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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Du gibst immer ein Stück von Dir selbst“
Superintendentin Annette Kurschus feierlich verabschiedet

Verabschiedung Superintendentin Annette Kurschus
13.02.2012 12:52

In einem Festgottesdienst in der Siegener Nikolaikirche wurde Superintendentin Annette Kurschus am vergangenen Samstag (11.2.2012) feierlich im Evangelischen Kirchenkreis Siegen verabschiedet. Kurschus wird am 4. März in Bielefeld als erste Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen eingeführt. „Es macht uns ein wenig Stolz im Kirchenkreis Siegen“, so Synodalassessor Hans-Werner Schmidt, der als Liturg mit Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng durch den Gottesdienst führte, „dass Du als erste Frau überhaupt dieses hohe Amt innehast.“

In ihrer Abschiedspredigt über die Verse 12 und 13 aus dem 4. Kapitel des Hebräerbriefes hob die Theologin die Kraft des Wortes Gottes hervor. Oft habe sie in der Nikolaikirche sitzend gestaunt darüber, „wenn eine uralte Verheißung der Bibel mich plötzlich packte und ich spürte: Du bist gemeint. Es geht auch um Dich. Dein Leben ist hier im Blick.“ Das Wort Gottes, das immer in menschlicher Gestalt treffe, so Kurschus, sei in all seiner Kraft und Lebendigkeit und Schärfe immer auch gefährdet. „Unserem Zugriff ausgesetzt, unseren Interessen ausgeliefert, unserem Missverständnis preisgegeben. Eingepfercht in die begrenzten Möglichkeiten unseres Vermögens und Verstehens – obwohl es diese doch weit übersteigt.“ Sie benennt auch die Gefahr, wenn das Wort Gottes zur Durchsetzen der eigenen Macht benutzt und damit missbraucht wird als Waffe gegen andere. „Das Wort Gottes können wir als Christen nicht lösen von Jesus Christus“, so die Theologin. „Christus blickt die Menschen mit Gottes Augen an, bringt sie zurecht und setzt sie auf einen heilsamen Weg.“ Kurschus: „Auch durch uns will das Wort Gottes in die Welt. Auf unser Geplapper, auf unser Geschwätz, auch auf unsere wohlgesetzten Worte und geisteichen Reden kann die Welt mit Gewinn oder zur Not verzichten – nicht aber auf Gottes Wort. Das sind wir ihr schuldig. Darin besteht unser Auftrag als christliche Gemeinde, als Kirche: „… die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“ (Barmer theologische Erklärung, These VI).

Synodalassessor Schmidt dankte der scheidenden Superintendentin „für das, was Du uns und dem Kirchenkreis warst. Du bist eine liebenswerte Persönlichkeit, die mit Herzblut Superintendentin war.“ Besonders ihre tiefgründigen Predigten und Andachten werden die Menschen im Kirchenkreis vermissen. Zudem war sie eine Seelsorgerin, die zugewandt und aufmerksam zuhören konnte, warmherzig und um Verstehen bemüht. Als authentisch in dem was sie sage und wie sie auftrete, beschrieb Schmidt die leitende Theologin. „Du gibst immer ein Stück von Dir selbst.“

Das Collegium vocale Siegen und ein Ensemble des Bach-Chores Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel ließen im Gottesdienst Kompositionen von Johann Sebastian Bach erklingen und verliehen ihm wie KMD Ute Debus durch ihr Orgelspiel festlichen Glanz.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatte der Kirchenkreis zu einem Empfang in die Martinikirche geladen. Hier erwarteten die Gäste nicht nur ein gastfreundliches Buffet, sondern vor allem viel kurzweilige und humorige Unterhaltung unter der Moderation der Pfarrer Heiner Montanus und Martin Eckey . In Anlehnung an die WDR-Fernsehsendung „Zimmer frei“ war im Chorraum der Kirche ein Esstisch aufgebaut, an dem die Gäste Platz nahmen.

Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, gesellte sich zu der Noch-Superintendentin und sinnierte darüber, was die Wisente in Wittgenstein mit der Präses in Bielefeld zu tun haben könnten. Durch Lebhaftigkeit und Wortgewandtheit könne die neue Präses Aufmerksamkeit gewinnen. Breuer: „Sie sind die beste Superintendentin, die der Kirchenkreis je hatte. Sie haben die Chance, in Bielefeld das fortzusetzen, was hier möglich war.“

Auch der Superintendent des Kirchenkreises Wittgenstein, Stefan Berk, gesellte sich zu dem Tisch. Er brachte einen Koffer mit, in den hineingepackt wurde, was unbedingt aus dem Siegerland in Bielefeld benötigt wird. Darunter eine Flasche Bier, ein Schwarzbrot, eine Flasche Siegerländer Quellwasser sowie ein Holzscheit aus Siegerländer Hauberg. Hinzu kam nicht zuletzt ein Infrarotsichtgerät, „um die verborgenen Fettnäpfchen aufzuspüren.“

Der stellvertretende Dechant Pfr. Martin Assauer empfahl der künftigen Präses, sich für eine Städtepartnerschaft zwischen Paderborn, dem Bischofssitz, und Bielefeld, dem Sitz des Landeskirchenamtes, einzusetzen. Dies könne der Ökumene förderlich sein. Die katholische Kirche könne von der evangelischen Kirche die Freiheit des Glaubens lernen. Die evangelische Kirche von der katholischen, wie man sich gemeinsam klar ausrichte.

Im Landeskirchenamt in Bielefeld wird man sich nun umstellen müssen. Eine reformierte Präses wird künftig den Ton angeben. Die Oberkirchenräte Dr. Ulrich Möller und Arne Kupke überlegten, was sich nun alles ändern müsse. Dürfe die neue Präses ein Kreuz tragen und dürften gegenständliche Bilder in ihrem Büro hängen, wo doch die Reformierten das Bilderverbot so stark betonten. Vielleicht sei ja nur abstrakte Kunst zulässig, gegebenenfalls einige als Bilder zu verwendende Bauzeichnungen. Sie überlegten sogar, wo das Cello der Präses einen geeigneten Platz finden könne.

Das geliebte Musikinstrument von Annette Kurschus spielte denn auch in einem Lied einiger Pfarrerinnen und Pfarrer eine tragende Rolle. Gewandet in schwarze Mäntel, sowie mit Sonnenbrille und Hut als Markenzeichen versehen, sangen sie unter der Leitung von KMD Ute Debus den Ohrwurm „Cello“, getextet und komponiert von dem Westfalen Udo Lindenberg. Martin Eckey hatte das Liebeslied an eine Cellistin umgetextet. Eine deutliche Anspielung auf die Cello spielende Noch-Superintendentin.

Für eine gekonnt leichte aber durchaus nicht einfache musikalische Unterhaltung während des Empfangs sorgte das Trio Hartmut Sperl, Stefan Schwarzinger und Florian Schnurr mit Keyboard, Kontrabass und Schlagzeug.

„Nun ist es also soweit“, stellte Hans-Werner Schmidt am Ende des Gottesdienstes in Richtung Annette Kurschus und in Anspielung auf die vielen kleinen Abschiede während der letzten Wochen fest. „Schon nächste Woche rollen die Möbelwagen an und Dein Umzug nach Bielefeld nimmt seinen unerbittlichen Lauf. Für Deinen Neuanfang wünschen wir Dir Gottes gnädiges Geleit, viel Kraft, Mut und Zuversicht. Es geht weiter, denn Gott weiß wohin.“
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Viele Menschen aus dem Kirchenkreis Siegen und darüber hinaus nahmen am Abschiedsgottesdienst in der Nikolaikirche teil.




Zum letzten Mal stand Annette Kurschus als Superintendentin auf der Kanzel, unter der sie schon als Kind gesessen hat.


Das Collegium vocale Siegen und ein Ensemble des Bach-Chores Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel ließen Kompositionen von Johann Sebastian Bach erklingen.




Das Lied „Cello“ von Udo Lindenberg erklang mit abgeändertem Text im Kirchenschiff der altehrwürdigen Martinikirche. Eine Anspielung auf die Cello spielende Superintendentin von Pfarrerinnen und Pfarrern unter der Leitung von KMD Ute Debus vorgetragen.




Etliche Gäste aus Kirche, Politik und Wirtschaft hatten sich auch zum Empfang in die Martinikirche einladen lassen.


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