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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode Siegen III
Presbyterial-synodale Ordnung – gute Grundlage, vage Leitlinie oder Entwicklungsbremse?
Kirchenkreiskonzeption

Synodes des Evangelischen Kirchenkreises Siegen
02.12.2011 12:35

Presbyterial-synodale Ordnung

Immer wieder in gewissen Zeitabständen wird in der Kreissynode Siegen die Presbyterial-synodale Ordnung thematisiert. Diesmal war der Theologische Ausschuss gebeten, noch einmal grundsätzlich über Wesen und Kern dieses evangelischen Verfassungsmodells nachzudenken. Ein Stellungnahmeverfahren zur Änderung der Kirchenordnung veranlasste die Synode seinerzeit, dem Ausschuss diese Denkaufgabe zu übertragen. Jetzt lagen erste Ergebnisse schriftlich vor. „Presbyterial-synodales Verfassungssystem bedeutet nicht nur, dass es in den Gemeinden Presbyterien und in den Kirchenkreisen und in der Landeskirche Synoden gibt“, zitiert der Ausschuss Werner Danielsmeyer aus dessen Veröffentlichung ‚Die Evangelische Kirche von Westfalen - Bekenntnisstand, Verfassung, Dienst am Wort und Sakrament‘. Das Entscheidende bei der Presbyterial-Synodalverfassung ist die Funktion, die hier den Presbyterien und Synoden zugemessen wird.“ An der Presbyterial-synodalen Ordnung wird deutlich, dass sich die evangelische Kirche von unten nach oben aufbaut. Die um Predigt und Sakrament versammelte Gemeinde ist die Ursprungs- und Zielgestalt der Kirche. Kirchenkreis und Landeskirche nehmen ihre Aufgaben im Auftrag der Gemeinden wahr. So sieht es auch die Kirchordnung. In letzter Zeit wird zunehmend die fragende Überlegung geäußert, ob nicht der Kirchenkreis und hier insbesondere Referate und Einrichtungen als Kirche im Sinne von Gemeinde anzusehen seien. Dies bedeutet, dass der Auftrag der Kirche nicht mehr nur an die Gemeinde gebunden ist, sondern losgelöst von der Gemeinde durch funktionale Organisationseinheiten gemeindegleich wahrgenommen werden kann. Letzteres kommt beispielsweise dadurch verstärkt in den Blick, wenn die Gemeinden ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können und immer mehr Aufgaben beispielsweise auf den Kirchenkreis übertragen werden. Wäre es nicht im Sinne der Presbyterial-synodaler Ordnung richtiger, die Gemeinden so zu stärken, dass sie die Aufgaben wieder übernehmen können. Zudem stellt der Theologische Ausschuss die Frage, ob neben den ständigen Ortsgemeinden auch andere Gemeindeformen denkbar sind, die als Gemeinde innerhalb der Presbyterial-synodalen Ordnung gelten können.

Eine lebhafte Diskussion offenbarte die unterschiedlichen Vorstellungen der Synodalen. Pfarrerin Annegret Mayr gab zu bedenken, ob nicht der Kreissynodalvorstand oder eine Konfirmandengruppe, wenn sie Gottesdienst feierten, auch Gemeinde seien. Mayr:„Gemeinde ist in unseren siegerländer Köpfen nur Parochie.“ Sie regt an, über den Stellenwert der Synode und die synodale Ebene nachzudenken. Mayr weiter: „Synode ist mehr, als der verlängerte Arm der Gemeinden.“ Rolf Fersterra, Vorsitzender des Theologischen Ausschusses, legte den Fokus auf den Begriff „Stetigkeit“, die als dauerhaftes Zusammenleben von Christen in der Kirche gefordert sei. Somit könne beispielsweise eine Fernsehgemeinde keine Gemeinde im Sinne der Presbyterial-synodalen Ordnung sein.
Presbyter Peter Klöckner zeigte die geringe Bedeutung der Presbyterial-synodalen Ordnung in der Gemeindewirklichkeit auf. In einer Gemeinde sei überwiegend nur der Pfarrer bekannt, nicht jedoch das Presbyterium. Viele Gemeindeglieder beteiligten sich nicht an den Presbyteriumswahlen. Erst nach den Wahlen erführen neue Presbyteriumsmitglieder, dass das Presbyterium der eigentliche Entscheidungsträger in einer Gemeinde sei. Die Entwicklung gehe in Richtung hauptamtliche Verwaltung und Professionalisierung.
Augenzwinkernd fügte er hinzu: „Eine Änderung ist nur vorstellbar, wenn die Pfarrer ausgestorben sind und den Ehrenamtlichen mehr Aufgaben übertragen werden.“ Pfarrer Armin Pulfrich kritisierte, dass der Gemeinde oftmals die Transparenz fehle. Die Menschen müssten sich mit ihren Kompetenzen mehr beteiligen können. „Es gibt in unserer Region keine vergleichbare Größe mit einer so gut ausgebauten Infrastruktur wie die evangelische Kirche. Es gelte zu überlegen, wie das Evangelische in die Gesellschaft eingebracht werden könne“, gab Volker Gürke zu bedenken.

Kirchenkreiskonzeption eingebracht

Seit zwei Jahren arbeitet eine Projektgruppe an der Vorbereitung einer Konzeption für den Kirchenkreis Siegen. Die westfälische Landessynode hatte 2005 beschlossen, dass die Kirchenkreise eine Konzeption erstellen sollen, in der die künftige Entwicklung der „Gemeinschaft der Gemeinden und die Gemeinschaft der gemeinsamen Dienste“ aufgezeigt wird. Ein 50 Seiten umfassender Vorentwurf liegt vor und wurde den Kirchengemeinden und Referaten zur Stellungnahme zugeleitet. In 10 Kapiteln werden unterschiedliche Aspekte des Kirchenkreises aufgegriffen. Eine Situationsbeschreibung geht einer Organisationsbeschreibung voraus, Zielgruppen werden benannt sowie Stärken und Schwächen des Kirchenkreises ebenso beschrieben wie Chancen und Risiken. Skizziert werden das zukünftige Handeln, Kommunikationswege sowie Leitungs- und Organisationsstrukturen.

Den Stand der Beratungen und die weiteren Beratungsschritte beschrieb auf der Synode Synodalvikar Dr. Detlef Metz. Er machte deutlich, dass der Kirchenkreis künftig verstärkt strategische Planung betreiben solle und nicht nur auf Entwicklungen reagieren. Angestrebt werde auch eine stärkere Identifizierung mit den Zielen und der Arbeit des Kirchenkreises. Dazu soll der Kirchenkreis eine erkennbare Leitung haben und nach außen einheitlich auftreten. Auch soll die Kommunikation im Kirchenkreis verbessert werden. Synergien zwischen Kirchenkreis und Kirchengemeinden sollen verstärkend wirken.
Die angedachte Erstarkung des Kirchenkreises gegenüber den Gemeinden wurde von einigen Gemeinden bereits kritisch angemerkt. Der Kirchenkreis tritt in der Konzeption als Gegenüber der Gemeinden auf. Schnell kommen die Fragen auf, ob der Kirchenkreis Kirche ist und wenn ja, wie sich sein Kirchesein gestaltet? Es fehle, so Metz, an dieser Stelle eine theologische Klärung.

In der kurzen Diskussion kommt zum Ausdruck, dass die Ausführungen des Theologischen Ausschusses zur Presbyterial-Synodalen Ordnung in die Konzeption eingearbeitet werden soll. Die eigentliche Beratung der Konzeption erfolgt auf einer späteren Synode.
kp


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