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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Amanzabantu – die Wasserleute aus dem Siegerland
25 Jahre Wasserbau, Gartenbau und Kirchbau in Südafrika

Partnerkirchengemeinde Molweni/Südafrika
23.05.2011 19:32

25 Jahre ist es her, als eine kleine Delegation aus Kreuztal ihre Koffer packte und sich auf den Weg nach Südafrika machte. Auf die Siegerländer wartete kein Urlaubsvergnügen, sondern harte Arbeit unter der afrikanischen Sonne. Sie wollten den Menschen in dem Zuludorf St. Faith’s zu sauberem Trinkwasser verhelfen. Seinen Anfang nahm das abenteuerliche Unternehmen 1984 mit einer kleinen Begegnung im Eine-Welt-Laden Siegen. Friedhelm Knipp, Bauingenieur aus Kreuztal und dort Finanzkirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde, traf Cathy Buchholz, eine farbige Missionarsfrau aus Südafrika. Sie kamen miteinander ins Gespräch. Sie stammt aus St. Faith’s, dem ehemaligen Homeland der Provinz Natal in Südafrika, und hatte einen deutschen Pfarrer der Herrnhuter Mission geheiratet. Sie schilderte die desolate Trinkwasserversorgung in ihrem Heimatdorf, die Ursache für so manche Krankheit ist, und bat um Hilfe: „Schickt uns kein Geld, sondern kommt selbst und baut mit uns. Zeigt den Menschen, wie man eine Wasserversorgung baut. Spenden kommen vor Ort nicht an.“ Friedhelm Knipp fühlte sich sofort angesprochen, da er Wasserbau studiert hatte.“

Anfangs hielt er es für eine verrückte Idee, eine solche Aufgabe im Urlaub anzupacken. In Gesprächen mit Gleichgesinnten fand er jedoch bald ein Team, das bereit war, ein solches Wagnis einzugehen. Die Gruppe musste sich intensiv auf die Aktion vorbereiten. Cathy Buchholz übernahm die Aufgabe, die Deutschen mit der Mentalität, den Lebensgewohnheiten und den Traditionen der Afrikaner bekannt zu machen und erläuterte die Problematik der Apartheid sowie die Projektarbeit vor Ort. Diese Vorbereitung war maßgebend für den Erfolg der Projekte und deren Bestand.

Im Oktober 1985 sollte das erste Wasserprojekt in Südafrika in Angriff genommen werden. Alles war vorbereitet, aber die Deutschen bekamen als kirchliche Gruppe keine Einreisegenehmigung in den Apardheitsstaat. Erst im Mai 1986 gelang es dann doch, nach Fürsprache von Kontaktpersonen vor Ort, eine Einreiseerlaubnis zu erhalten. „Wasser für St. Faith’s“ war das Motto der Aktion und so wurde die Gruppe „Amanzabantu“ – die Wasserleute – genannt.Vor Ort, 10.000 km von Kreuztal entfernt, erwiesen sich die Trinkwasserverhältnisse als katastrophal. Cholera und Typhus waren an der Tagesordnung. Nachdem das Bau-Projekt mit dem Häuptling des Dorfes, dem Magistrat und den Regierungsstellen durchgesprochen war, begann die eigentliche Arbeit. Es wurden Quellen gesucht, aufgegraben, gefasst und Wasserleitungen gelegt. Bei der Umsetzung des Projektes wurde darauf geachtet, geologische Gegebenheiten optimal auszunutzen und damit den Einsatz von Technik wie Pumpen, so gering wie möglich zu halten.Bereits nach wenigen Tagen konnten die Menschen das erste saubere Trinkwasser genießen. „Einen solchen Jubel unter den Menschen wie an diesem Tag habe ich selten erlebt“, erinnert sich Friedhelm Knipp. Gebaut wurde ein Wasserreservoir von 5.000 l sowie eine Entnahmestelle mit Wasserhahn. Das erste Projekt war fertig. Es funktioniert noch heute. Drei solcher Projekte konnten während der sechs Wochen Aufenthalt fertig gestellt werden. Noch mehrere Male reisten die Siegerländer in den nächsten Jahren nach Südafrika, um insgesamt 16 Trinkwasserprojekte in verschiedenen Dörfern zu bauen. Zum Teil als Beteiligung bei anderen Organisationen. Heute müssen die Menschen dort dank der Siegerländer Hilfe kein schmutziges Trinkwasser mehr trinken.

