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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Taufe fordert Nachfolge
Verschiedene Taufverständnisse im Podiumsgespräch erörtert

Reformiertes Gemeindeforum Südwestfalen
15.11.2011 16:58

Am Ende eines lehrreichen Gesprächsabends zwischen Vertretern verschiedener christlicher Taufpositionen formulierte Pfarrer Armin Pulfrich aus dem Publikum das Gesprächsfazit: Evangelische Landeskirche und katholische Kirche sollten lernen, stärker zu betonen, dass die Taufe nichts bringt, wenn sie nicht persönlich angenommen und gelebt wird. Die Freikirchen sollten lernen, nicht so stark die menschliche Entscheidung zu betonen, da diese nicht das Heil bewirkt.
Ein ausgesprochen anregendes Gespräch ging am vergangenen Donnerstag (10.11.2011) diesem Fazit im evangelischen Gemeindehaus in Ferndorf voraus. Der Trägerkreis des Reformierten Gemeindeforums Südwestfalen hatte zu einem Podiumsgespräch mit dem Thema „Was geschieht bei der Taufe“ eingeladen. Auf das Gespräch eingelassen hatten sich Pfarrerin Silke van Doorn (Evangelische Kirche), Pastor Markus Lienhard (Baptistengemeinden), Pastor Werner Jung (Freie evangelische Gemeinden) sowie Pfarrer Martin Assauer (Katholische Kirche). Drei Minuten gab Gesprächsleiter Pfarrer Martin Schreiber zu Beginn jedem der Kirchenvertreter, um das jeweilige Taufverständnis zu skizzieren.

Für Assauer ist die Taufe das Hineingenommenwerden in den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, der Beginn einer neuen Existenz, sozusagen wiedergeboren aus dem Bad der Taufe. Es geht um das Abwaschen der alten Sünde, um frei zu werden für Gott. Taufe und Firmung gehören zusammen. Die Taufe als freies Gnadengeschenk Gottes erwartet als dialogisches Geschehen die Antwort des Menschen. Assauer: „Jedes Sakrament bedeutet die Berührung von Gott und Mensch auf Initiative Gottes hin – das dürfen wir im Empfang in Anspruch nehmen.“ Dies ist kein individuelles Geschehen, sondern im Hineinnehmen in das Leben mit Gott geschieht auch die konkrete Eingliederung in die Kirche.

Dass die Taufe einmalig ist, weil Gott sein Wort gegeben hat, betonte Silke van Doorn: „Taufe ich noch einmal, hintertreibe ich Gottes Wort und Willen: Das erste Mal war‘s nicht recht. Gottes Treue wird infrage gestellt.“ Erstklassig ist für sie die Taufe, auch die Babytaufe, die persönlich und namentlich zugesprochen wird. „Gott hat das erste Wort und wir geben mit unserem ‚Ja‘ die Antwort.“ Taufe bedeutet für die Theologin ein ernster Aspekt, aber auch das Sterben mit Christus, der selbst zum Verachtetsten wurde. Einend ist für sie die Taufe, da mit ihr sofort die Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen erfolgt. Erst mit der Konfirmation findet der mit der Taufe begonnene Prozess seinen Abschluss. Eine intensive Taufvorbereitung und Taufpraxis könnten den Menschen den tiefen Ernst und die begeisterte Freude verdeutlichen, sich und „sein Haus“ in den Bund mit Gott zu stellen.

Bei den Baptisten ist die Taufe eine sichtbare Zeichenhandlung, die in einem heiligen Moment das in einem Brennpunkt zusammenfasst und rituell abbildet, was unsichtbar im geistlichen schon geschehen ist. Markus Lienhard zählte auf: Gottes Gnadenwort in Christus hören, zum Glauben kommen, Umkehr, Ausrichtung auf ein neues Leben. In der Taufe geschieht für ihn Bekenntnis, Hingabe und Bitte. Dazu gehört aber auch, was noch geschehen wird: Wachstum und Bewährung im Glauben, Heilwerden, Heiligung und Dienst. Die Taufe ist nach baptistischem Verständnis nicht ein Sakrament in dem Sinn, dass sie unabhängig von einem unsichtbaren geistlichen Prozess des Glaubens das Heil auf den Menschen überträgt. Sie ist ein Zeichen am Anfang des Glaubens. Der Taufakt ist aktueller Vollzug der von ihr bezeichneten Sache: Zueignung der Gnade und Aneignung durch den Glauben. Lienhard: „Die Taufe ist ein Freudenfest, an dem auch die Engel im Himmel mitfeiern.“

