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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kaufmann Johann Philipp Schuß rettete 1807 die Martinikirche Siegen mit 6000 Taler
Im Juni wird der 700ste Geburtstag des Gotteshauses gefeiert

Martinikirche Siegen
06.06.2011 15:16

Viel erlebt hat die alte Martinikirche in Siegen, die seit 700 Jahren auf einem Felsrücken in der Unterstadt Wind und Wetter trotzt. Vom 12. bis 19. Juni will die Martini-Kirchengemeinde das Jahrhundertjubiläum ihrer Kirche feiern.In einer Urkunde aus dem Jahre 1311 wird sie erstmals erwähnt und „die Pfarrkirche St. Martin von Siegen außerhalb der Stadtmauern“ genannt. Experten vermuten jedoch, dass die Kirche eine größere Vorgängerin hatte und somit über 1000 Jahre alt ist. Seit den Umbauarbeiten von 1511 bis 1516 besitzt sie ihre heutige Gestalt. In der Zeit nach der Reformation verlor sie ihre Stellung als Pfarr- und Hauptkirche an die Nikolaikirche, schildert die Broschüre „Die Martinikirche in Siegen“, 1999 vom Presbyterium der Martini-Kirchengemeinde herausgegeben. Einige Zeit nach den konfessionellen Wirren des Dreißigjährigen Krieges und dem Westfälischen Frieden ist die Martinikirche ausschließlich evangelische Kirche. Dem großen Brand von 1695 fielen Zweidrittel der Stadt Siegen zum Opfer. An Stelle des Nassauischen Hofes entstand das Untere Schloss. Die Martinikirche war nun noch mehr als zuvor vom Zentrum der Stadt abgetrennt. Im 18. Jahrhundert wurde sie nur noch als Toten- oder Beerdigungskirche bezeichnet. Zur Zeit der napoleonischen Kriege diente sie österreichischen Truppen, die sich in Siegen aufhielten, als Lazarett und Magazin.

Dass dieses alte Bauwerk nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel, ist dem Einsatz und Wohlwollen des Siegener Kaufmanns Johann Philipp Schuß zu verdanken. Er vermachte 1807 der reformierten Gemeinde 6000 Taler zur Wiederherstellung der zerstörten und verfallenen Martinikirche. Am 17. Juni 1838 erfolgte die Wiedereinweihung des Gotteshauses. In den Jahren 1911 und 1912 wird wieder an der Kirche gebaut. Der Außenputz wird entfernt, das Bruchsteinmauerwerk gereinigt und verfugt. Das nördliche Seitenschiff erhält eine Empore. Bei Grabungsarbeiten im Inneren der Kirche fand man mehrere Skelette. Bestattungen waren in früheren Zeiten in Kirchen selbstverständlich und wurden in den Nassauischen Landen erst 1776 untersagt. Auf weitere Grabungen wurde verzichtet und der Boden mit einer Betondecke verschlossen.Während des zweiten Weltkrieges erlebt die Siegener Oberstadt und mit ihr die Martinikirche am 16. Dezember 1944 eine Katastrophe. Die Altstadt von Siegen versinkt in Schutt und Asche. Von der Martinikirche stehen nur noch die Mauern. Der Wiederaufbau erfolgte in kurzer Zeit und war am 31. Oktober 1949 abgeschlossen. Eine Neugestaltung des Innenraumes erhielt die Kirche 1990/91. Heute ist die Martinikirche eine offene Kirche, in der während der Sommerzeit auch immer wieder Kulturausstellungen zu sehen sind.

Ein umfangreiches Buch über die Geschichte der alten Kirche ist fast fertig und wird ab dem 16. Juni bei der Kirchengemeinde und in Siegener Buchhandlungen erhältlich sein.

Festprogramm

Ein umfangreiches Festprogramm in der und um die Martinikirche hat die Kirchengemeinde zusammengestellt. Vom 17.-19.06.2011 lädt rund um die Martinikirche ein kleines Weindorf mit sechs Pavillons zum Verweilen ein.

