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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Armut hat in Siegen viele Gesichter
Bessere Vernetzung und viel Ehrenamt reichen nicht aus


11.05.2011 11:28
Als eine Herausforderung auch für die Kirche sieht der Ausschuss für Wirtschaft und Soziales des Evangelischen Kirchenkreises Siegen die zunehmende Armut, insbesondere die Kinderarmut im Kreis Siegen-Wittgenstein. Alle Pfarrerinnen und Pfarrer sowie weitere Einrichtungen in den Kirchengemeinden und dem Kirchenkreis wurden angeschrieben und nach ihren Erfahrungen zum Thema Kinderarmut befragt. In den nächsten Wochen erfolgt die Auswertung der Rückmeldungen.
Die Ausschussmitglieder besuchten kürzlich eine Evangelische Kindertageseinrichtung auf dem Fischbacherberg in Siegen. Hier erfuhren sie hautnah die Auswirkungen von Kinderarmut. 29 von 33 Kindern, die in der Einrichtung über Mittag bleiben und dort essen, erhalten von der Stadt Siegen einen Zuschuss zum Mittagessen, weil die Eltern finanziell nicht in der Lage sind, weiß die Leiterin der Einrichtung Sigrid Ising-Sabel. Armut hat aber nicht nur finanzielle Auswirkungen, sondern wird sichtbar an einem hohen Medienkonsum, wenig Interesse an Büchern und Gesellschaftsspielen. Hinzu kommen Alkohol, Gewalt und Kriminalität. „Es gibt viele organisierte Hilfen auf dem Fischbacherberg. Durch eine bessere Vernetzung der guten Angebote könnte die Hilfe effizienter und nachhaltiger sein“, betont die Leiterin der Kindertageseinrichtung. Insbesondere weißt sie auf das Defizit hin, dass Kinder, die in der Kindertagesstätte eine Über-Mittag-Betreuung und ein Mittagessen erhalten, kein entsprechendes Angebot bekommen, wenn sie in die Schule gehen.

In der vergangenen Sitzung stellten Erika Denker und Karin Frerichs-Schneider vom Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen die Projekte „Zeitpaten“ und „Starthilfe“ vor.
Eindrücklich schilderte Erika Denker, dass ehrenamtlich Helfende als „Zeitpaten“ in Familien gehen und dort als Begleiter Kinder in ihrer Entwicklung fördern, ihnen zuhören und beispielsweise gemeinsam die Freizeit verbringen. So auch in einer Familie mit drei Kindern, wo der krebskranke Vater in einem entfernten Krankenhaus behandelt wurde und eine Entlastung der Mutter dringend geboten war. Oftmals sind Eltern oder allein erziehende Mütter psychisch überfordert. Großeltern wohnen womöglich weit weg oder sie leben nicht mehr. Denker: „Es ist auch vorgekommen, dass ein Kind im Winter keine Strümpfe oder Winterjacke hatte. Die Zeitpatin hat aus eigener Tasche geholfen.“ In solchen Fällen sind die ehrenamtlichen Helfer froh, Familien an den Sozialen Dienst der Frauenhilfe oder die Kleiderläden der Diakonie verweisen zu können, wo es für wenig Geld gut erhaltene Kleidung gibt. Auch die Mitarbeitenden in dem Projekt „Starthilfe“ werden regelmäßig mit Armut in Familien konfrontiert. Diese gut ausgebildeten Ehrenamtlichen gehen in Familien mit neugeborenen Kindern und entlasten die Mütter in ihrer Alltagsarbeit. Karin Frerichs-Schneider, die Koordinatorin des Projekts: „Mehr als ein Drittel der von uns betreuten jungen Mütter sind arm. Es sind überwiegend Alleinerziehende oder Hartz IV-Bezieher.“
Die Ausschussmitglieder waren sich einig, dass hier von ehrenamtlicher Seite eine Arbeit geleistet werde, die eigentlich der Staat leisten müsste. Die engagierten Frauen leisten diese Arbeit gerne, erhält man von den Kindern und Familien viel an Wertschätzung und Dank für gelungene Hilfe zurück. Eine beständige finanzielle Förderung dieser Arbeit durch den Staat würde ihnen weitere Möglichkeiten eröffnen. Kinder und Familien bräuchten es dringend.
kp

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