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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Vereinsmeierei in der KircheSinn und Aufgabe des reformierten Bundes
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15.10.2003 17:21
Wer blickt da noch durch bei den Evangelischen. Bei denen gibt es eine EKD, ein Zusammenschluss von 24 selbstständigen reformatorischen Landeskirchen. Wenige davon sind reformiert, die meisten lutherisch, oder beides, dann nennen sie sich uniert. Zu tun hat das mit dem Bekenntnis. Es ist in Nuancen unterschiedlich. Aber immer evangelisch. Man kann auch sagen „Evangelisch ist nicht einfach evangelisch; evangelisch ist nicht gleichzusetzen mit lutherisch: die reformierte Farbe gehört dazu“, so kürzlich Walter Herrenbrück, Landessuperintendent der Evangelischen reformierten Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland und Mitglied im „Rat der EKD“, auf der Reformierten Konferenz Südwestfalen in Wilgersdorf .Die verschiedenen Konfessionen und Bekenntnisse sind historisch gewachsen, haben aber auch mit neuen Schrifterkenntnissen und neuen Einsichten über die rechte Gestalt und Ordnung der Kirche zu tun. Bezeichnend für das reformierte Bekenntnis, so Herrenbrück, sei die Betonung der dauernden Überordnung der heiligen Schrift, das Verständnis von Kirche als ‚versammelte Gemeinde‘ und die Erkenntnis von der Lebendigkeit des Heiligen Geistes. Auf guten Grund gebautOft werde gefragt, brauchen wir nicht eine Kirche, die das alte hinter sich lässt und sich ganz auf die Moderne einlässt; die darauf aus ist, Menschen von heute mit Mitteln von heute Gottes Liebe nahe zu bringen? Es gehe seines Erachtens nicht um die Alternative entweder missionarisch-offensiv oder konfessionsbestimmt-konservativ. Im Gegenteil, nur eine Gemeinde sei einladend (nicht vereinnehmend), die ihr Haus auf und aus gutem Grund gebaut habe. Ein Haus mit durchdachter Architektur, mit Räumen, in denen jeder seinen Platz finde. Die Architektur des Hauses seien Bibel und Bekenntnis. Dazu gehöre aber auch die reformierte Lehre von der Kirche bzw. der Gemeinde, vom Gemeindeaufbau und der Kirchenverfassung. Biblische Theologie und reformiertes Bekenntnis hinderten nicht die Modernisierung der Kirche, missionarisches Handeln, evangelistisches Engagement und ökumenische Bewegungen, sondern seien deren Voraussetzung. Die Vielfalt dürfe nicht als etwas Störendes angesehen werden, das durch Weglassen zu beheben sei. Ansonsten würde verloren gehen, was die Väter und Mütter im Glauben hinterlassen hätten und was für das Wesen und den Auftrag der Kirche Jesu Christi insgesamt nützlich sei. Um das Reformierte in den Gemeinden und Kirchenkreisen lebendig zu halten, bedürfe es einer gut funktionierenden Organisation wie den Reformierten Bund. Dies gelte global gesehen ebenfalls für den Reformierten Weltbund, der Partner auch in Deutschland benötige.Aufgaben des reformierten BundesDer Reformierte Bund kann nach Herrenbrück seine Aufgabe nur erfüllen, wenn ihn die Gemeinden, Kirchenkreise und Kirchen, seine Mitglieder auch weiterhin unterstützen. „Konfession und Tradition sind kein Relikt der Vergangenheit, sondern sie lassen sich fortschreiben und können unsere Gemeinden zukunftsfähig machen. Ein Bekenntnis bewährt sich dadurch, dass es in aktuellen, konkreten Situationen bekannt und auf Herausforderungen mit Bekanntem auf neue Art reagiert“, so der Theologe.Den Reformierten Bund leitet ein 24-köpfiges Moderam. Ein Generalsekretär hat die Aufgabe des Geschäftsführers. Es wird eine vierteljährig erscheinende Vereinszeitschrift herausgegeben und in unregelmäßigen Abständen erscheinen die „Reformierte Aspekte“ mit Beiträgen zur Förderung der reformierten Theologie und Kirche. Es ist sozusagen eine kleine Agentur, die das reformierte Denken transportiert. Der Reformierte Bund ist nach Herrenbrück für alle, denen die reformierte Tradition und Theologie am Herzen liegt ein Dienstleister, ein Impulsgeber, ein Ratgeber. Angesichts der gesellschaftspolitischen Entwicklung, der neu sich stellenden Frage nach der Friedensethik, der Auszehrung der Volkskirche, des nachlassenden Umgangs mit der Bibel, seien auch von reformierter Seite Auskünfte und Antworten, profilierte Äußerungen und Stellungnahmen nötig.Für ihn habe der reformierte Bund einen mehrfachen Dienst zu leisten. Dazu gehöre ein Besuchsdienst für die reformierten Gemeinden und die Aufgabe, immer wieder auf einfache, elementare Weise beispielhaft deutlich zu machen, was „reformiert“ sei. Der Reformierte Bund müsse der Theologie und dem Bekenntnis zugute kommen einschließlich der Unterstützung der Theologie an den Hochschulen. Er entwickle reformierte Liturgie und Gestaltungselemente für den Gottesdienst. Wichtig sei eine gute Öffentlichkeitsarbeit und die Verbreitung reformierten Einflusses auch außerhalb der nationalen Grenzen. Im Anschluss an das Referat folgte eine rege Diskussion, in der deutlich wurde, dass das reformierte Erbe wichtige Antworten zum Kirchenverständnis bietet. Das basisdemokratisch ausgeprägte presbyterial-synodale System, in dem Laien und Pfarrer formal gleichgewichtig zusammenwirken, gehört dazu. Deutlich wurde aber auch, dass heute neu darüber nachgedacht werden muss, wie das Zusammenwirken von hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden einvernehmlicher gestaltet werden kann.kpText zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)Bild 1:Walter Herrenbrück, Landessuperintendent der Evangelischen reformierten Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland, zeigte in Wilgersdorf auf, dass das Reformierte zur Gestaltenvielfalt der Kirche Jesus Christi gehört.

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