Ähnlich wie die Baptisten setzen die Freien evangelischen Gemeinden den persönlichen Glauben des Täuflings voraus. Werner Jung betonte aber zu Beginn seiner Ausführungen, dass alle christliche Lehrbildung unter dem Vorbehalt geschehe, „dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist.“ Dies gelte auch für das Taufverständnis in Freien evangelischen Gemeinden. Jung: „Dennoch wissen wir uns verpflichtet, unserer Taufüberzeugung entsprechend zu lehren und zu handeln, ohne Christen mit anderer Taufüberzeugung zu verurteilen.“ Nach seiner Darstellung ist die Taufe in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn des Glaubens zu sehen und mit dem verbindlichen Leben in einer Gemeinde von Glaubenden. Die Taufe kann nur vollzogen werden auf Grund des persönlichen Glaubens, der durch Gottes Wort und Geist erweckt wird und zugleich dankbare und gehorsame Antwort des Menschen ist. Jung: „ Wir sehen eine Taufhandlung, bei der der persönliche Glaube des Täuflings fehlt, nicht als Taufe an. Darum ist die Taufe auf Grund des Glaubens keine Wiedertaufe. Die Taufe ist unwiederholbar. Wenn jemand bereits als Säugling getauft wurde und auf Grund einer vor Gott getroffenen Gewissensüberzeugung darin seine Taufe sieht, wird diese Überzeugung geachtet.“

Einig waren sich die Gesprächspartner, dass Taufe ein freies Gnadengeschenk Gottes ist und der Glaube des Menschen als Antwort hinzu kommen muss. Mit der Betonung der persönlichen Entscheidung zu einem Leben in der Nachfolge Christi vor der Taufhandlung wurde der Punkt benannt, der die Freikirchen von der Kindertaufe abhält, stattdessen aber Kinder segnet. Assauer konterte: „Wann glaubt man danach genug, um sich taufen zu lassen? Ist nicht der Glaube wie ein Senfkorn, das heranwächst?“ Es gibt Überlegungen, auch bei den Baptisten, die Kindertaufe eines neuen Gemeindegliedes zu respektieren.

Angesprochen wurde die Problematik, dass junge Menschen heute nach Taufe und Konfirmation oder Firmung eher selten in die evangelische oder katholische Kirchengemeinde hineinwachsen. Der Gemeindeverantwortung gerecht zu werden, wird als schwieriger, aber umso nötiger dargestellt. Werner Jung: „Gelebter Glaube und Nachfolge ist uns in der Freien Gemeinde wichtig.“

Im Gegensatz zur rheinischen Kirche ist in der westfälischen Landeskirche die Kindersegnung nicht vorgesehen, obwohl Jesus selbst Kinder gesegnet hat, bemerkte Martin Schreiber. Er hat den Eindruck, dass nicht wenige Eltern, die ihr Kind zur Taufe anmelden, eigentlich in der Taufe eine Segnung sehen. Dies komme auch in der Wahl des Taufspruchs zum Ausdruck. In der Kindertaufe werde die vorlaufende Gnade Gottes betont.

Die Wittgensteiner Pfarrerin Kerstin Grünert berichtete von einem Kinderkirchentag im Kirchenkreis Wittgenstein im Jahr der Taufe. Hier sei die Taufe als wichtiges Familienereignis in der Gemeinde erlebt worden, die sich allerdings als gastfreundlich erweisen müsse. Alleinerziehende schämten sich ob ihrer Situation nicht selten, ihr Kind taufen zu lassen und damit ihre besondere Situation öffentlich zu machen. Ein Gemeindefest könne helfen, Hemmschwellen zu senken.

In einer offenen Gesprächsrunde nutzten etliche Teilnehmer aus dem Publikum, ihre Fragen an die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium zu richten. Nicht alle Fragen konnten befriedigend beantwortet werden, was nicht zuletzt an der Tragweite des Themas lag.

In seiner Andacht zum Einstieg in den Gesprächsabend schloss der Ferndorfer Gemeindepfarrer Peter Renschler-vom Orde mit den Worten: „Taufe schließt ein lebenslanges Lernen ein, den göttlichen Willen zu tun. Dies ist eine Herausforderung für jeden, der getauft ist.“ Darin waren sich die Gesprächsteilnehmenden einig.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Bild oben: Ein anregendes Podiumsgespräch im evangelischen Gemeindehaus Ferndorf zwischen Vertretern unterschiedlicher christlicher Kirchen. Das Gnadenhandeln Gottes und die entscheidende Antwort des Menschen wurden unterschiedlich betont.Im Bild von links: Markus Lienhard, Silke van Doorn, Werner Jung, Martin Schreiber und Martin Assauer.

Die Wittgensteiner Pfarrerin Kerstin Grünert berichtete von einem Kinderkirchentag im Kirchenkreis Wittgenstein im Jahr der Taufe.

In einer offenen Gesprächsrunde nutzten etliche Teilnehmer aus dem Publikum, ihre Fragen an die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium zu richten.


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