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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Denare und Hühner als Abgaben an den Herrn Pfarrer
Festvortrag „Die Martinikirche zu Siegen“

700 Jahre Martinikirche Siegen
22.06.2011 12:26

Das älteste erhaltene schriftliche Zeugnis, in dem die Martinikirche Siegen erwähnt wird, ist die Urkunde vom 3. Juni 1311. Ausgestellt hat sie der damalige Pastor Johannes der Pfarrei St. Martini zu Siegen. In der Urkunde ist festgehalten, welche Zinszahlungen beispielsweise aus Orten und Höfen des Bezirks Siegen zum Fest des Hl. Martin in der Winterzeit fällig waren. Und so erschienen denn während der Festfeierlichkeiten über 20 Bewohner des Ortes Bürbach in historisch anmutenden Gewändern und überreichten dem Herrn Pfarrer Raimar Leng 15 Denare, zwei Hühner und zudem brachten sie auch Messwein aus eigenem Anbau mit, den der Herr Pfarrer natürlich kosten musste.

In seinem Festvortrag „Die Martinikirche zu Siegen – Anmerkungen zu Geschichte und baulicher Entwicklung eines Wahrzeichens der Stadt Siegen“ ging der Historiker Dr. Jens Friedhoff auch auf das mögliche Aussehen der Vorgängerkirche ein. Die Forschungsergebnisse sind sehr spärlich und auch die Suche nach Vorbildern gestaltet sich schwierig. Es gibt keine verwertbaren Quellen. Der Plattenbelag des hochmittelalterlichen Fußbodens, in einem kleinen Teil noch erhalten, datiert Friedhoff auf das frühe 13. Jahrhundert. Kunsthistorische Vergleiche legen die Datierung nahe. Auch die Zerstörung des Vorgängerbaus bleibt letztlich im Dunkeln.

Musikalisch umrahmt wurde der Festvortrag von KMD Ulrich Stötzel, Cembalo, und Almuth Pieck, Querflöte.

„ecclesia extra muros“ 1311-2011– so lautet die über 220 Seiten umfassende Festschrift, die 700 Jahre Geschichte der „Kirche außerhalb der Stadtmauer“ aufzeichnet. Für 16 Euro ist sie in der Kirchengemeinde und in Siegener Buchhandlungen erhältlich.

Mit einem Festkonzert des Bach-Chores Siegen am Sonntag endete eine gut besuchte Festwoche in der Martinikirche. Aufgeführt wurde die „Krönungsmesse“ von Mozart. In ihrem Grußwort zum Abschluss des Veranstaltungsreigens betonte Superintendentin Annette Kurschus, dass die Martinikirche auch heute unverwechselbar und unverzichtbar zum Stadtbild gehöre. Und auf die Kirchengemeinde bezogen bemerkte sie: „Die Martini-Kirchengemeinde ist in der Gemeinschaft des Kirchenkreises ein unregelmäßiges Verb – in allem ein bisschen anders als gewöhnlich. Das macht ihren Reiz aus.“ Heute ist die Martinikirche nach ihrer Renovierung 1991 vielseitig nutzbar. Musik und Literatur, Kunst und Theater finden in dem Gotteshaus Raum. Dies macht sich die Kirchengemeinde zunutze. Fromm und politisch bezeichnete Superintendentin Annette Kurschus das heutige Profil. Der Mund wird aufgetan für die Stummen und für die Sache derer, die verlassen sind. Kurschus: „Ich danke euch allen ausdrücklich für euren Mut, Profil zu zeigen. Für das Neue, Aufregende, Anstößige des Evangeliums, das ihr in diesen alten Mauern in Sprache und in Töne und in Bewegung bringt.“
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Bild oben: Über 20 Bewohner des Ortes Bürbach in historisch anmutenden Gewändern überreichten dem Herrn Pfarrer Raimar Leng 15 Denare, zwei Hühner und zudem Messwein aus eigenem Anbau. Im Bild von links: Pfarrer Raimar Leng und Dieter Tröps, Vorsitzender des Heimatvereins Bürbach.

Der Historiker Dr. Jens Friedhoff ging in seinem Festvortrag auf das mögliche Aussehen der Vorgängerkirche ein.


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