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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Eine Institution verlässt das Haus der Kirche
Leiter der TelefonSeelsorge Siegen Heiner Meilwes in den Ruhestand verabschiedet

Dechant Werner Wegener, Superintendentin Annette Kurschus, Heiner Meilwes
20.05.2011 12:52
Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der TelefonSeelsorge Siegen. Gemeinsam mit Pfarrer Helmut Flender, dem späteren Superintendenten des Kirchenkreises Siegen, baute er die ökumenische Einrichtung in der Region mit auf. Jetzt (17.5.2011) wurde Heiner Meilwes nach 32 Dienstjahren in einem Dank-Gottesdienst in der Christuskirche in der Dautenbach von Superintendentin Annette Kurschus und dem kath. Pfarrer Wolfgang Winkelmann in den Ruhestand verabschiedet und von seinem Dienst entpflichtet. Mit Heiner Meilwes verlässt ein hochkompetenter Seelsorger die Einrichtung. Seine enorme Stärke sind nicht die lauten Töne, sondern die leisen aber bedeutungsvollen Worte und das Zuhören können.
Superintendentin Annette Kurschus hob hervor, dass er sein Amt mit großer Kompetenz und sensiblem menschlichen Einfühlungsvermögen ausgeübt hat. Kurschus: „Die TelefonSeelsorge trägt Deine Handschrift über die regionalen Grenzen hinaus. Du wirst uns fehlen.“ Im Haus der Kirche in der Burgstraße in Siegen war Heiner Meilwes, so die Superintendentin, eine Institution mit einer leisen, nachdenklichen, den Menschen zugewandten Art, mit Verlässlichkeit, menschlicher Echtheit und Treue.

Die Grußworte während des Empfangs im Evangelischen Gemeindehaus Dautenbach machten deutlich, wie geschätzt Heiner Meilwes ist als Seelsorger, Kollege und Leiter. Der Vorsitzende des Trägerausschusses Pfr. Raimar Leng bemerkte, dass 320 Menschen von Meilwes in jeweils eineinhalbjähriger Ausbildung und anschließender zweijähriger Verpflichtung für die TelefonSeelsorge ausgebildet wurden. Stephan Lange von der Abteilung für Pastorale Dienste des Erzbistums Paderborn sprach von einem beeindruckenden Arbeitsleben mit Herz und Verstand. Meilwes habe auf Bistumsebene die TelefonSeelsorge weiterentwickelt und Vernetzungen geschaffen. Bei all seinen Aufgaben, so Dechant Werner Wegener, seien der Gemeindeverband und das Dekanat nicht aus dem Blick geraten. Der kath. Pfarrer Herbert Korfmacher erinnerte sich noch gut daran, wie er 1978 mit Heiner Meilwes gesprochen und es ihm schmackhaft gemacht hat, von Münster ins Siegerland zu kommen, um den Aufbau der TelefonSeelsorge mit zu gestalten.
Im Februar 1998 wurde der Verein der Freunde und Förderer der TelefonSeelsorge Siegen gegründet. Seit über 13 Jahren, so der Vorsitzende Alois Michalek, gehört Heiner Meilwes dem Vorstand mit beratender Stimme an. Der Verein hat heute 90 Mitglieder und der Einrichtung erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt, die für Schulungen, Büroausstattung und eine moderne Telekommunikationsanlage verwendet werden. Bisheriger Höhepunkt der Vereinsaktivitäten war 2007 die Kunstauktion in der Sparkasse Siegen, die auch Meilwes unvergesslich bleibt. Herzlich und humorvoll verabschiedeten sich die Ehrenamtlichen: „Falls Du im Ruhestand mal Probleme hast, die Telefonnummer der TelefonSeelsorge kennst Du ja.“ „Es bleibt eine Lücke, aber keine Leere.“ Mit diesem Satz wünschte Susanne Böringer für die Gruppenleitung dem scheidenden Leiter alles Gute. Sie betonte seine liebevolle Art, sein einfühlsames Wesen und seine Gradlinigkeit. Böringer: „Du hast uns spüren lassen, aus welcher Quelle Du Kraft schöpfst.“ Die gute Zusammenarbeit zwischen der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Kirchenkreises Siegen und der TelefonSeelsorge hob die EFL-Leiterin Annette Mehlmann hervor und Theo Niederschmidt von der TelefonSeelsorge Hamm stellte fest: „Die westfälische TelefonSeelsorge und die TelefonSeelsorge Deutschland haben Dir viel zu verdanken.“

Träger der TelefonSeelsorge Siegen sind die Evangelischen Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein sowie der Katholische Gemeindeverband Siegerland/Südsauerland. Heiner Meilwes: „Es ist für mich beeindruckend, wie es gelingen konnte, bei den vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden, die aus evangelischen, katholischen und freikirchlichen Gemeinden kommen, das ökumenische Miteinander in der Institution TelefonSeelsorge zu leben.“

Dem Theologen war die Spiritualität in der TelefonSeelsorge ein wichtiges Anliegen. Unvergessen sind ihm die jährlichen Einkehrtage, beispielsweise im Kloster Meschede, bei denen man Glaubensfragen und -antworten auf die Spur kam. Die Tage im dortigen Haus der Stille mit Singen, Beten, Fragen und Suchen waren für ihn immer ein besonders beglückendes Ereignis. Hierfür Räume im Alltag der ehrenamtlich Mitarbeitenden zu schaffen, war ihm eine Herzenssache.
Zu den bewegenden Momenten seiner Arbeit gehören Erlebnisse wie die Begegnung mit einem Mann in der Stadt Siegen, den er kannte: „Der Mann kam auf mich zu und bedankte sich sehr herzlich dafür, dass ich ihn vor 10 Jahren davor bewahrt habe, Selbstmord zu begehen.“
Wie er mit den Menschen umging, entsprang nicht nur seiner Begabung. Auch seine Studien der kath. Theologie, der Pädagogik sowie der Psychologie und nicht zuletzt so manche Zusatzqualifikation haben dazu beigetragen. Zunächst übernahm Heiner Meilwes nach seinem Studium für drei Jahre die Aufgabe des Bildungsreferenten in der Diözese Münster. Von dort führte ihn sein Weg 1979 nach Siegen, wo er die TelefonSeelsorge mit aufbaute. 1995 übernahm er die Leitung der ökumenischen Einrichtung. In dieser Zeit hat er auch Verantwortung für überregionale Aufgaben übernommen: 14 Jahre lang war er Diözesanbeauftragter für TelefonSeelsorge im Erzbistum Paderborn und vier Jahre Sprecher des kath. Fachverbandes für TelefonSeelsorge auf Bundesebene.
Sein lautes und erfrischendes Lachen wird im Haus der Kirche in der Siegener Oberstadt fehlen.
kp

Text zum Bild: (Karlfried Petri)
Die TelefonSeelsorge Siegen wird ökumenisch verantwortet. Dies wurde bei der Verabschiedung von Heiner Meilwes deutlich. Im Bild von links: Dechant Werner Wegener, Superintendentin Annette Kurschus und Seelsorger Heiner Meilwes. Nicht im Bild ist Stefan Berg, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein.

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