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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kirchenkreisausschuss „Wirtschaft und Soziales“ besichtigt SMS Siemag in Hilchenbach
Soziales Engagement wird groß geschrieben

Besichtigung der SMS Siemag in Hilchenbach
05.10.2011 15:42

Eine Betriebsbesichtigung des in Hilchenbach ansässigen Unternehmens SMS – Siemag stand jetzt (15.9.2011) auf der Tagesordnung des synodalen Ausschusses „Wirtschaft und Soziales“ des Evangelischen Kirchenkreises Siegen. Verstärkt wurde der kirchliche Fachausschuss von Pfarrerinnen und Pfarrern, die sich dafür interessierten, wo etliche ihrer Gemeindeglieder arbeiten. Auch Superintendentin Annette Kurschus nutzte die Gelegenheit, sich einmal mehr über das Wirtschaftsleben der Region zu informieren.

Dass eine solch große Firma mit rund 2000 Beschäftigten allein in Hilchenbach eine eigene Lebenswelt darstellt, die die Menschen prägt, wurde der Besuchsgruppe deutlich.
Hans-Werner Schellenberg, bis zu seiner Rente über 50 Jahre bei SMS - Siemag beschäftigt, führte durch den Betrieb und erläuterte fachkundig die Produktpalette, die Betriebsabläufe sowie die vielseitigen Ausbildungs- und Fortbildungsangebote. Hochkomplexe Stahlwerke, Stranggießtechnik und Walzanlagen planen, konstruieren und bauen die Mitarbeitenden an dem Siegerländer Standort. Dazu gehören die Geschäftsbereiche Elektrik und Automation, in denen auch für die automatischen Arbeitsabläufe die komplette Bedienungssoftware erstellt wird.
Die Anfänge des Unternehmens reichen zurück in das Jahr 1871, als Carl Eberhard Weiß in Hilchenbach einen Schmiedebetrieb führte. Heute hat die SMS Group Standorte auf fast allen Kontinenten. Mit den rd. 9.200 Mitarbeitenden erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von weltweit über 3 Mrd. Euro. Die Firma ist zu 100% in Familienbesitz. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Dr. Ing. E.h. Heinrich Weiß. Der Unternehmer ist stark mit dem Standort im Siegerland verbunden. 90 Mio. Euro investierte die Familie Weiß in den vergangenen Jahren in Hilchenbach.

Die Ausschussmitglieder interessierten sich nicht nur für die beeindruckenden Betriebsabläufe, sondern auch für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden. Arbeiter im Arbeitsverhältnis gibt es laut Schellenberg in dem Unternehmen keine mehr. Alle Mitarbeitenden wurden 1972/73 ins Angestelltenverhältnis übernommen mit den damit verbundenen Vorzügen. Dazu wurde ein eigener Haustarifvertrag mit den Betriebsräten und Unternehmensleitung und den Vertragsparteien IG-Metall und Arbeitgeberverband geschlossen. Es wird seitdem kein Stundenlohn gezahlt, sondern ein Monatsgehalt. Auch die Akkordarbeit wurde abgeschafft. Gleichzeitig erhielten alle Beschäftigten die Möglichkeit der gleitenden Arbeitszeit, in der ein begrenztes Kontingent an Freizeitstunden angesammelt werden kann. Ein besonderes Mittel beispielsweise zur Vermeidung von Kurzarbeit. Ebenfalls ist eine Mitarbeiterbeteiligung am Geschäftsergebnis Bestandteil der Unternehmensphilosophie.
Das Angebot von Leiharbeitskräften nutzt die Firma SMS - Siemag, um erhöhte Auftragsbelastung auszugleichen. Hier ergeben sich immer wieder Möglichkeiten zur unbefristeten Übernahme ins Unternehmen.
Da das Unternehmen weltweit seine Anlagen baut, sind die Montagefachkräfte oft monatelang im Auslandseinsatz. Das belastet die Familien sehr und die Ehefrauen werden über lange Zeiten zu Alleinerziehenden. So manche Ehe hat diese besondere Herausforderung nicht überstanden. Nicht immer kann einem Mitarbeiter im Auslandeinsatz, der sich wieder stärker um seine Familie kümmern möchte, ein geeigneter Arbeitsplatz in Hilchenbach angeboten werden. Auch eine psychologische Betreuung kann die Firma nicht vorhalten. Pfarrer Dietrich Hoof-Greve, Berater in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Evangelischen Kirchenkreises Siegen, verwies auf die Beratungsangebote der kirchlichen Einrichtung, die auch in solchen Fällen genutzt werden können.
Eine Kooperation besteht bereits mit der evangelischen Kindertageseinrichtung „Arche“ in Allenbach, wie auch mit den Grund-, Haupt- und Realschulen sowie den Gymnasien. Aufgrund der Kooperation „Techniknetzwerk“ im Kindergarten Arche und den Schulen erhielt die Siemag den begehrten Unternehmenspreis 2010 der Landesregierung NRW. Das Unternehmen fördert damit nicht nur die Bildung junger Menschen, sondern bemüht sich auch um potentielle Nachwuchskräfte für das Unternehmen.

Aus- und Weiterbildung hat bei SMS Siemag einen hohen Stellenwert. Das Unternehmen benötigt für die geforderte Produktqualität und Weiterentwicklung gut ausgebildetes Personal. In einer neuen Ausbildungswerkstatt stehen 40 Werkzeugmaschinen zur Verfügung – fast alle mit CNC-Steuerung. Hier hat zurzeit eine Eisenkonstruktion mit den Namen von Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg eine vorübergehende Bleibe gefunden. Sie stammt von dem Ehrenmal in Müsen, an dem deutlich der Zahn der Zeit genagt hat. Die Auszubildenden erhielten die Aufgabe, die äußere Kontur [Eisenteile] aufzuarbeiten und sie wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. Auch durch solche besonderen Arbeiten zeigt das Unternehmen einmal mehr seine Verbundenheit mit der Region.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Beeindruckt waren die Ausschussmitglieder sowie Pfarrerinnen und Pfarrer von dem Werk in Hilchenbach. Der faire Umgang mit den Mitarbeitenden, so wurde deutlich, ist dem Unternehmen wichtig. Es hält viele Sozialleistungen vor.

Beachtung in der Lehrwerkstatt fand eine Eisenkonstruktion vom Ehrenmal in Müsen, die von Auszubildenden in einen ansehnlichen Zustand versetzt wurde und die demnächst wieder an ihren angestammten Platz zurückkehrt.

Superintendentin Annette Kurschus (im Bild links) ist der kirchliche Bezug zur Arbeitswelt wichtig. Im Bild mit Ausschussmitglied Klaus Vitt, selbst viele Jahre Betriebs- und Aufsichtsratsmitglied sowie später Meister bei SMS Siemag.


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