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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Neues Turmkreuz für die Evangelische Kirche Olpe
Sponsor machte die Neuanfertigung möglich

Schmiedemeister Josef Vollmer am Schmiedefeuer
17.03.2011 11:09

Die Gottesdienstbesucher der Evangelischen Kirche in Olpe waren ein wenig irritiert. Irgendetwas war anders als sonst. Und dann fiel ihnen die Veränderung auf. Ein etwa drei Meter hohes Turmkreuz hat seinen Platz hinter dem Altar gefunden. Irgendwie wirkt es dort doch etwas ungewöhnlich, wenn nicht gar störend. Presbyterin Doris Thieme kennt sich aus: „Der endgültige Platz des Kreuzes ist natürlich die Kirchturmspitze. Es jetzt dort anzubringen, wäre sehr teuer. Im nächsten Jahr, wenn die Fugen der alten Backsteinkirche saniert werden sollen, erhält das ganze Kirchengebäude ein Baugerüst. Dann wird das neue Kreuz auf der Spitze des Kirchturms befestigt.“

Im Mai 2009 war die Evangelische Kirche in Olpe Objekt einer Übung der Freiwilligen Feuerwehr. Dem Architekten Rudi Hachenberg bot sich dabei die Gelegenheit, in schwindelnder Höhe das über 110 Jahre alte Turmkreuz gründlich auf seine Verkehrssicherheit zu untersuchen. Vor 40 Jahren wurde es zuletzt begutachtet und die Frage nach dem Zustand und der Verkehrssicherheit des 1898 angebrachten Kreuzes beschäftigte seit längerer Zeit das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde Olpe.
Die Ornamente des alten Turmkreuzes zeigten Rostbefall und auch Rostschäden konnten festgestellt werden. Gefahr im Verzuge, so wurde deutlich, besteht zwar noch nicht, aber allzu lange wird das christliche Symbol Wind und Wetter nicht mehr standhalten. Eine baldige Restaurierung des Turmkreuzes erschien unumgänglich und die Finanzierung der Restaurationsarbeiten wurde Thema im Presbyterium. Bald stellte sich heraus, dass die Herstellung eines neuen Kreuzes vernünftiger ist, als die Restaurierung des alten. Wider Erwarten fand sich bald ein Sponsor, der die Anfertigung eines komplett neuen Kreuzes finanzierte.

Bei Josef Vollmer in Drolshagen wurde die Herstellung des neuen Turmkreuzes in Auftrag gegeben. Der 72-jährige Schmiedemeister übt seinen Beruf immer noch mit Herz und Seele aus. Hinzu kommt die reichhaltige Erfahrung eines langen Berufslebens. Zunächst übertrug Volmer von der 100 Jahre alten Zeichnung, die er von der Kirchengemeinde erhalten hatte, die Formen des Kreuzes mit Kreide in Originalgröße auf eine große Blechplatte. Während der Übertragung überlegte der Kunstschmied, wie er die Teile am besten anfertigen und zusammensetzen könnte. Dabei mussten die Vorgaben des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. In diesem Fall bedeutete es, dass keine sichtbaren Schweißverbindungen vorgenommen werden durften. Alle Verbindungen wurden somit genietet oder verschraubt. Das Feuerschweißen bei 1400 Grad Celsius, bei dem das Metall ineinanderfließt, wäre zwar zulässig gewesen, jedoch viel zu aufwändig und damit zu teuer. 85 Stunden hat der Schmied an dem 4.500 Euro teuren Schmuckstück gearbeitet.

Das neue Turmkreuz, so ist sich Schmiedemeister Vollmer sicher, wird bestimmt die nächsten 200 Jahre auf der Kirchturmspitze Wind und Wetter trotzen, ist der Stahl doch feuerverzinkt und in zwei Schichten mit Schmiedelack geschützt.

Und was passiert mit dem alten Turmkreuz? Der Denkmalschutz erwartet, dass das Kreuz erhalten bleibt. Dem kommt die Kirchengemeinde gerne nach und knüpfte schon Kontakte zum örtlichen Heimatmuseum. Hier wird das Kreuz nach dem Abbau einen würdigen Platz erhalten.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)


Auf Herz und Nieren wurde das 100 Jahre alte Turmkreuz in schwindelnder Höhe von Architekt Rudi Hachenberg untersucht.

Jetzt steht das neue Turmkreuz vorübergehend hinter dem Altar in der Evangelischen Kirche Olpe.

Schmiedemeister Josef Vollmer sind derartige Gestaltungen eine Herzensangelegenheit. Im Maßstab 1:1 malte er das zu bauende Kreuz auf eine große Blechplatte.

Im Schmiedeofen fließt Stahl bei 1.400 Grad Celsius ineinander.


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