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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Reformiertes Gemeindeforum Südwestfalen
Das Kreuz mit dem Heidelberger Katechismus

Dr. martin Heimbucher
04.04.2012 15:19

Bad Laasphe. „Gehst du mit mir?“ - so fragt ein gerade veröffentlichtes Lied der sächsischen Pop-Rock-Band „Silbermond“. In seiner kurzen Andacht zur Eröffnung des Reformierten Gemeindeforums Südwestfalen im Laaspher Gemeindehaus schaffte es Steffen Post als einer der beiden örtlichen Gemeindepfarrer, die Kurve von diesem Stück zum Heidelberger Katechismus zu kriegen.
Das 449 Jahre alte reformierte Bekenntnisbuch der Siegerländer und Wittgensteiner stand diesmal im Mittelpunkt des Gemeindeforums, rund 50 Zuhörer aus Siegerland und Wittgenstein hatten sich auf den Weg hierher gemacht. Steffen Post fand, im Heidelberger gehe es wie im Silbermond-Song um die Frage „Auf wen kann ich vertrauen, wenn es drunter und drüber geht?“ Aber: „Eine Antwort gibt dieses Lied leider nicht.“ Im Heidelberger gibt es die gleich auf die erste Frage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Antwort: „Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.“Dieter Kuhli, ebenfalls Pfarrer in Bad Laasphe und außerdem Vorsitzender des Gemeindeforums-Trägerkreises, zitierte in seiner kurzen Begrüßung diese erste Frage. Er vermutete aber postwendend, dass wohl auch nach der Veranstaltung keine bessere Antwort auf die Frage gegeben werde könne als die, die im Heidelberger Katechismus stehe. Das Ziel dieser Zusammenkunft sei ein anderes: „Das Gemeindeforum soll helfen, noch einmal neu nach dem Heidelberger zu fragen.“
Anstöße dazu lieferte Oberkirchenrat Dr. Martin Heimbucher als Vortragender. Seit 2007 ist er Theologischer Referent der Union Evangelischer Kirchen im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sein Einstieg war ein sehr persönlicher. Durch seine Ehefrau habe er den Heidelberger Katechismus überhaupt erst kennengelernt, und als die dann lebensgefährlich erkrankt sei, habe er ihn schätzen gelernt. Wie diverse Psalmen hätten ihm damals auch einige Antworten aus dem Katechismus „Worte geliehen, in denen ich mich selbst bergen konnte“. Denn: „Im Heidelberger geht es um uns selber.“ Wobei auch für die dort aufgeworfenen wichtigen Fragen gelte: „Der Heidelberger kann nicht meine Antworten liefern“, die müsse jeder Christ für sich allein formulieren. Jedenfalls, wenn man den Glauben nicht als bloßes Hobby, als einfachen Zeitvertreib sehen wolle, wenn es mehr als ein Gefühl sein solle. Heute könne das eine Hilfe für den interreligiösen Dialog sein, etwa mit Muslimen, zum Beispiel, wenn es um so etwas Kompliziertes wie die Dreifaltigkeit gehe. Und neben den vielen inhaltlichen Dingen ging Martin Heimbucher sogar auf formale Details des Heidelberger Katechismus ein. Aus drei Teilen besteht das Werk, neun Fragen gibt es zum Themenbereich „Sündenbekenntnis“, 74 zur Erlösung und 43 zur Dankbarkeit: „Liebe Schwestern und Brüder, das sind die evangelischen Proportionen“, erläuterte der Oberkirchenrat.
Dr. Johannes Burkardt, Mitarbeiter des nordrhein-westfälischen Landesarchivs in Münster, wunderte sich nach der ersten Hälfte der Veranstaltung, wie viele Gedanken und Anstöße in eine Dreiviertelstunde hineinpassten. Vor allem der Hinweis, dass man stets die Bergpredigt als Hintergrund des Heidelbergers sehen müsse, habe ihn noch einmal ganz neu neugierig gemacht. Zudem freute sich der Wittgensteiner Kirchenhistoriker aus Bad Berleburg über den Termin in Bad Laasphe, schließlich sei es im 19. Jahrhundert der Superintendent Schmidt aus Laasphe gewesen, der den Heidelberger Katechismus in Wittgenstein außer Kraft gesetzt habe. Das habe erst Superintendent Friedrich Wilhelm Winckel aus Berleburg rückgängig gemacht. Er habe das tiefgründige Nachdenken des Referenten über den Katechismus als „hochinteressant“ empfunden, so Dieter Kuhli. Der Vortrag sei sehr persönlich, mutig und hoffnungsfroh gewesen und habe ganz klar eine Perspektive für uns in der Gegenwart aufgezeigt. Das war das allgemeine Gefühl in der Zuhörerschaft. Auch Ralf Prange, Pfarrer der Siegener Christus-Kirchengemeinde, sagte, dass der Heidelberger Katechismus zwar vielleicht in unregelmäßigen Abständen im Gottesdienst vorkomme, aber er nach diesem Abend noch einmal neu überlegen wolle, wie das Werk auch heute noch in den Konfirmandenunterricht einzubauen sei. Früher war das gang und gäbe, wie sich die ehemalige Erndtebrücker Pfarrerin Ruth Salinga erinnerte. Damals habe sie die Konfirmanden vier, fünf oder sechs Fragen lernen lassen, obwohl auch sie selbst den Heidelberger Katechismus erst in Wittgenstein kennengelernt habe. Dieser Abend habe ihr einige Ansätze eröffnet, neu über den Katechismus nachzudenken. Auch Ulrike von Bünau sagte, sie sei nicht mit dem Heidelberger aufgewachsen, sondern habe ihn erst im Siegerland kennengelernt. Dennoch habe sich für sie der Weg aus Weidenau nach Wittgenstein gelohnt, insbesondere da der Referent in einem kurzen Diskurs noch über die Kreuzes-Theologie gesprochen habe. Außer den tiefschürfenden Gedanken, in denen Anselm von Canterbury, Theologe des 11. Jahrhunderts, vorkam, gab es auch hier wieder einen ganz modernen Ansatz. Wenn er die Filme unserer Zeit schaue, dann gehe es ganz oft um das Kreuz und die Auferstehung in anderer Form, so Martin Heimbucher. Und nachdem das Gemeindeforum mit der Gruppe „Silbermond“ begonnen hatte, fragte sich der Referent, ob unsere Popkultur nicht doch an den Heidelberger Katechismus anschlussfähig sei? Da passt das Thema des nächsten Reformierten Gemeindeforums am Freitag, 5. Oktober, ganz hervorragend zu. In einer Kooperation mit der Westfälischen Landeskirche gibt es ein Streitgespräch über Hochkultur oder Popkultur im kirchlichen Raum. Die Veranstaltung ist auf Vermittlung der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg möglich geworden, deshalb wird auch das nächste Reformierte Gemeindeforum wieder in Wittgenstein stattfinden.

Jens Gesper

Text zum Bild:

Dr. Martin Heimbucher (links) war am Donnerstagabend als Referent zu Gast beim Reformierten Gemeindeforum in Bad Laasphe, Vorsitzender des organisierenden Trägervereins ist der Laaspher Pfarrer Dieter Kuhli. (Foto Jens Gesper) 

Foto oben:

Dr. Martin Heimbucher ist Oberkirchenrat, er sprach am Donnerstagabend beim Reformierten Gemeindeforum Südwestfalen in Bad Laasphe. (Foto Karlfried Petri)


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