanforderungen auch gerecht werden kann, da ist die Angst, nicht gut, nicht schön, nicht trendy genug zu sein, die Erfahrung, im täglichen Machtkampf zu unterliegen.“
Ganz anders, so schilderte die Theologin, geht es bei Jesus zu. Bei ihm werden die Barmherzigen Zukunft haben und die, die nach Gerechtigkeit dürsten. Waffenschmidt-Leng: „Und in seiner (Jesu) Nähe atmeten die Menschen auf, merkten, wie richtig ihre Sehnsucht nach dem anderen Leben war, nach einem Leben, in dem niemand geduckt und klein gemacht wird, nach einer Gesellschaft, in der alle genug zum Leben haben und niemand krank werden muss vor Angst, nicht genug zu sein.“ Es sei die Chance und das Anliegen einer Schule in Evangelischer Trägerschaft Räume zu schaffen, in denen Lernen möglich sei, bei dem die Weite und die Ganzheitlichkeit des Evangeliums erfahrbar werde.

Dankbar hob die Schulpflegschaftsvorsitzende Andrea Stötzel hervor, dass sich viele aus dem Abiturjahrgang für die Schule eingesetzt hätten, sei es im Bläserkreis, der Schülervertretung, oder dem Projekt „EVAU baut Zukunft“. Als Wichtig findet sie nach einem solchen Lebensabschnitt eine kreative Pause der Orientierung. Sie wünschte den Abiturientinnen und Abiturienten Mut, das Leben neugierig und wissbegierig in die Hand zu nehmen. Stötzel: „Mach Deine Träume wahr“.

Lillian Becker und Tobias Panthel beschrieben die Situation des Schulabgangs aus Sicht der Hinterbliebenen. „Neidvoll schauen die anderen Stufen auf euch.“ Sie erinnerten an viele gemeinsame Erlebnisse, mit vielen schönen Erinnerungen. Etwas wehmütig klang der letzte Satz von Lillian Becker: „Wenn eine Trennung nicht schmerzt, dann war’s nichts.“

Die Besonderheiten der vergangenen Schuljahre ließen Anna Katharina Di Biase und Heiko Thimm Revue passieren und erhielten dafür stürmischen Ablaus. Die Fahrten auf die Insel Wangerooge oder nach Nordwalde konnten da eben so wenig fehlen, wie beispielsweise Salamischeiben im Klassenbuch. Ihr Dank galt den Lehrern „für die unglaubliche Geduld mit ausgelebter Kreativität“. Besonders in Erinnerung geblieben war der Schüleraustausch mit der Partnerschule in Danzig: „Ein Höhepunkt der Schullaufbahn“.
Die geplante Erweiterung der Schule und der sich hinauszögernde Baubeginn hat zu dem immer wieder ironisch geäußerten Satz: „Nächsten Monat ist Baubeginn“ geführt. Er durfte in der Rede natürlich nicht fehlen. Diesmal allerdings mit dem Unterschied, dass er stimmt und der Baubeginn tatsächlich unmittelbar bevorsteht. Vertrauen und Hilfsbereitschaft seien bei den Schülerinnen und Schülern groß geschrieben worden. Und auch in Zukunft solle der Blick für die anderen nicht verloren gehen.

In blauem Hemd und mit rosafarbener Krawatte traten Jahrgangsbegleiter Thorsten Hohabe und Sören Leopold ans Rednerpult. Sie hatten neue Sektgläser mit EVAU-Gravur in der Hand. Sie beschrieben kabarettistisch und philosophisch vertieft beispielsweise die Schwierigkeiten des Universitätsbetriebes aus Sicht des Erstsemesters. Sie wünschten den Abiturientinnen und Abiturienten, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft finden und diese mit ihrer Persönlichkeit mitgestalteten.

Einen festlichen musikalischen Rahmen gaben der Feier das Schulorchester unter der Leitung von Christian Löbbecke, die Bläsergruppe und der Leitung von Erhard Fries und der Schulchor unter der Leitung von Reinhard Hillnhütter.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
113 Schülerinnen und Schüler konnten in diesem Jahr am Evangelischen Gymnasium in Weidenau ihr Abiturzeugnis entgegennehmen.

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