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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Befreit leben lernen
Blaukreuz-Kreisverband Siegerland feierte 100-jähriges Bestehen

100 Jahre Blaues Kreuz Siegerland
22.06.2011 12:06

Der Kreisverband des Blauen Kreuzes im Siegerland feierte kürzlich sein 100-jähriges Bestehen mit einem Veranstaltungsreigen in der Weidenauer Bismarckhalle. Das Gesamtmotto lautete: „Blaues Kreuz – Suchtkrankenhilfe: Befreit leben lernen“. Als Festredner zu Gast waren der Bundesvorsitzende des Blauen Kreuzes in Deutschland Dr. Klaus Richter und Bundesgeschäftsführer Reinhard Jahn. Richter hielt am Samstag einen Fachvortrag zu dem Thema: „Alkohol und andere Drogen – Mein Kind nimmt Drogen und lässt sich nicht helfen.“ „Die verborgenen Helden: Co-Abhängige“ lautete sein Vortrag auf der Festversammlung am Sonntagnachmittag. Hier machte er deutlich, dass Co-Abhängige, beispielsweise Ehefrauen eines Suchtkranken, oft mit dem Alkoholkranken seelisch verbunden sind und ihm helfen möchten. Leider bewirken sie nicht selten, dass der Alkoholabhängige seine Sucht weiter leben kann, da sie seine Suchtfolgen abfangen. Ein guter Suchtkranker genießt den Rausch und verteilt die Folgen. Co-Abhängige müssen lernen, loszulassen ohne aufzugeben.
In ihrem Grußwort machte Superintendentin Annette Kurschus deutlich, dass sich hinter jeder Sucht eine Sehnsucht versteckt, die die Sucht aber nicht stillen kann. Sie bezeichnete die Gruppen des Blauen Kreuzes als Orte, wo die Sehnsüchte angesprochen werden können. Kurschus: „Jesus hat den Menschen geholfen, ihre Sehnsüchte ernst zu nehmen.“ „Gott verheißt, dass kein Mensch tiefer fallen kann, als in seine Hand.“

Eröffnet wurde das Festwochenende am Samstagmorgen mit einem feierlichen Empfang, unter anderem mit dem Schirmherrn Landrat Paul Breuer. Mit zwei Musical-Aufführungen ging der erste Festtag zu Ende: Die Lebenszeichen-Kids führten das Stück „Pfiffig & clever – Die Geschichte von Bartimäus“ auf und der Projektchor Lebenszeichen präsentierte das Musical „Noch einmal Kapernaum“. Beide Chöre sind im Blauen Kreuz Eiserfeld beheimatet.Der Festsonntag begann mit einem Gottesdienst; Reinhard Jahns Predigt stand unter der Überschrift „Gott erwartet uns mit offenen Armen“, musikalisch wirkte der Bläserchor Geisweid mit.

Geschichte der Suchthilfe im Siegerland

Die Geschichte der Suchthilfe im Siegerland beginnt im ausgehenden 19. Jahrhundert. Menschen ließen sich von der Alkohol-Not ihrer Mitmenschen bewegen, gingen ihnen nach, wiesen Perspektiven auf. Die Idee des Blauen Kreuzes wurde 1877 in der Schweiz geboren, 1885 entstand in Hagen der erste Verein in Deutschland, acht Jahre später der erste Verein im Siegerland, in Weidenau. Es folgten Vereinsgründungen in Siegen (1895), Niederschelden (1899), Eiserfeld (1900) und Geisweid (1905). Am 30. Januar 1911 kommt es im Zuge eines Treffens von Vertretern der bestehenden Gruppen zur Gründung der „Kreisverbindung Siegen“. Künftig finden regelmäßig Vorstandssitzungen und Tagungen auf Kreis-Ebene statt; wobei die Grenzen fließend sind, die Verbindungen reichen auch in den Lahn-Dill-Kreis, ins Wittgensteiner Land sowie den Oberkreis Altenkirchen.

Die Arbeit des Blauen Kreuzes ging und geht von einem christlichen Menschenbild aus. 1927 verglich ein Pastor das Angebot der Suchthilfe mit „der Schutzhütte in den Alpen, mit der Rettungsstation an der Meeresküste und den Sturmbastionen im Kriege“. Mit den Jahren wuchsen die Vereine im Siegerland an Mitgliedern, es wurde mit Kinder- und Jugendstunden (eine frühe Form der Suchtprävention) begonnen und ein Schwerpunkt auf Hilfe und Ermutigung in schriftlicher Form gelegt – etwa durch das Verbreiten der Zeitschrift „Rettung“ (heute: „Füreinander“) oder durch den Verkauf des „Familienkalenders“.

1948 findet in Eiserfeld die erste Bundeskonferenz nach dem Zweiten Weltkrieg statt – mit rund 800 Gästen aus der ganzen Republik. Weitere Wegmarken: 1963 wird in Burbach-Holzhausen die Ferienstätte des Blauen Kreuzes in Deutschland eingeweiht, ein Jahr später beginnt hier die Geschichte der Bundesjugendtreffen. In diesem Jahr tagt das „Buju“ im „Haus Lebensquell“ in Bad Laasphe-Bernshausen, das Freizeitheim wurde 1973 vom Blauen Kreuz Eiserfeld in Betrieb genommen. In den 1960er- bis 1980er-Jahren entstehen im Kreisverband einige neue Vereine und Begegnungsgruppen: in Hilchenbach (1969), Betzdorf (1971), Eichen (1977), Freudenberg (1976), Neunkirchen (1982), Dietzhölztal (1982) und Haiger (1987).

Die Homepage des Kreisverbands führt sämtliche Angebote der aktuell bestehenden Vereine und Gruppen auf: www.blaues-kreuz.de/siegerland. Zu den gemeinsamen Aktivitäten zählen heute Kreiswandertage, Kreiskonferenzen, Bibelrüsten, Mitarbeiterseminare, die Praxisbegleitung der ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer und Gruppenleiter, die Beteiligung etwa an der jährlich stattfindenden Gesundheitsmesse in Siegen oder die Suchtpräventions-Einsätze an Schulen.
BK/kp
Bildzeilen:
Bild oben: Eiserfelder Blaukreuz-Jugend im Theodor-Noa-Heim in Wilgersdorf (1959) – ein Schnappschuss aus der Geschichte des Blauen Kreuzes im Siegerland. Foto: BK

Dr. Klaus Richter, 1. Vorsitzender des Blauen Kreuzes in Deutschland e.V. hielt zwei Fachvorträge. Richter, ehemaliger Chefarzt des Diakonie-Krankenhauses Elbingerode, hat über 30 Jahre die dortige stationäre Suchtrehabilitation aufgebaut und geleitet. Foto: Karlfried Petri

Das Ensemble des Bach-Chores Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel gestaltete den musikalischen Rahmen des Festnachmittages.Foto: Karlfried Petri


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