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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

8. Tag der Notfallseelsorge Siegerland
„Wenn plötzlich alles anders wird“ – Katastropheneinsätze an Schulen

Geschäftsführer der Notfallseelsorge Peter Dietermann und Psych. Andy Trägner
10.05.2011 16:17
Plötzlich und unerwartet stirbt ein Lehrer auf einer Klassenfahrt. Ein Schulbus kollidiert mit einem LKW auf der Autobahn, der Busfahrer stirbt noch an der Unfallstelle. Nicht immer sind es die extremen Situationen wie ein Amoklauf an einer Schule mit vielen Toten und Verletzten wie seinerzeit in Erfurt, Emsdetten oder Winnenden, die die Einsatzkräfte bis an den Rand des Erträglichen herausfordern und belasten – Gott sei Dank. Aber immer wieder kommt es auch im Siegerland vor, dass unmittelbar oder auch mittelbar Schulen von Notfällen betroffen werden, die den Einsatz von Notfallseelsorgern oder auch weiteren Rettungskräften erfordern. Um auf solche Situationen noch besser vorbereitet zu sein, trafen sich jetzt im Evangelischen Gemeindehaus Neunkirchen Vertreter von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, Schulberatung und Notfallseelsorge zum 8. Tag der Notfallseelsorge Siegerland. Vorbereitet hatten die Tagung der Geschäftsführer der Notfallseelsorge Peter Dietermann, sowie die evangelischen Pfarrer Herbert Scheckel und Klaus Seidenstücker. Bei einem Verkehrsunfall im Siegerland kamen ein 19-jähriger Schüler und sein 18-jähriger Sozius ums Leben. Ein Tag vor der Klassenfahrt. Ein Ereignis außerhalb der Schule aber mit weitreichenden Folgen auch für den Schulalltag. Dann wird plötzlich an einer Schule alles anders. 23 Hilfskräfte einschließlich Notfallseelsorge sind bei einem solchen Geschehen im Einsatz. Jeder weiß, was er zu tun hat. Ein umfangreiches Netzwerk greift in solchen Fällen ineinander, zeigten der erste Polizeihauptkommissar Volker Intemann und der Psychologe Andy Trägner auf.
Die Psychologin Beate Schwagmaier und ihr Kollege Andy Trägner gehören zum Servicezentrum Soziale Beratung, Betreuung und Prävention der Regionalen Schulberatungsstelle für den Kreis Siegen-Wittgenstein. Sie beraten Kinder, Jugendliche und Eltern, die Schule als Institution, bieten aber auch Beratung und Fortbildung von Lehrern an. Bei Krisenmanagement an Schulen ist die Einrichtung gefordert. Viele Gesichter kann eine Krise an einer Schule haben. Sie reicht von Schulwegunfällen über Diskriminierung, Belästigung, sexuelle Übergriffe, Schlägereien, Mobbing, medizinische Notfälle bis hin zu Todesfällen von Schülern oder Lehrkräften. In der Regel muss an der Schule kurzfristig ein Krisenteam gebildet werden, das mit den Einsatzkräften zusammenarbeitet. Die Schüler müssen betreut werden, aber auch die Lehrer bedürfen nicht selten der psychologischen Begleitung. Andy Träger: „Anti-Mobbing ist die beste Amok-Prophylaxe.“
Christian Heide vom DRK-Rettungsdienst und Stefan Biehl vom Malteserhilfsdienst schildern die Anforderungen an den Rettungsdienst bei Schuleinsätzen. Medizinische Einsätze wie der Krampfanfall eines Schülers oder die stressbedingte Hyperventilation sind nicht ungewöhnlich. Aber auch bei umfangreicheren Katastrophen mit Verletzten ist der Rettungsdienst in der Lage, innerhalb einer Stunde für 50 Personen einen Sanitätsdienst und Betreuungsdienst einzurichten. Stefan Biehl: „In solchen Situationen ist es gut, dass man sich untereinander kennt und weiß, welche Hilfen geboten werden können.“ Das untereinander Kennenlernen und voneinander wissen fördert der Tag der Notfallseelsorge. Das wissen die Teilnehmenden seit Jahren zu schätzen.
Fest in die Einsatzpläne integriert ist die Notfallseelsorge. Pfarrer Herbert Scheckel weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht wenige Einsätze an Schulen sind, bei denen die Notfallseelsorge alarmiert wird. Die Notfallseelsorge hilft, dass möglichst keine seelischen Spätfolgen auftreten. Selbst aus einem natürlichen Todesfall kann in einer Schulklasse ein komplexes Unternehmen werden bis hin zu Einzelgesprächen und Informationen über Traumata. Damit die Betroffenen wissen, dass das, was ihnen passiert, normal ist. Pfarrer Rainer Klein ist seit Beginn der Notfallseelsorge vor 15 Jahren als Notfallseelsorger tätig. Er schilderte eindrücklich von seinen eigenen Einsätzen an Schulen, wo er Schüler und Lehrer betreut hat und Trauerfeiern gestaltete.
Die stellvertretende Landrätin Waltraud Schäfer überbrachte die Grüße von Kreistag und Kreisverwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein. Sie zollte den Frauen und Männern hohen Respekt für ihre nicht leichte Aufgabe und wünschte, dass die Erkenntnisse der Tagung möglichst selten angewendet werden müssen.
Mit einem ökumenischen Gottesdienst schloss der 8. der Notfallseelsorge Siegerland in Neunkirchen ab.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Geschäftsführer der Notfallseelsorge Peter Dietermann und Psychologe Andy Trägner (v. li.) wissen um die besondere Dramatik bei Notfalleinsätzen an Schulen.

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