Pfingstsonntag, 12. Juni 2011
10.30 Uhr
: Kantatengottesdienst in der Martinikirche
Einführung: 10.00 Uhr
Eröffnung der Festwoche durch ein Grußwort von Bürgermeisters Steffen MuesZur Aufführung kommt die Bachkantate: BWV 45 „Es ist dir gesagt Mensch“

Mittwoch 15. Juni 2010
20.00 Uhr
: Das Instrumentalensemble ´IL PIACERE unter Leitung von Sohei Takahata musiziert festliche Musik des Barock und der Klassik.

Donnerstag 16. Juni 2011
19.30 Uhr
: Festvortrag zum Jubiläum und Vorstellung der Festschrift(Dr. Jens Friedhoff, Siegen/Braubach)

Freitag, 17. Juni 2011
20.00 Uhr
: Konzert: „Satin Blue“
Die Musiker spielen eigene Songs – häufig melancholisch, leise berührend, manchmal optimistisch-fröhlich, nie brachial-laut oder ohrenbetäubend. Die in englischer Sprache gehaltenen Lieder erzählen kleine Geschichten, sie sind gespickt mit Metaphern und beschreiben den Alltag mal ernst, mal ironisch. Die Musik der Band lässt sich am besten mit dem Begriff Songwriter-Folk umschreiben, auch Spuren des Blues und Jazz sind anzutreffen. Mit dabei sind Karsten Burkardt (Gesang, Mundharmonika), Volker Hirsch (Gitarre, Gesang), Stefan Weyel (Piano, Keyboards), Folker Albrecht (Bass) und Florian Schnurr (Schlagzeug, Percussion, Gesang).

Samstag, 18. Juni 2011
21.00 Uhr
: Das Siegener Kabarettduo „Weigand und Genähr“ bringt die Kirche zum lachen.
Rote Strickjacke, frisch gekämmter Dutt, die Handtasche fest im Griff. Das ist sie: Ursel, die Siegerländer Urgesteinin. Geschickt und charmant flankiert von Herrn Genähr, philosophiert sie wortgewandt über crispe Krokant-Schokoriegel, Urlaubslieben in Andalusien, über ihren gewagten Schritt in die Selbständigkeit und natürlich über TUS Nelda, den Verein für sportliches Frauenturnen e.V. Und wenn ihre Turnschwestern aus der Bauchtanzgruppe nicht wie versprochen kommen, na dann muss sie eben selbst ran, auch wenn sie danach "rappelfertig" ist. Klar, dass Herr Genähr nicht umhin kommt, mit akrobatischem Können Ursels "größte Liebesszene aller Zeiten" zu demonstrieren. Schließlich darf er anschließend mit seiner leidenschaftlichen, allen Siegerländer Sprachbarrieren trotzenden Brunftballade auf Brautschau gehen.
23.00 Uhr: Liturgisches Lichterfest in der und um die Martinikirche.

Sonntag, 19. Juni 2011
10.30 Uhr
: Bunter Familiengottesdienst mit anschl. Beisammensein im Pavillondorf vor der Kirche
20.00 Uhr: Festkonzert „700 Jahre Martinikirchen-Urkunde“ J.S. Bach: Kantate BWV 172 „Erschallet ihr Lieder“ W.A. Mozart, „Krönungsmesse“ KV 317

kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Seit vielen Jahrhunderten steht die Martinikirche auf einem Felsvorsprung der Siegener Unterstadt.

Bei Grabungen 1959/60 wurde ein frühmittelalterlicher Tonfließboden 92 cm unter dem heutigen Niveau freigelegt.

Das Innere der Martinikirche erhielt mit der Renovierung 1990/91 ihr heutiges Aussehen.

Der romanische Taufstein stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Der Chorraum nach der Renovierung von 1991. Das Deckengemälde ist noch so erhalten wie nach dem Wiederaufbau 1949.

Eingangsbereich mit Wasserspiel.


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