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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Wir brauchen viel Hilfe!
Evangelische Kirche in Olpe nicht mehr standfest

Evangelische Kirche Olpe nicht mehr standfest
04.04.2012 15:37

Der Schreck steht Kirchmeisterin Doris Thieme noch immer ins Gesicht geschrieben. Gestern (3. April 2012) wurden Befürchtungen gewiss. Die evangelische Kirche in Olpe ist nicht mehr standfest. Das Kirchengebäude steht an herausragender Stelle am östlichen Ende der Oberstadt und ist gemeinsam mit der katholischen St.-Martinus-Kirche, die sich am westlichen Ende befindet, stadtbildprägend.
Während des vergangenen harten Winters war an der Südwestseite der evangelischen Kirche Olpe oberhalb eines Fensters seitlich der Empore ein größerer Riss entdeckt worden. Der Statiker Dipl.Ing. Rico Harzer, Sachverständiger für Gebäudeschäden, wurde mit näheren Untersuchungen beauftragt und stellte als Ursache Bodenbewegungen fest. Auch der Geologe Dr. Burkhard Reißner und Architekt Rudolf Hachenberg untersuchten das alte, unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Eine Grabung wurde notwendig, um Genaueres zu wissen. Die brachte jetzt Schreckliches zutage. Das Fundament der Kirche trägt nicht mehr sicher, obwohl sie auf einem Felsvorsprung steht. Der Fels ist nicht überall gleich tragfähig. Das Gotteshaus steht auf so genanntem „faulen Fels“, der unterirdisch wegbricht, weiß Doris Thieme, Presbyterin und ehrenamtliche Kirchmeisterin der evangelischen Kirchengemeinde. Der Fels hat große Fossilienanteile aus Kalk, die keine Tragfähigkeit besitzen. Zudem wurden die Steine des Fundamentes vor 115 Jahren mit Siegerländer Schlackemörtel vermauert, bei dem sich im Laufe der Jahrzehnte der Kalk verändert hat. Die Steine liegen heute nur noch lose aufeinander.
Die Kirche steht zwar vorerst sicher, sodass sie derzeit noch gefahrlos genutzt werden kann. Gottesdienste finden auch in den nächsten Monaten in der evangelischen Kirche Olpe statt. Aber, so sind sich die Experten einig, im Laufe der nächsten Zeit müssen dringend umfangreiche Sicherungs- und Gründungsmaßnahmen durchgeführt werden. Weitere Grabungen an der Südwestseite sind erforderlich, und auf der gegenüberliegenden Seite müssen Probebohrungen zeigen, ob und wo tragfähiger Felsen vorhanden ist. Von diesen Ergebnissen hängen die umfangreichen Betonverfüllungen ab. Doris Thieme: „Das alles muss noch im Sommer und Herbst passieren. Wir wissen nicht, wie streng der nächste Winter wird. Die Gebäudeschäden könnten ansonsten zunehmen. Das können und wollen wir nicht verantworten.“ Die Kirchenglocken wurden bereits abgestellt. Damit sollte verhindert werden, dass sich durch die Schwingungen loses Gestein in der Grabungsgrube löst und die Baustelle destabilisiert. Nach Betonverfüllung steht einem Glockengeläut nichts mehr im Wege. Ostern werden die Glocken wieder erklingen.

Jetzt braucht die evangelische Kirchengemeinde Olpe Geld. Viel Geld. Über 500.000 Euro wird eine solide Betongründung des Gebäudes voraussichtlich kosten. Ob der Betrag ausreicht, weiß zurzeit niemand.
Die evangelische Kirche in Olpe sieht sich nicht in der Lage, diese hohen Kosten alleine aufzubringen. Doris Thieme: „Wir schaffen das nicht alleine. Wir brauchen viel Hilfe“. Ärgerlich ist die Situation für die Gemeinde, da das Gotteshaus in diesem Jahr äußerlich umfassend renoviert werden sollte. Die Fugen des Backsteinbaus müssen dringend saniert werden. Das alte Kirchturmkreuz ist auch nicht mehr allzu lange standsicher und soll durch ein neues Kreuz ersetzt werden. Das steht schon seit vielen Monaten im Chorraum der Kirche und ist von einem Gemeindeglied finanziert worden, das nicht genannt werden möchte. Zudem soll das Dach neu gedeckt werden. Hierfür haben Gemeindeglieder Spenden zweckgebunden bereitgestellt. Diese Gelder dürfen für die Gründung der Kirche jedoch nicht verwendet werden. Thieme: „Das wäre rechtswidrig. Das dürfen wir nicht!“
Die Kirchengemeinde ist daher dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen. Gemeindeglieder, Kommune, Unternehmen und der Kirchenkreis sind aufgerufen, die evangelische Kirche in Olpe zu retten. Doris Thieme: „Wir werden auch unsere katholischen Geschwisterkirchengemeinden fragen, ob sie uns helfen können.“ Die Evangelischen in Olpe leben in einer Diasporasituation inmitten einer überwiegend katholischen Bevölkerung. Man kennt sich und hilft sich gegenseitig. Das eine oder andere Projekt, wie der ökumenische Warenkorb, wird seit vielen Jahren gemeinsam gestemmt.
Jetzt gilt es, zunächst die Gemeindeglieder umfassend zu informieren und um Spendengelder zu bitten. Ein Spendenkonto wurde bei der Sparkasse Olpe schon eingerichtet: Konto-Nr. 2444 (BLZ 462 500 49).
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Probegrabungen an der Olper Kirche fördern ein marodes Fundament zutage. Und auch der Felsvorsprung, auf dem die Kirche steht, ist nicht so stabil, wie bislang vermutet.



Die Probegrabung wird mit Beton verfüllt.

Dieser Riss in Höhe der Orgelempore wurde während des Winters entdeckt, so Kirchmeisterin Doris Thieme.



Der Statiker hat eine Plombe an die Wand montiert, die Veränderungen des Risses deutlich macht.


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