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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Buß: Bildungssystem muss gerechter werden
Westfälischer Präses auf dem Jahresempfang des Kirchenkreises Siegen

Präses Dr. h. c. Alfred Buß
08.12.2010 12:26

Siegen/Westfalen. Auf den Zusammenhang von sozialer Herkunft undBildungschancen hat der westfälische Präses Alfred Buß kritisch hingewiesen. „Dasdeutsche Bildungssystem braucht mehr Gerechtigkeit“, sagte der leitende Theologeder Evangelischen Kirche von Westfalen am Montag (6.12.) in Siegen. Es seiunübersehbar, dass die soziale Herkunft und das Elternhaus über den Bildungserfolgoder -misserfolg entscheiden und nicht die in einem Kind angelegten Gaben undTalente, sagte Buß auf dem Jahresempfang des Evangelischen KirchenkreisesSiegen.
„Gerecht ist nicht, wenn alle Kinder einen Apfel pflücken dürfen, sondernwenn der Zwerg unter ihnen eine Leiter bekommt“, sagte Buß.Gerechtigkeit im Bildungssystem bedeute, solche „Leitern“ bereitzustellen. Ohne geeigneteFördermittel gingen Bildungsmöglichkeiten entscheidend verloren.
Am Beispiel desReformators Philipp Melanchthon (1497-1560) schilderte Buß das evangelischeBildungsverständnis. Seit Luther, Melanchthon und andere im 16. Jahrhundert eineReformation der Kirche ausgelöst haben, ist Bildung „immer auch Bildung für alle“.Melanchthon, dessen Todestag sich 2010 zum 450. Mal jährt, war als Pädagoge bis heutewegweisend. So führte er eine qualitativ hochwertige Auswahl und damit Begrenzung desUnterrichtsstoffes ein, um Schüler nicht zu überfordern. Buß: „Etwas von solcher Weisheitwünschten wir uns heute zum Beispiel bei der Verdichtung der Lehrpläne im verkürztenGymnasium G 8“.

Bildung hilft, Wissen zu verarbeiten
Bildung dürfe sich nicht allein an Nützlichkeit orientieren, sondern müsse auch Orientierungvermitteln. Zwar müssten Bildung und Arbeitswelt selbstverständlich aufeinander bezogensein: „Wenn jemand die Schule durchläuft und danach nicht qualifiziert ist, einen Arbeitsplatzzu bekommen, dann stimmt etwas nicht.“ Dennoch sei Bildung mehr als „die Befähigung zumGeldverdienen“, erklärte Buß. Um die stets wachsende Menge an Wissen richtig zuverarbeiten, brauche man zum Beispiel ethische und soziale, aber auch religiöse Bildung.

Religionsunterricht hilft gegen Fundamentalismus
Dazu sei der Religionsunterrichts unverzichtbar: Er biete an den Schulen die Chance, dieFreiheit des Glaubens zu entdecken und mit der eigenen Tradition kritisch umzugehen.„Zieht der Religionsunterricht aus den Schulen aus, dürfte dies auch zu einem kräftigenfundamentalistischen Schub auf allen Seiten führen“, sagte Buß.

Den kompletten Vortrag finden sie hier. (Bitte Anklicken)

 

Die Gäste des Jahresempfangs auf dem Weg von der Nikolaikirche zur Martinikirche.

Siegens Nachtächter Balthasar zeigte den Weg.

Jan Vering (Dramaturg und Sänger Apollo-Theater Siegen) und Hartmut Sperl (Jazzpianist) trugen unter anderem teile ais dem "Martin-Luther-King-Zyklus" vor.


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