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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

30 Jahre Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden Weidenau und Tumbi
Besuchsgruppe aus Tansania vom 27. Juni bis 18. Juli in Weidenau


06.07.2010 10:32

12 Schwestern und Brüder aus der Kirchengemeinde Tumbi in Tansania besuchen vom 27. Juni bis 18. Juli ihre Partnergemeinde Weidenau. Kirchengemeinde und die Besuchsgruppe freuen sich gemeinsam über 30 Jahre Partnerschaft. Ein umfangreiches Programm hat die Kirchengemeinde für die Tansanier zusammengestellt, darunter nicht nur viele Besuchsstationen im Siegerland, wie ein Besuch beim Landrat im Kreishaus, sondern auch eine Fahrt nach Wuppertal, dem Sitz der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM), sowie eine Fahrt an den Rhein. Am 11. Juli, 10 Uhr, findet der Jubiläumsgottesdienst in der Christuskirche, Dautenbach, statt. Die Predigt hält Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller, Bielefeld.Selbstverständlich war eine solche Partnerschaft vor 30 Jahren nicht. „Was bringt uns das?“ - so lautete eine der ersten Fragen im Presbyterium der Gemeinde Weidenau zu den Überlegungen, eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in der sogenannten Dritten Welt einzugehen, erinnert sich Erich Hoffmann, der die Arbeit von Anfang an kennt und die Partnergemeinde schon drei Mal besucht hat. Denn 1977 hatte die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen den Kirchenkreisen und Gemeinden empfohlen, partnerschaftliche Beziehungen zu Kirchen in Übersee aufzunehmen, vornehmlich mit denen, die bereits mit der westfälischen Landeskirche verbunden waren.
Erste Gespräche fanden im Oktober 1978 zwischen den Pfarrern Adam und Kratzenstein aus Weidenau und Pfarrer Hempel (Regionalpfarrer im Gemeindedienst für Weltmission und Oekumene) sowie Bischof Sendoro aus Tansania statt.In diesen Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig es war, eine neue, andere Dimension im Umgang miteinander in den Blick zu nehmen. Es sollte etwas Neues beginnen und sich nicht um eine neue Versorgungslinie handeln. Erich Hoffmann: „Dazu musste Bewusstseinsbildung betrieben werden, ein neues Menschenbild wurde gebraucht, die Bilder Kriege, Hungersnöte und Krankheiten spukten noch in unseren Köpfen. Wir brauchten und brauchen ein Menschenbild ohne Gefälle – schließlich gab es in Südafrika immer noch die Apartheidspolitik!“So begann eine Arbeitsgruppe, sich mit Tansania und den Problemen der „Dritten Welt“ zu beschäftigen. Haus und Hütte, Heide – heidnisch – Heidentum, Afrikanische Theologie, Afrikanische Gesellschaft, Kolonialgeschichte, Afrikanischer Sozialismus u. a. waren Themen, die in den monatlichen Treffen reihum in den Wohnungen, an Studientagen und Wochenenden behandelten wurden.

1980 wurde der Kirchengemeinde Weidenau von Kirchenpräsident Sendoro für eine Partnerschaft die Kirchengemeinde Tumbi vorgeschlagen. Der erste Kontakt fand über Briefe statt. „Wir entschieden uns“, so Hoffmann, „nicht zuerst nach Tansania zu reisen, sondern 1981 eine Person aus Tumbi nach Weidenau einzuladen, 1982 dann eine Gruppe.“
1982 erfolgte dann die Ausweitung der Partnerschaft auf den Kirchenkreis Siegen, und Weidenau übernahm die Partnerarbeit stellvertretend für den Kirchenkreis. Nach einer Jugendfreizeit des Kirchenkreises in Schweden nahmen interessierte Jugendliche Kontakt mit Regionalpfarrer Hempel auf, der ihnen die Partnerarbeit mit Tansania vorstellte. Es entstand eine Jugendpartnerschaftsgruppe, die sich ähnlich vorbereitete wie die Weidenauer Gruppe.
In den folgenden Jahren erfolgten dann wechselseitige Besuche aus Tumbi in Weidenau und dem Siegerland und aus Weidenau und dem Kirchenkreis Siegen in Tumbi und dem Kirchenkreis Kibaha.
Hoffmann: „Diese Besuche hin und her, in denen die Besucher jeweils in den Wohnungen der anderen lebten, die Badezimmer und die Mahlzeiten teilten, sind bis heute das Herzstück der Partnerschaft geblieben. Hier entstanden Freundschaften, die bei einigen schon dreißig Jahre bestehen. Man freut sich, die anderen wieder zu sehen, neue Beziehungen aufzubauen.“
1990 wurde auch in Tansania die Partnerschaft auf Kirchenkreisebene gestellt. In den Jahren danach sind weitere Partnerschaften zwischen Gemeinden in Kibaha (jetzt Margharibi) und Siegen entstanden, so dass jetzt unter dem Dach der Kirchenkreispartnerschaft sieben Gemeindepartnerschaften und eine Jugendpartnerschaft bestehen.
Gemeinsam von den Partnern im Kirchenkreis Siegen und Kibaha wurden mehrere Projekte geplant, durchgeführt und teilweise abgeschlossen: Ein Schreinereiprojekt mit dem Aufbau von zwei Schreinereien, ein Frauennähprojekt, KILWAG (Ausbildung, Schulung von Frauen in Produktion und Marketing), ein „Education-Fund“ eingerichtet, der Schüler aus sozial schwächeren Schichten bei Zahlung von Schulgeld, Kauf von Schuluniformen u.a. unterstützt.
Politisch und sozial hat sich in den 30 Jahren einiges verändert. Erich Hoffmann: „Eine Fußballweltmeisterschaft im Apartheidsregime Südafrika wäre damals nicht möglich gewesen. Heute kommen zu den eingeladenen Gästen der 30-Jahr-Partnerschaftsfeier weitere 10 Freunde, die ihre Flugkosten selbst übernehmen, um hier mit uns zu feiern! Dennoch bleibt viel zu tun, der Begriff Hütte für die Häuser der Afrikaner ist noch lange nicht ausgestorben, der Sarotti-Mohr, die Negerküsse und anderes mehr ist immer noch fest in unseren Köpfen verankert.“
„Was bringt uns das?“ war die Frage des Presbyteriums Weidenau zu Beginn der Partnerschaft. Die Antwort lautet heute nach den Erfahrungen von Erich Hoffmann und anderen Gemeindegliedern: Beziehungen mit Menschen aus anderen politischen, sozialen und kulturellen Gesellschaften im Glauben an Gott sind möglich. Der Blick weit über den Tellerrand in andere Kulturen weitet den eigenen Horizont. Ein Verantwortungsbewusstsein für Weltmarkt, Klima und soziale Gerechtigkeit entwickelt sich. Und auch der Kontakt zu anderen Gemeinden hier in unserem Kirchenkreis Siegen vertieft sich, „man“ steht in derselben Arbeit, Freundschaften entstehen. Das gegenseitige Lernen bereichert uns hier in Deutschland und dort in Tansania.
Kirchengemeinde Weidenau

Text zum Bild: (Foto: Archiv Kirchengemeinde Weidenau)

Farbfoto: Auf einer Rundreise 1987 durch den Kirchenkreis Siegen mit den Gästen aus Tansania. Bildmitte hintere Reihe Superintendent Ernst Achenbach.

S/W-Foto: 1982 sammelte die Kirchengemeinde Weidenau ihre ersten Erfahrungen in Sachen Partnerschaft mit einer Besuchsgruppe aus Tumbi.


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