Es sollte aber nicht bei den Trinkwasserprojekten bleiben. Die Zuludörfer liegen auf etwa 800–1000 m Höhe inmitten eines Hügellandes. Die Bodennutzung ist kärglich, weil in der Winterzeit von Mai bis Oktober der Boden austrocknet und alles verdorrt. Auch hier wussten Siegerländer zu helfen. Mit Hilfe eines Gartenbautechnikers konnten sechs bewässerte Gartenanlagen ausgebaut werden, die jeweils ein Dorf mit frischem Gemüse versorgen. Eine echte Hilfe zur Selbsthilfe, weil die Frauen vor Ort die Gärten erweiterten.

2003 erfolgte die bislang letzte Hilfsaktion in Molweni. Die Grundschule als Gottesdienststätte der rasant wachsenden Kirchengemeinde wurde zu klein. Die Siegerländer erfuhren von der Entwicklung und begannen Spenden für den Bau einer neuen Kirche zu sammeln. Mit Hilfe der westfälischen Landeskirche und dem Kirchenkreis Siegen kam das Kapital für einen Kirchenneubau zusammen. Die Ingenieure Helge Taubitz und Friedhelm Kipp flogen für drei Monate nach Südafrika und bauten gemeinsam mit Gemeindegliedern die neue Kirche. Die konnte für weniger als 28.000 Euro errichtet werden. Während dieser Zeit wohnten sie bei einer farbigen Familie im Ort. Dies veranlasste den Gemeindepfarrer von Molweni zu dem Hinweis: „Ihr habt in diesem Dorf Geschichte geschrieben. Wir haben schon einige weiße Besucher gehabt, aber noch nie haben Weiße bei einer schwarzen Familie gewohnt.“

Heute ist längst aus der ersten Begegnung im Eine-Welt-Laden Siegen eine feste Partnerschaft entstanden zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Kreuztal und der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Molweni in Südafrika. Die Partnerschaft wurde nach einem ersten Besuch 1995 im Jahr 2000 besiegelt. Alle zwei bis drei Jahre besuchen sich die Gemeinden gegenseitig. Vom 20. Mai bis 2. Juni steht in der Kirchengemeinde Kreuztal ein Besuch aus Südafrika an. Ein umfangreiches Programm erwartet die vier Gäste aus dem anderen Erdteil, die in Gastfamilien wohnen werden. Sie werden die Partnerkirchengemeinde im nördlichen Siegerland gründlich kennen lernen. Aber auch Ausflüge in die nähere Umgebung beispielsweise ins Rothaargebirge, nach Hohenroth oder zum Kinderhospiz Balthasar nach Olpe sind geplant. Ein kirchlicher Höhepunkt wird der Festgottesdienst zum Jubiläum am 29. Mai 2011, 10.30 Uhr in der Kreuzkirche in Kreuztal mit anschließendem Mittagessen sein. Am Gottesdienst wirken Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller, Bielefeld, und Superintendentin Annette Kurschus mit.
kp

Text zum Bild: (Fotos Kirchengemeinde Kreuztal)

5000 –Liter-Tanks und gemauerte Wasserentnahmestellen liefern frisches Trinkwasser für viele Menschen. Die Brunnen dienen auch als Treffpunkte der Dorfgemeinschaft.



Die bewässerten Gartenanlagen im ansonsten kargen Gelände werden ständig erweitert.

 

2003 organisierten die Siegerländer Bauingenieure Friedhelm Knipp und Helge Taubitz den Bau der neuen Kirche in Molweni.


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