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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

EFL-Beratungsnachfrage als Spiegel der gesellschaftlichen Realität
Erhalt der evangelischen Beratungsstelle bedarf weiterer Anstrengung

Superintendent Peter-Thomas Stuberg und EFL-Leiterin Annette Mehlmann
02.05.2013 14:37
Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Evangelischen Kirchenkreises Siegen ist mit 1.378 Anfragen nach Beratungs- und Therapiemöglichkeiten in 2012 unverändert hoch frequentiert. Ziehen doch die meisten Erstgespräche bis zu zehn Folgetermine nach sich.
Die Zufriedenheit der Menschen mit der Beratung der kirchlichen Einrichtung ist außerordentlich hoch. Annette Mehlmann, Leiterin der EFL: „Wir haben die Beratungszufriedenheit anonym abgefragt. Beispielsweise nach der Aufnahme im Empfang, dem Verlauf und der Zufriedenheit des Erstgesprächs. 95 % der Menschen, die uns besuchten, fühlten sich wohl und im Beratungsgespräch gut aufgehoben. Nur wenige Änderungswünsche wurden geäußert.“

Die Beratungsnachfrage wird als ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität wahrgenommen. Die EFL ist eine der Stellen im Kirchenkreis, in der die Begleitung von Familien eine hohe Priorität hat. Die EFL steht den Menschen nicht erst dann zur Seite, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sondern arbeitet auch präventiv. Elternabende an Schulen und in Kindertageseinrichtungen, beispielsweise mit den Themen „Eltern setzen Grenzen“ oder „Lust auf Leistung“ waren in 2012 gelungene Beispiele dafür. Themen wie Unsicherheit in Familienfragen, pubertierende Jugendliche in hohen Belastungssituationen, Jugendliche, die sich beispielsweise ritzen, stehen auf der Tagesordnung der Beratungseinrichtung. Aber auch ältere Menschen in belastenden Lebenssituationen suchen die EFL auf und erhalten Rat und Hilfe.
Zu den Themen, die als gesellschaftliches Spiegelbild im vergangenen Jahr in den Vordergrund rückten, gehören beispielsweise Burnout, Depression, Suizidalität, Aggression oder Essstörungen. Menschen auf der Suche nach Therapieplätzen wenden sich vertrauensvoll an die Beraterinnen und Berater der EFL. Überbrückungsgespräche bis zum Therapiebeginn bei niedergelassenen Therapeuten bietet die kirchliche Einrichtung. Paare in Konfliktsituationen suchen vermehrt die EFL auf. Mehlmann: „In solchen Fällen hilft die EFL, eine gelingende Kommunikation zu erreichen, dass auch in Zukunft ein Miteinander nicht unmöglich wird und dass die Kinder nicht aus dem Blick geraten.“ Besonders fachlich fundierte Angebote in 2012 waren die Trennungs- und Scheidungsberatung nach gerichtlicher Auflage und die Elterngruppe „Kinder im Blick“.

Das Thema Familie nimmt die Evangelische Kirche von Westfalen in diesem Jahr über ihre Hauptvorlage zur Landessynode besonders in den Focus. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Evangelischen Kirchenkreises ist eine der Einrichtungen, die sich besonders dem Thema Familie verschrieben hat. Hier gibt es Fachpersonal, das die gesellschaftlichen Realitäten wahrnimmt und Menschen in der Vielfältigkeit von Lebenssituationen qualifiziert begleitet. Hinter den Schieferfassaden des Siegerlandes verbergen sich so manche Lebens- und Beziehungsbrüche, die der Hilfe bedürfen. Mehlmann: „Unsere Beratung soll Lebensperspektiven eröffnen.“

Erfreulicherweise ist festzustellen, dass der Beratungsbedarf für Schwangerschaftskonflikte bundesweit rückläufig ist. Dieser Trend wird auch in der EFL Siegen beobachtet. 140 Anfragen im Schwangerschaftskonflikt erreichten die Beratungsstelle im vergangenen Jahr (in 2011 waren es 168). Aber nicht nur im Konfliktfall wird die EFL aufgesucht. 978 Gespräche ergaben sich in 2012 (919 in 2011) zu Fragen der allgemeinen Schwangerschaftsberatung. Hier wurde insbesondere die ungewollte Kinderlosigkeit als Beratungsbedarf abgefragt.

