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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

20 Jahre Eine-Welt-Laden Holzhausen
Anderen zu helfen macht Spaß und Jesus freut sich mit

Sibylle Müller, Martina Heide, Kiddy Rämsch-da Costa und Elisabeth Höppner.
05.02.2013 16:01

Der Eine-Welt-Laden Holzhausen feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Es ist 20 Jahre her, als sechs Frauen zweimal pro Woche die ersten Päckchen fair gehandelten Kaffees im evangelischen Gemeindehaus verkauften. Am vergangenen Sonntag (3.2.2013) konnte die Kirchengemeinde Niederdresselndorf mit den derzeit 15 ehrenamtlich Mitarbeitenden des Eine-Welt-Ladens in einem festlichen Gottesdienst dankbar ihr 20-jähriges Bestehen feiern.

Nachdenken, informieren, planen und handeln – diese Schritte wurden in Holzhausen gegangen, um den Ärmsten in dieser Welt zu helfen. Kiddy Rämsch-da Costa und Elisabeth Höppner vom Team des Eine-Welt-Ladens schildern in der voll besetzten Kirche die Intention der Arbeit im Eine-Welt-Laden. Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher. „Was kann man dagegen tun? Und was macht uns unbeirrt in unserem Tun?“, fragte Höppner. Die Antwort gab sie mit einem Bibelvers: Was ihr getan einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Matth 25, 40), sagte Jesus. Dieser Satz war als Bibeltext für den Gottesdienst ausgewählt. Und so erzählte sie von Bauern, die von ihren Feldern vertrieben wurden, von Indios an der Grenze zu Guatemala, die ihre Familien nicht ernähren können und von Bangladesch, wo eine Textilfabrik abgebrannt ist. „Hauptsache, der Gewinn stimmt“, heiße es bei großen Wirtschaftsunternehmen. „Diese Ungerechtigkeit macht uns wütend“, bekennt Elisabeth Höppner. „Es gibt Dinge, die muss man tun, weil sie gut und richtig sind.“ Dazu gehört für sie, sich mit den Ärmsten zu solidarisieren und sich für sie einzusetzen. Höppner weiter: „Solidarität leben heißt, von der Liebe leben, die mich trägt und die Gott mir schenkt.“
Einige Frauen erzählten, warum sie sich im Eine-Welt-Laden ehrenamtlich engagieren.
„Mich motiviert die Arbeit im Eine-Welt-Laden weil ich merke, dass im normalen Handel einiges im Argen liegt“, sagte Martina Heide. „Wir wollen gegen die Ungerechtigkeit, die vielen widerfährt, etwas tun. Und so haben wir begonnen faire gehandelte Produkte zu verkaufen.“ So professionell wie heute war der Verkauf nicht immer organisiert. Zunächst begann der Verkauf vor 20 Jahren im Gemeindehaus. Tische mussten auf und anschließend wieder abgebaut werden. Die Produktpalette war überschaubar. „Aber“, so Martina Heide, „ich konnte etwas tun und deshalb habe ich es getan. Ich habe in der Zeit viel gelernt und es macht Spaß.“
Ähnlich erging es Nicola Willmann. Bei ihren Reisen entdeckte sie, dass Kinder als billige Arbeitskräfte zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen müssen. Willmann: „Ich möchte nicht, dass Kinder arbeiten müssen und keine Bildung erhalten.“ Sie wünscht sich, dass möglichst viele Menschen im Eine-Welt-Laden einkaufen und so die Arbeit für eine gerechtere Welt unterstützen.
Seit fünf Jahren ist Anja Ginsberg im Team. „Ich liebe den Kundenkontakt und das Team ist toll.“ Sie motiviert die Mitarbeit, dass sie sich für etwas mehr Gerechtigkeit, für gerechten Lohn und gerechte Preise einsetzen kann. Sie kann, wenn beispielsweise der Eine-Welt-Laden von den Konfirmanden besucht wird, bei Jugendlichen Impulse setzen. Ginsberg: „Es sollte für uns selbstverständlich sein, für Produkte faire Preise zu bezahlen.“Der Besuch in dem schmucken und liebevoll dekorieren Ladenlokal im Kulturzentrum „Alte Schule“ in Holzhausen lohnt sich allemal. Außer Lebensmittel werden montags bis freitags, 16–18 Uhr, kunsthandwerkliche Waren, Schmuck, Geschenkartikel und vieles mehr verkauft. Gemeindepfarrer Rainer Heuschneider dankte im Namen der Kirchengemeinde dem Team des Eine-Welt-Ladens herzlich für die treue und kreative Arbeit in den vergangenen 20 Jahren.

In ihrer Predigt machte Pfrn. i. R. Christa Schaaf, Dortmund, Mut, die Arbeit im Eine-Welt-Laden auch künftig in Treue zu leisten. „Es sei eine Arbeit, um die sich niemand reißt, mit Zeiten, wo keiner in den Laden kommt und wo die Wirkung des Engagements wie ein Tropfen auf den heißen Stein empfunden wird.“ Diese Arbeit nehme den Einzelnen in den Blick. Jeder Einzelne, dem Einzelne zum Leben helfen können, sei wichtig. Jesus habe sich auch dem Einzelnen und kleinen Gruppen zugewandt und ihnen ein Umdenken angeboten. Schaaf: „Jesus hat uns ein Beispiel gegeben für unser eigenes Denken und Handeln. Anderen zu helfen, macht Spaß und Jesus freut sich mit.“ Dass Gott sich mitfreut, hilft durchzuhalten bei mancher Durststrecke, so die Theologin.
Sie empfiehlt einfach anpacken und tun, was hilfreich und sinnvoll erscheint. Es gelte zu Tun, was möglich sei und nicht zu fragen, ob sich das lohne. Sie berichtete in ihrer Predigt von der Shanti Leprahilfe in Nepal, die dort Marianne Großpietsch leitet und den Ärmsten der Armen hilft.Mit einem Mittagessen, aus fairen Produkten zubereitet, fand die Geburtstagsfeier in Holzhausen ihren geselligen Abschluss.

Die nächsten Geburtstagstermine sind schon geplant. So wird am 27. April, 9 Uhr, in der Guten Stube der Alten Schule für 7 Euro pro Person ein faires Frühstück angeboten. Am 7. Juni, 19.30 Uhr, spricht der NRW-Umweltminister Johannes Remmel im Gemeindehaus über die Chancen, die der faire Handel für den Umweltschutz bietet, und am 14. September, 11–18 Uhr, wird um die Alte Schule in Holzhausen ein bunter Markt unter dem Motto „Faire Hickenmeile“ ausgerichtet.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Bild oben:
In der Alten Schule in Holzhausen hat der Eine-Welt-Laden seit über 10 Jahren seine liebevoll eingerichteten Verkaufsräume. Sibylle Müller, Martina Heide und Elisabeth Höppner gehören zu dem Gründungsteam und sind seit 20 Jahren dabei.
Im Bild (von links): Sibylle Müller, Martina Heide, Kiddy Rämsch-da Costa und Elisabeth Höppner.

Das Eine-Welt-Laden-Team Holzhausen gestaltete den Geburtstagsgottesdienst der Einrichtung in der Evangelischen Kirche.



In der Predigt machte Pfarrerin i. R. Christa Schaaf, Dortmund, (im Bild rechts, links Elisabeth Höppner) deutlich, dass Jesus uns ein Beispiel gegeben hat für unser eigenes Denken und Handeln.


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