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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Leben aus der Fülle
100 Jahre Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen

100 Jahre Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen
03.06.2013 16:17

In Siegen feierte am vergangenen Samstag (1. Juni 2013) der Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen seinen 100sten Geburtstag. Unter dem Motto „Leben aus der Fülle“ hatten sich über 600 Frauenhilfsfrauen in den großen Saal der Siegerlandhalle einladen lassen und wurden von der Vorsitzenden des Verbandes Erika Denker herzlich begrüßt.

Festgottesdienst
Im Gottesdienst griff Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) das Jesuswort auf (Joh 10, 10): „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ Kurschus: „Aus der Fülle leben, lässt das Leben in Tod und Entbehrung bestehen.“ Für die Präses ist damit nicht eine Fülle auf Kosten der anderen, eine schädliche Gier, gemeint. Wir sind alle angewiesene Leute. Keiner kann alleine existieren. Wir leben das Leben nicht aus uns selbst, es ist Gottes Gabe, so die leitende Theologin der westfälischen Landeskirche. Die 100-jährige Geschichte der Siegerländer Frauenhilfe erzähle auf ihre Weise von dieser Erfahrung.

Ein Gang durch die wechselvolle Geschichte
Von dieser Erfahrung berichteten Iris Jänicke, Marianne Sahm, Inge Blecher, Marlies Kläs, Erika Spreckelmeyer und Marlene Röcher. Sie gaben einen Rückblick auf die Anfänge der Frauenhilfsarbeit vor über 100 Jahren und die folgenden Jahrzehnte. Viele interessante Informationen gaben die handgeschriebenen Protokollbücher der Sitzungen des Kreisverbandes preis, lückenlos aufgeschrieben in schönster Sütterlinschrift seit dem Jahre 1913.14 Jahre bevor 1913 in Siegen die Frauenhilfe gegründet wurde, hat Kaiserin Auguste Victoria die erste Frauenhilfe am 1. Januar 1899 in Berlin ins Leben gerufen. Am 30. Juli 1913 gründeten 13 örtliche Gruppen den Kreisverband, heute Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen. Frauenhilfe verstand sich zunächst ausschließlich als „Diakonie der Frau aus der Gemeinde für die Gemeinde“. Durch die Not der Kriegsjahre der beiden Weltkriege übernahm die Frauenhilfe dann zunehmend auch weitere Aufgaben, etwa in der Krankenpflegeausbildung junger Frauen, in der Fürsorge der Heimarbeiterinnen oder in der Müttererholung. Wichtig war dabei immer die Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus. Durch regelmäßige Zusammenkünfte der Frauen zu Bibelarbeiten und Gebet sowie durch Schulungsangebote für Leiterinnen und Bezirksfrauen wurde auch Wert auf das innere Wachstum im christlichen evangelischen Glauben gelegt.In dem Streifzug durch die wechselvolle Geschichte wurde die notvolle Zeit während des Nationalsozialismus deutlich. Schnell distanzierten sich die meisten Frauenhilfsgruppen vom Dritten Reich und der Nazi-Ideologie. Der Vorstand der Westfälischen Frauenhilfe beschließt im Oktober 1934 in der sogenannten Soester Erklärung die enge und innere Verbundenheit mit der Bekennenden Kirche und damit die Abwendung von der Theologie der „Deutschen Christen“ und der offiziellen Reichskirche. Repressionen, wie die Bespitzelung von Frauenhilfe, Verbote von Veranstaltungen oder Beschlagnahmung von Vermögen, nahmen zu.
Nach 1945 waren Frauen maßgeblich am Wiederaufbau des Landes beteiligt. 1947 wurde der Soziale Dienst Mütterhilfe, heute Frauenhilfe (SDF), ins Leben gerufen. Es entstanden Müttergenesungsheime und Müttererholungsheime.Heute setzen sich die Frauenhilfsfrauen ein für ein gleichberechtigtes Leben und Arbeiten von Männern und Frauen. Sie engagieren sich in der Weltgebetstagsarbeit, beraten und begleiten Frauenhilfsgruppen und schulen die Leiterinnen. Sozialdiakonische Projekte entlasten Mütter in ihren Familien. Iris Jänicke: „Die Grundlage unserer Arbeit ist wie seit 100 Jahren die Botschaft der Bibel und das Vertrauen auf die Verheißungen des Evangeliums von Jesus Christus.“

