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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kirchliches Umweltmanagement in Evangelischer Kirchengemeinde Klafeld offiziell zertifiziert
Grüner Hahn in der Kirchengemeinde Klafeld
02.12.2011 12:18
Dem Umweltausschuss war die Freude sichtlich anzusehen, als Carmen Ketterl, kirchliche Umweltrevisorin für die evangelischen Landeskirchen Württemberg und Westfalen, die Urkunde der Umweltzertifizierung der Evangelischen Kirchengemeinde Klafeld unterschrieb. Die Zertifizierung gilt für vier Jahre. Dann muss sich die Kirchengemeinde erneut einer Prüfung unterziehen. Unter dem Vorsitz von Burkhard Leidel, Umweltbeauftragter der Kirchengemeinde, kümmern sich schon seit Jahren etliche Gemeindeglieder um ein umweltverträgliches Arbeiten und Wirtschaften in ihrer evangelischen Kirchengemeinde Klafeld. Jetzt haben sie es geschafft, ihre Grundlagenermittlung und Verbesserungsideen im Rahmen des Umweltmanagementsystems „Grüner Hahn“ offiziell anerkannt zu bekommen. In einem Umweltbericht der Kirchengemeinde sind die Umweltarbeit der Kirchengemeinde, die Leitlinien, die ermittelten Verbräuche und Kennzahlen und Verbesserungsvorschläge penibel dokumentiert. Einen ganzen Nachmittag lang waren Ausschussmitglieder der Kirchengemeinde gemeinsam mit Carmen Ketterl sowie Hans-Jürgen Hörner, dem Projektleiter des kirchlichen Umweltmanagements „Der Grüne Hahn“ innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), unterwegs gewesen und hatten die kirchlichen Gebäude gründlich „unter die Lupe genommen“. Im Gepäck dabei die ermittelten Kennzahlen der Ennergieverbräuche der einzelnen Gebäude aus den vergangenen Jahren. Burkhard Leidel ist mit ganzem Herzen dabei: „Es hat mich gereizt, den Erfolg der Umweltaktivitäten, die mit der Energieeinsparung und der Reduzierung des CO2-Ausstoßes einhergehen, systematisch lösen und rechnerisch belegen zu können.“ Jedes der elf Teammitglieder bringt seine unterschiedlichen beruflichen und privaten Erfahrungen in die detaillierten Überlegungen mit ein.

Zurzeit unterhält die Kirchengemeinde 12 Gebäude. Ins Umweltmanagement eingebunden sind zunächst die Talkirche und das Gemeindezentrum im Wenscht, das Gemeindehaus Tal, die Kindertageseinrichtung Jasminweg sowie die Kindergärten Sohlbach-Buchen und Setzen. Für jedes dieser Gebäude wurden die Checklisten des Umweltmanagements durchgearbeitet und ausgefüllt. Es entstanden Umweltkennzahlen zu Verbräuche, Flächen, Nutzungsstunden und Kosten. So betrugen die Kosten der Wärmeenergie im Jahre 2009 rd. 41.000 Euro, 12.000 Euro waren für Stromverbrauch zu bezahlen. 233,9 Tonnen CO2 entstanden durch die Kirchengemeinde, reduziert um 8,5 Tonnen, in dem von den Gemeindegliedern Aluminium eingesammelt und der Wiederverwertung zugeführt wurde. Die Auswertungen im Detail zeigen, dass unbedingt die Heizsituation in der Talkirche verbessert werden muss. Beispielsweise soll die Raumtemperatur während der Gottesdienste auf 18-16 Grad gesenkt werden, auch, um für die neu installierte Orgel die maximal zulässige relative Luftfeuchtigkeit einhalten zu können. Für das Kirchenschiff im Gemeindezentrum Wenscht soll ein energiesparendes Beleuchtungskonzept erarbeitet werden. Die Kirchengemeinde will den Stromanbieter wechseln und künftig nur noch Strom von einem „grünen Stromanbieter“ beziehen. Im Sommer dieses Jahres erhielt die Kirchengemeinde den Klimaschutzförderpreis der Stadt Siegen. Die Dotierung in Höhe von 2000 Euro wird in acht Effizienzpumpen diverser Heizungsanlagen investiert. Dies erbringt eine Verbrauchskosteneinsparung pro Heizungspumpe von 50 Euro pro Jahr. Die Investition rechnet sich in wenigen Jahren. „Solche Pumpen“, so Carmen Ketterl, „sind auch eine lohnenswerte Überlegung für Privathaushalte. Sie sparen Energie und rechnen sich in verhältnismäßig kurzer Zeit.“

Im Januar 2010 beschloss das Presbyterium, am Umweltmanagement „Grüner Hahn“ teilzunehmen und sich als christliche Gemeinde für den Erhalt der Schöpfung einzusetzen. Dazu gehört, die Umweltschutzaktivitäten kontinuierlich zu prüfen und zu dokumentieren. Zur Verringerung der Umweltbelastungen werden bestmögliche Produkte und Techniken eingesetzt, soweit die wirtschaftlich vertretbar sind. Selbstverständlich ist es für die Kirchengemeinde, gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen werden bevorzugt. Der schonende Umgang mit Rohstoffen und Energie erhält besondere Bedeutung. Die Gruppen und Kreise der Kirchengemeinde sowie die Mitarbeitenden werden aktiv in den Umweltschutzprozess einbezogen.

Umweltschutz hat für die Kirchengemeinde schon seit Jahrzehnten einen hohen Stellenwert. Bereits im September 1986 wurde während eines Arbeitswochenendes des Presbyteriums der Arbeitskreis für Umweltfragen gegründet. Das Presbyterium hatte sich eingehend mit dem damaligen Schwerpunktthema der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen „Verantwortung für Gottes Schöpfung“ beschäftigt. „Allen war bewusst geworden“, so schreibt die Kirchengemeinde in ihrem Umweltbericht“, „dass wir als Christen für die Schöpfung Gottes verantwortlich sind und tätig werden müssen.“ Aus dem Arbeitskreis wurde bald der „Ausschuss zur Bewahrung der Schöpfung“, zuständig für die Erarbeitung praktikabler Vorschläge für einen schöpfungsbewahrenden Umgang mit Energie, Konsumgütern und Rohstoffen innerhalb der Kirchengemeinde. Erste Verhaltensveränderungen machten sich bald bemerkbar. Umweltschonende Reinigungsmittel wurden für alle Gebäude zentral eingekauft. Auf den Tisch kam nur noch Kaffee aus „Fairem Handel“. Zu Müllvermeidung und -Trennung rief die Kirchengemeinde auf, noch bevor Land und Kommunen dies geregelt haben. Auf Gemeindefesten verwendet man ausschließlich Mehrwegflaschen und kein Wegwerfgeschirr.
Seit 1994 heißt es in der Kirchengemeinde „Autofrei und Spaß dabei – der Schöpfung zuliebe“. Jeweils an einem Sonntag im Monat nach dem Gottesdienst finden von Mai bis Oktober Ausflüge ohne Auto, aber zu Fuß, per Rad, per Bahn, per Bus des ÖPNV statt. Die Devise lautet CO2 sparen und die Umwelt schonen.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Ein erstes großes Etappenziel ist für die Umweltarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Klafeld erreicht. Der „Grüne Hahn“ kräht in Klafeld offiziell zertifiziert.

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