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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Vor 72 Jahren brannte die Siegener Synagoge
Siegener Juden ermordet - Menschen, die nicht vergessen werden dürfen

Gedenkstunde am Platz der Synagoge
22.11.2010 14:15
Am 10. November vor 72 Jahren wurde die Siegener Synagoge am helllichten Tag von den Nationalsozialisten in Schutt und Asche versenkt. Jedes Jahr treffen sich Menschen am Ort des schrecklichen Geschehens und gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lädt zu der Kranzniederlegung am Platz der Synagoge ein.
Pfarrer Raimar Leng, Martini-Kirchengemeinde Siegen, erinnerte in seiner Ansprache an die Synagogenzerstörung, die in Siegen das sichtbare Zeichen dafür gewesen sei, dass sich nun kein Mensch jüdischen Glaubens mehr in dieser Stadt seines Lebens habe sicher fühlen können. Leng: „Alle jüdischen Männer waren tags zuvor inhaftiert worden und es breitete sich eine tiefe Verzweiflung innerhalb der jüdischen Bevölkerung des Siegerlandes aus. Bereits 1943 vermeldete die Stadt Siegen stolz, dass sie nun „judenrein“ sei.“
„Was macht es so wichtig und unverzichtbar, dass wir hier jedes Jahr wieder zum Gedenken zusammenkommen?“, fragte der Pfarrer. Die Antwort gab Elie Wiesel, Friedensnobelpreisträger und Auschwitzüberlebender. „Wenn wir uns mit der Erinnerung an die Vergangenheit auseinandersetzen, müssen wir den Tatsachen ins Auge blicken und der Opfer gedenken. Aber die Erinnerung muss auch um der Zukunft willen wach gehalten werden. Wir dürfen derer, die namenlos gestorben sind, nicht namenlos gedenken. Unser kollektives Gedächtnis muss die kommenden Generationen vor der Anonymität bewahren.“

Schülerinnen und Schüler des Evangelischen Gymnasiums Weidenau lasen die Namen derjenigen vor, die in den Konzentrationslagern von Zamosc, Theresienstadt und Birkenau ermordet wurden, die ins Arbeitslager nach Kassel-Bettenhausen verbracht wurden und auch die Namen derer, die aus Deutschland vertrieben oder psychisch in die Enge getrieben wurden und dadurch zu Opfern des nationalsozialistischen Terrors wurden.
Pfarrer Leng: „Innehalten, aushalten, bewahren – nicht weniger wird von uns verlangt, aber es ist nötig, uns heute das noch einmal zuzumuten, um den Geschundenen und Ermordeten ein Stück ihrer Würde zurückzugeben.“ Im „Aktiven Museum Südwestfalen“ im Bunker am Platz der Synagoge ist die Tafel mit den Davidsternen angebracht, auf der die Namen aller bekannten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger festgehalten sind, die aus Siegen oder den umliegenden Ortschaften in die Vernichtungslager in vier Transporten vom Siegener Hauptbahnhof verbracht wurden.
Zum Schluss der Gedenkveranstaltung sprach Alon Sander, der jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das Kaddisch.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Schüler des Evangelischen Gymnasiums Weidenau lasen die Namen der Ermordeten vor und legten vor dem Bunker am Obergraben einen Kranz nieder.

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