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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen trifft Muslime

14.07.2010 11:47
Zu einem sehr informativen Treffen hatte kürzlich die südwestfälische Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK) Vertreter des türkisch-islamischen Kulturvereins aus Siegen eingeladen. Die ACK ist ein Zusammenschluss christlicher Konfessionen, die im Siegerland beheimatet sind. Zu ihr gehören der evangelische Kirchenkreis Siegen, evangelische Freikirchen und die katholische Kirche. Man traf sich im Gemeindezentrum der Peter- und Paul-Kirchengemeinde in Siegen. Dabei wollte man sich vor allem über beiderseitige Erfahrungen austauschen und ausloten, wie man miteinander mehr für das Zusammenleben tun könne.

Der türkisch-islamische Kulturverein besteht seit über 30 Jahren und hat seit über zehn Jahren ein eigenes Domizil in einem Haus in der Frankfurter Straße in Siegen. Bewusst hat man dort nicht nur eine Moschee, sondern auch Räume, in denen sich Mitglieder des Vereins und Gäste treffen und austauschen können. Daneben bietet man auch kulturelle Gruppen und Veranstaltungen an. Im Unterschied zu den vom türkischen Religionsministerium organisierten Moscheen ist man unabhängig und offen auch für nichttürkische Muslime. Neben dem traditionellen Koranunterricht, den ein vom Verein bezahlter Hoca leitet, geht es auch um türkische Kultur jenseits der Religion. Bewusst ist man auch offen für nichtreligiöse Menschen.

Im gemeinsamen Gespräch ging es vor allem um die Frage der Wertevermittlung, die in der Gegenwart immer wichtiger wird. Klar war allen Beteiligten, dass Integration von beiden Seiten ausgehen muss und allein und einzig über die gemeinsame deutsche Sprache gelingt. Dabei müssen beide Seiten aufeinander zugehen, was angesichts auch negativer und entmutigender Erfahrungen nicht immer selbstverständlich zu sein scheint. „Ich fühle mich hier zuhause“ sagte einer der Vertreter der Moschee und sah dies als eine verbreitete Meinung auch unter den türkischstämmigen Mitmenschen im Siegerland. Deshalb bewerten es beide Seiten auch als wichtig, Kinder von Beginn an in Kindertagesstätten und Schulen gemeinsam ins Leben zu führen. Der islamische Kulturverein sprach sich dabei auch sehr deutlich gegen jede Form der Gewaltanwendung und des Terrorismus aus und betrachtet dies als einen Missbrauch des Islam.

Da immer noch Kontakte türkischer Familien in ihre Heimat bestehen, sahen es die christlichen Gesprächspartner als wichtig an, dass deutsche Muslime auch Einfluss nehmen auf die Behandlung christlicher Gemeinden in der Türkei. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, dass beiden Religionen im Interesse friedlichen Zusammenlebens wichtig ist und bleiben muss. Einig war man sich, dass die aufgenommenen Kontakte auch weiter gepflegt und ausgebaut werden sollen.
Martin Albrecht

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