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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Siegerländer Tag für Weltmission und ÖkumeneLebenswasser für alle
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17.07.2003 12:09
Im Siegerland herrscht kein Wassermangel. Schließlich kommt das kühle Nass frisch und akribisch auf Schadstoffe hin überwacht sauber und trinkfertig mit hohem Druck aus dem Wasserhahn. Immer gleichbleibend gut, immer gleichbleibend viel. Ausreichend Niederschlag und große Talsperren in der Region bieten ausreichend Nachschub.Auf dem Siegerländer Tag für Weltmission und Ökumene wurde jetzt deutlich, dass dies andernorts ganz anders aussieht. „Wasser so habe ich es noch nie gesehen!“ lautete das Motto, zu dem sich Siegerländer Missionsinteressierte im Gemeindezentrum Christuskirche am Siegener Wellersberg zusammenfanden. Ein buntes Programm mit Information und Unterhaltung hatte der Vorbereitungskreis zusammengestellt. So erfuhren die Gottesdienstbesucher beispielhaft etwas von der Verknappung des Tschadsees, der innerhalb von 40 Jahren 90% seines Wassers verlor. Ausbleibender Regen, geringere Niederschläge aber auch überdimensionierte Entwicklungshilfeprojekte nahmen den Menschen ihre Existenzgrundlage.Ähnlich ergeht es den Menschen in dem süd-indischen Ort Tirupur, wo das meiste Wasser in die Strickwarenfabriken transportiert wird und anschließend ungeklärt aus den Färbereien kommend das Grundwasser verseucht.Pfarrer Matthias Elsermann berichtete in seiner Predigt aus Kamerun, wo durch das Wasser Gott unmittelbar als Quelle des Lebens erfahren und bekannt wird. Der Glaube durchdringt den Alltag dort stärker als bei uns und sei mit Gesten, Riten und besonderen Handlungen verbunden. Das Reichen von Wasser nach einer langen Wanderung sei mehr als nur zu trinken geben. Es sei ein Akt des Segnens. Einander segnen, Gemeinschaft erleben und die Quelle des Lebens könne auch bei uns wieder entdeckt werden.Gott sei die Quelle des Lebens. „Wasser wird zu einer Botschaft, die uns von dem erzählt, der die Quelle des Lebens ist“, so Elsermann.Der Gospelchor Go Spirit vom Siegener Wellersberg gab dem fröhlichen Familiengottesdienst einen fetzigen musikalischen Rahmen.Die Mittagspause bot ein buntes Programm zur Unterhaltung und zum Mitmachen für Klein und Groß. Als gelungene Überraschung erwies sich ein kleines Konzert mit dem Siegener Gospelsänger Jan Vering und dem Pianisten Hartmut Sperl nach dem Mittagessen. Wasser ist keine WareÜber die Wassersituation in dieser Welt, über Global Player und über Großkonzerne, die den Trinkwassermarkt beherrschen und kontrollieren, referierte der Hamburger Journalist und Publizist Frank Kürschner-Pelkmann. Nach einem Streifzug durch Berichte in der Bibel, in denen Wasser eine Rolle spielt, kommt er zu dem Schluss: Wasser ist Gottes Gabe für alle Menschen und keine Ware.Anschließend zeigte er aus verschiedenen Regionen der Erde, wie Staudämme Industriegebiete fördern und Kleinbauern ihre Existenz verlieren lassen. Wie Länder Konflikte um das Recht der Wassernutzung von Flüssen austragen. Der Grundwasserspiegel in Sanaa, der Hauptstadt Jemens, sei in Folge des großen Gemüse- und Getreideanbaus 200 Meter gefallen. Es drohe eine Umsiedlung von 1,5 Mio. Menschen. Der Aralsee, einst der größte See der Welt, habe heute nur noch 1/3 seiner ehemaligen Fläche. Große Staudämme und neue Baumwollfelder hätten ihn austrocknen lassen. Der See, einst groß wie ein Meer und Existenzgrundlage vieler Menschen, sei nicht mehr zu retten.Die Großkonzerne Danone und Nestle kämpfen um die Vormachtstellung im Verkauf von Flaschenwasser in Asien. Auf dem Wassermarkt sei eine Globalisierung festzustellen. Immer weniger Firmen beherrschten diesen Markt. Durch den Erwerb von Firmen der Wasserbranche gehöre das RWE auch zu den weltweit größten Wasserunternehmen.Doch nicht nur auf anderen Kontinenten bereitet die Trinkwasserversorgung Probleme. In London wurde unter der Regierung (oder: von Margret) Thatcher die Wasserversorgung privatisiert. „Für ein Unternehmen ist die Wasserversorgung nach dem Drucken von Geld die zweitbeste Möglichkeit zu Geld zu kommen“, so Kürschner-Pelkmann. Eine Preiskontrolle sei zwar vorgesehen gewesen, aber hohe Investitionsrücklagen die lediglich in die Preise eingerechnet aber nie in tatsächliche Erneuerungen geflossen seienhätten zu hohen Preisen und maroden Wasserleitungen geführt. In Afrika sei die Wasserversorgung öffentliche Angelegenheit. Die Weltbank wolle jedoch eine Privatisierung und mache davon die Gewährung von Entwicklungskrediten abhängig. Auch in Tansania, wo der Kirchenkreis Siegen mit dem Kirchenkreis Kibaha partnerschaftliche Beziehungen pflegt, ist die Wasserversorgung schlecht. 38 % der städtischen Bevölkerung nutzen Gemeinschaftswasserhähne. Das Wasser muss abgekocht werden. Zudem ist die Versorgung unzuverlässig. Internationale Kreditgeber drängen auf eine Privatisierung der Wasserversorgung. Die Armen in der Bevölkerung werden dann wegen zu hoher Preise nicht mehr ans Wasser kommen. Hier ergreifen die Kirchen die Initiative, um auch armen Menschen den Wasserzugang zu ermöglichen.2003 ist nicht nur das Jahr der Bibel, sondern auch Jahr des Süßwassers. In einer breit angelegten Kampagne setze sich Brot für die Welt dafür ein, Wasser nicht als Handelsware, sondern als Menschenrecht zu werten. Das lebensspendende Wasser müsse allen Menschen zur Verfügung stehen.kpText zum Bild (Fotos Karlfried Petri)Der Journalist und Publizist Frank Kürschner-Pelkmann (links) und Pfarrer Matthias Elsermann, Pfarrer des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene und Synodalbeauftragter für Mission und Ökuemen des Kirchenkreises Siegen (rechts).

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