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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Es gibt kaum ein Haus, in dem ich nicht zu Gast gewesen wäre.“
Pfarrer Hans-Martin Trinnes verabschiedet

Pfarrer Hans-Martin Trinnes und seine Ehefrau Anneliese
05.10.2011 15:48
In einem Festgottesdienst wurde am vergangenen Erntedankfest (2.10.2011) Pfarrer Hans-Martin Trinnes in der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Niederschelden in den Ruhestand verabschiedet.
18 Jahre und siebeneinhalb Monate war er den Menschen Pfarrer, Seelsorger und Hirte in der Kirchengemeinde. Trinnes: „Wir haben gemeinsam viele schöne Gottesdienste gefeiert und nach Wegen gesucht, wie die Gemeinde wachsen kann. Wir haben nach Gottes Wort und Willen gefragt sowie mit- und füreinander gebetet.“
337 neue Gemeindeglieder hat der Pfarrer getauft, darunter nicht nur Kinder. 359 Konfirmanden wurden von ihm eingesegnet. Trinnes: „Ich bin glücklich, wenn ich ehemalige Konfirmanden in der Jugendarbeit sehe.“ 92 Paare hat er getraut, aber auch 462 verstorbene Gemeindeglieder und ihre Familien begleitet. Dankbar erinnert sich der Seelsorger an die vielen Gespräche und an das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde. Die Trauerarbeit und die damit verbundene Begleitung von Menschen war für ihn eine der wichtigsten Aufgaben der Verkündigung. In seiner Abschiedspredigt sagte er: „Es gibt kaum ein Haus in Niederschelden, in dem ich nicht zu Gast gewesen wäre. Ich hoffe und wünsche dazu beigetragen zu haben, dass Menschen den Weg zum Herrn und Heiland Jesus Christus gefunden haben.“

Superintendentin Annette Kurschus entpflichtete Hans-Martin Trinnes von seinen Aufgaben in der Kirchengemeinde Niederschelden. Die nun freie Stelle kann wieder besetzt werden. Bis dahin muss die Kirchengemeinde eine Zeit der Vakanz überbrücken.

Geboren und aufgewachsen ist Hans-Martin Trinnes in Mediasch in Siebenbürgen/Rumänien. Hier besuchte er das Gymnasium. Im Herbst 1972 bestand der die Aufnahmeprüfung für die theologische Fakultät in Hermannstadt. Nach seinem ersten Examen 1976 führte ihn sein Vikariat nach Hunedoara. Einige Monate später wanderte sein Vikariatsvater aus und er blieb mit vier Gemeinden zurück. Pfarrer Trinnes: „Die Vikariatsordnung sah vor, dass ich zweimal im Monat einen Gottesdienst zu halten hatte. Die ungewöhnliche Situation brachte es mit sich, dass ich nun zwei bis dreimal jeden Sonntag zu predigen hatte.“ Nach dem zweiten Examen wurde Hans-Martin Trinnes 1977 ordiniert und zum Pfarramtsverweser der Kirchengemeinde Hunedoara bestellt. 1983 wählte ihn die Kirchengemeinde Weidenbach zu ihrem Pfarrer. Hier erlebte er auch die schweren Seiten des Pfarrdienstes in Rumänien. Er stand unter Beobachtung und erfuhr die Bedrohungen durch die Securitate, die Geheimpolizei. Von Weidenbach aus betreute er auch drei kleine Gemeinden an der unteren Donau und am Schwarzen Meer.
1989 überschlugen sich die Ereignisse des Umbruchs. Der Weg in die Demokratie wurde frei. Viele Gemeindeglieder gingen in den Westen. Sie hatten kein Vertrauen in einen staatlichen Neubeginn. Die Gemeinde schrumpfte in einem halben Jahr von 700 Gemeindegliedern auf nur noch 80. Die Familie Trinnes mit ihren drei Kindern wanderte ebenfalls aus. Es folgte das Verfahren zur Aufnahme in den Dienst der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ab 1991 konnte er als Pastor im Hilfsdienst in Drolshagen arbeiten. 1993 wurde er als Pfarrer der Kirchengemeinde Niederschelden gewählt.
Nach dem Gottesdienst hatte die Kirchengemeinde zum Empfang eingeladen. In den vielen Grußworten wurde deutlich, wie geschätzt Hans-Martin Trinnes war. Seinen Ruhestand wird der Pfarrer mit seiner Frau Anneliese in Freudenberg verbringen. Hier wartet ein Haus mit Garten auf den Pastor. Bei der Verabschiedung erhielt er diverse Gartengeräte, Pflanzen und Samen. Das Gustav-Adolf-Werk darf sich noch einige Zeit seiner ehrenamtlichen Mitarbeit erfreuen. Die Verbundenheit mit den Diasporagemeinden, wie er sie in Rumänien erlebte, hat ihn in die Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes geführt, das er auf landeskirchlicher Ebene ehrenamtlich leitet. Das Werk unterstützt evangelische Kirchengemeinden im Ausland, die ihre Gemeindearbeit als Minderheit gestalten müssen. Diese Glaubensgeschwister liegen ihm besonders am Herzen.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Dass Pfarrer Hans-Martin Trinnes Humor besitzt, wurde auch bei seiner Verabschiedung deutlich. Nach dem Gottesdienst und Empfang musste er mit seiner Ehefrau Anneliese auf dem Frontlader eines Traktors Platz nehmen und wurde um die Kirche gefahren.

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