„Und ich habe immer gedacht, ich bin alleine mit meinem Problem...“ Diesen Satz hören die Mitarbeiterinnen bei der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, abgekürzt KISS, bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Kirchenkreises Siegen und auch bei der Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen der Diakonie in Südwestfalen des öfteren. Beide Einrichtungen koordinieren die stattliche Anzahl von rd. 350 Selbsthilfegruppen zu 120 Krankheitsbildern im Raum Siegerland, Wittgenstein und Olpe. Die KISS ist auf psychische Erkrankungen ausgerichtet, die Diakoniestelle auf physische Erkrankungen.
Der Bedarf ist hoch. 933 persönliche und telefonische Anfragen nach Selbsthilfe gingen im vergangenen Jahr bei der KISS ein. Dabei ging es um Gruppensuche, um Neugründungen aber auch um Fachanfragen. Registriert wurden höhere Anfragezahlen zu den Themen Depression, Burnout und Stress. Insgesamt etwa 7000 Menschen wissen inzwischen den Vorteil der organisierten Hilfe zur Selbsthilfe für sich zu nutzen. Dabei sind es nicht nur Betroffene, die sich an die beiden Stellen oder Experten innerhalb der Gruppen wenden, sondern durchaus auch qualifizierte Fachleute, die das Engagement und erworbene Wissen der Gruppen nutzen oder erweitern. Mehlmann: „Die Kompetenz von Laien und Experten wird hier gebündelt. So können betroffene Menschen in den Gruppen voneinander profitieren und Hilfe für ihr jeweiliges Problem bekommen.“

Die EFL ist eine vom Land Nordrhein-Westfalen anerkannte Erziehungsberatungsstelle. Die evangelische Einrichtung nimmt eine gesellschaftliche Aufgabe wahr. Superintendent Peter-Thomas Stuberg: „Dem Kirchenkreis ist es ein wichtiges Anliegen, diese Stelle auch in Zukunft für unsere Gesellschaft vorzuhalten. Auch die Menschen und Familien im Siegerland, im Wittgensteiner Land und auch im Olper Raum, die nicht zu unserer evangelischen Kirche gehören, sind in unseren Einrichtungen willkommen. Wir suchen daher im Kirchenkreis nach Wegen, diese Einrichtung wieder stärker aus Kirchensteuermitteln zu finanzieren.“ Der Kirchenkreis Siegen wäre allerdings erfreut, wenn sich Stadt Siegen und auch der Kreis Siegen-Wittgenstein stärker in die finanzielle Pflicht nehmen ließen. Eine Kooperation zwischen Stadt, Kreis und Kirchenkreis wäre ein wertvoller Schritt. Über 700.000 Euro kostet die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle derzeit jährlich. Ein großer Teil der geleisteten Beratungsarbeit wird aus staatlichen Mitteln refinanziert. Viele sehr große, große und auch sehr viele kleinere Spenden helfen im hohen Maße, die Finanzierung der Beratungsstelle zu erhalten. Die Niedrigzinsphase derzeit lässt die Erträge aus dem Stiftungsvermögen geringer ausfallen, als erhofft. Zurzeit müssen hohe Rücklagenentnahmen erfolgen, um Finanzierungsdefizite auszugleichen.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Evangelischen Kirchenkreises Siegen war auch im vergangenen Jahr für viele Menschen eine Anlaufstelle mit ihren Lebensprobelen. Die Finanzierung der Beratungseinrichtung steht immer noch auf wackeligen Beinen.
Im Bild (v.li.): Superintendent Peter-Thomas Stuberg und EFL-Leiterin Annette Mehlmann.

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