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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Wo schlägt das Herz des Evangelischen Kirchenkreises Siegen?
Jahresbericht der Superintendentin Annette Kurschus

Superintendentin Annette Kurschus
04.07.2011 15:38
In ihrem Jahresbericht vor der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Siegen stellte Superintendentin Annette Kurschus in Anlehnung an die Losung des diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentages die Frage: Wo schlägt gegenwärtig unser Herz als Evangelischer Kirchenkreis Siegen? Damit verbunden waren die Fragen, „wofür haben wir unsere Kraft eingesetzt, unsere Fantasie, unsere Zeit? Was haben wir mit Leidenschaft weitergebracht? Was haben wir ins Werk gesetzt – welche Pläne geschmiedet?“ Oder: „Was macht uns immer wieder Hoffnung?“
Den Berichten der Kirchengemeinden entnahm die Superintendentin, dass diese sich zunehmend in der schwierigen Kunst des Aufhörens üben müssten. Kurschus: „Wie beenden wir Traditionen, die vertraut sind und an denen die Herzen vieler Gemeindeglieder hängen – für die aber in Zukunft keine Kraft und kein Geld mehr da sein wird?“
Die klassischen Felder der Gemeindearbeit erreichen die Menschen am Anfang und am Ende ihres Lebens. Die Menschen, die aktiv in der Verantwortung für unsere Gesellschaft stünden, so Kurschus, fänden mit ihren Fragestellungen und Bedürfnissen nur schwer einen Ort in den Gemeinden.
Viele Kirchengemeinden setzen bei dieser Lücke an und entwickeln neue Ideen für Menschen in der Mitte des Lebens. So gibt es je nach unterschiedlicher Tradition und theologischer Ausrichtung unterschiedliche Formen von Glaubenskursen, theologischen Seminaren und Gesprächskreisen sowie eher meditativ ausgerichteten geistlichen Projekten. Superintendentin Kurschus: „Ich ermuntere Sie ausdrücklich, diese Fährte weiter zu verfolgen. Zahlreiche Menschen nehmen sie dankbar auf und entdecken so die Kirche für sich neu als attraktiv, einladend und wegweisend.“
Auch das so genannte zweite Gottesdienstprogramm wird im Kirchenkreis Siegen bunter und vielfältiger – und ist in manchen Gemeinden inzwischen stärker angenommen als der traditionelle Gottesdienst am Sonntagmorgen. Der Gottesdienst wird sich in seinen äußeren Rahmenbedingungen auf die veränderten Lebensgewohnheiten einstellen müssen.
Auch das musikalische Gottesdienstrepertoire hat sich in fast allen Gemeinden erweitert. Zusätzliche Liederbücher werden angeschafft und die Orgel ist für viele dieser Lieder kein geeignetes Begleitinstrument. Die Superintendentin, selbst ausgesprochen musikalisch und musikkundig, spricht sich deutlich dafür aus, hier keine falschen Alternativen aufzustellen, die die populäre und traditionelle Kirchenmusik gegeneinander auszuspielen versuchen. „Unterschiedliche Musikstile haben in der Kirche ihren Ort; wir brauchen musikalische Vielfalt und sollten diese als Reichtum begreifen und fördern.“

Ehrenamtliche Leitung entlasten und stärken
Die Mitarbeit in der Leitung von Kirchengemeinden erscheint immer weniger attraktiv. In einigen Gemeinden arbeiten die Presbyterien auf Dauer hart an der Grenze ihrer Beschlussfähigkeit; vakante Stellen lassen sich nur mit großer Mühe oder gar nicht wieder besetzen. Das Amt der Presbyterin oder des Presbyters ist durch die starken finanziellen und strukturellen Veränderungsprozesse mit wenig Ehre, dafür mit umso mehr quälenden Entscheidungen und anspruchsvoller fachspezifischer Arbeit verbunden. Frust von Gemeindegliedern landet in der Regel zuerst bei den Presbyterinnen und Presbytern. So stellt das Amt für Menschen, die im Beruf oder in der Familie oder in beidem zugleich ihren Mann oder ihre Frau stehen, eine immer größere zusätzliche Belastung dar. Die leitende Theologin des Kirchenkreises befürchtet, dass die Kirchengemeinden das sehr deutlich zu spüren bekommen, wenn im Februar des kommenden Jahres Presbyteriumswahlen anstehen. Superintendentin Kurschus: „Ich halte es für dringend nötig, dass wir uns sowohl in den Gemeinden als auch auf Kirchenkreisebene Gedanken machen, wie wir die Arbeit in den Presbyterien attraktiver gestalten können.“ Für eine Hauptaufgabe derer, die hauptamtlich Verantwortung tragen, sieht sie, Menschen für ihre ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen und zu motivieren, sie zu befähigen, zu stärken und zu begleiten. Dadurch könnten die Hauptamtlichen neue Freiräume für ihre eigenen Kernaufgaben gewinnen.

Auf Kirchenkreisebene wird häufig der Wunsch nach besserer Koordination und Vernetzung der unterschiedlichen Ausschüsse, Dienste, Arbeitsbereiche und Beauftragungen geäußert. Die Kompetenzen könnten so noch effektiver genutzt und für gemeinsam abgesprochene Ziele fruchtbar gemacht werden. Die Superintendentin verspricht, dass sich der Kreissynodalvorstand sich damit befassen und ein geeignetes Konzept zur Verbesserung der Zusammenarbeit entwickeln wird.

„Mit großer Hochachtung erlebe ich“, so Kurschus, „wie unsere Mitarbeitenden im Kreiskirchenamt auch nach dem plötzlichen Tod von Verwaltungsleiter Hartmut Menzel ihre Arbeit mit größtenteils erhöhtem Einsatz an Zeit und Kraft, mit bemerkenswerter Kollegialität untereinander und verlässlicher Loyalität gegenüber der Kirchenkreisleitung leisten. Die zeitliche Planung sieht vor, dass die Stelle des Verwaltungsleiters zum 1. Januar 2012 wieder besetzt ist.

Die Superintendentin schildert in ihrem Bericht die Situation der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Kirchenkreises, die in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag feiert. Die Mitarbeitenden kämpfen täglich mit eigenen Kräften und eigener Fantasie für die dauerhafte finanzielle Absicherung. Die Einrichtung sei zu einer Art Markenzeichen des Kirchenkreises Siegen geworden, weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und geschätzt. Derzeit wird in Kooperation mit der Bürgerstiftung Siegen an der Gründung einer Stiftung zum Erhalt und zur Förderung der Ehe-, Familien- und Lebensberatung gearbeitet.

Außerordentlich geschätzt wird der kirchliche Dienst der Krankenhausseelsorge und zwar nicht nur von den Patienten, sondern auch von den Geschäftsführenden und Mitarbeitenden der Krankenhäuser. Kurschus: „Unsere Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger genießen in sämtlichen Häusern hohes Ansehen.“

Abschließend geht die Superintendentin auf die Erarbeitung der Kirchenkreiskonzeption ein. Noch in diesem Jahr soll den Synodalen ein Entwurf zur Beratung vorgelegt werden. Zum Leitsatz der Konzeption habe die Arbeitsgruppe das Motto „...da wird auch dein Herz sein“ erklärt. Die Konzeption werde etwas mit Schätzen und Herzblut und Lebendigkeit zu tun haben, „weil unser Kirchenkreis ein ausstrahlungsreicher Kirchenkreis voller Herz und Leben ist.“
kp

Text zum Bild: (Foto: Karlfried Petri)
Superintendentin Annette Kurschus hält es für dringend nötig, die Arbeit in den Presbyterien attraktiver zu gestalten.

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