Buntes Festprogramm
Grüße überbrachte Christina Schmitt, die Vorsitzende des Landesverbandes der Ev. Frauenhilfe in Westfalen. Schmitt: „Frauenhilfe muss Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden. Gewohnheit darf nicht am Aufbruch hindern.“ Siegens Bürgermeister Steffen Mues hob hervor, dass die Frauenhilfe mit ihrer Liebe und Fürsorge die Gesellschaft bereichere. Mues: „Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich kümmern.“ Die Anzahl der vorgetragenen Grußworte war für alle erfreulich kurz. Die 17 Grußworte lagen schriftlich vor und konnten in einem eigens gedruckten Heft nachgelesen und mit nach Hause genommen werden. Eine schöne Erinnerung an einen besonderen Tag.

Singen und Musik kamen bei der Festveranstaltung nicht zu kurz. Der Bach-Chor Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel gestaltete den musikalischen Teil des Gottesdienstes. Unter der Leitung von Christina Schmitt wurde in der Mittagszeit ein offenes Singen gerne angenommen. Die Musikgruppe Niederschelden und ein Projektchor aus Wilden, Wilnsdorf, Burbach und Holzhausen erfreuten mit ihrem Vorträgen die Festgäste. Immer wieder stand das gemeinsame Singen auf dem Programm, durch das Pfarrerin Daniela Walter führte.

Rings um den Saal waren über 20 Stände aufgebaut, die die unterschiedlichen Arbeitszweige der Frauenhilfen oder Tätigkeitsfelder befreundeter Werke vorstellten. Darunter auch die ZeitPaten, die bei Erziehungsaufgaben unterstützen, der Kleiderladen, in dem preiswert gut erhaltene gebrauchte Kleidung und Haushaltswaren erworben werden können. Tafel deck dich, heißt das Angebot zu lernen, wie man preiswert, frisch und gesund kochen kann. Die StartHilfe unterstützt junge Mütter. Unter den Ständen war auch das KILWAG-Projekt des Kirchenkreises zu finden, das Frauen in Tansania unterstützt, die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Kirchenkreises und der Landesverband der Frauenhilfe.

Pfarrerin Angelika Weigt-Blätgen, leitende Pfarrerin des Landesverbandes der Frauenhilfe, Soest, erläuterte visionäre Grundlagen der Frauenhilfsarbeit anhand des Festmottos. Wie kann ich zu einem erfüllten Leben anderer beitragen, Gerechtigkeit, Würde, Gemeinschaft, Liebe, Trost und Hoffnung trügen zu einem Leben in der Fülle der Verheißungen für alle Menschen bei.

Frauenhilfe in Aktion hieß es nachmittags. Die ZeitPaten und etliche Frauenhilfsgruppen präsentierten ein buntes und unterhaltsames Bühnenprogramm. Ein liturgischer Abschluss mit Pfrn. Weigt-Blätgen beendete eine gelungene und fröhliche Festveranstaltung mit vielen Impulsen für die Frauenhilfsarbeit im 21. Jahrhundert.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Über 600 Frauen hatten sich zu der Festveranstaltung in den großen Saal der Siegerlandhalle einladen lassen.


Der Vorstand des Bezirksverbandes mit Präses Annette Kurschus in ihrer Mitte.Im Bild von links: Ulrike Panthel, Marlies Kläs, Erika Spreckelmeyer, Erika Denker, Annette Kurschus, Iris Jänicke, Daniela Walter, Annelene Voß, Juliane Kahm.

 



Die Präses der Evangelischen Kirchen von Westfalen hielt die Predigt im Festgottesdienst.

Pfarrerin Angelika Weigt-Blätgen, leitende Pfarrerin des Landesverbandes der Frauenhilfe, Soest, erläuterte visionäre Grundlagen der Frauenhilfsarbeit.


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