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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Ev. Kirche Werthenbach entwidmet
Verantwortung der evangelischen Kirche für die Menschen im oberen Johannland bleibt

Ev. Kirche Werthenbach entwidmet
17.12.2013 16:10

Zum letzten Mal luden die drei Kirchenglocken der Evangelischen Kirche in Werthenbach zum Gottesdienst ein. Es war ein Abschiedsgottesdienst, der am vergangenen Samstagnachmittag (14.12.12013) in der kleinen Kirche in Werthenbach gefeiert wurde. Über 55 Jahre haben sich die Evangelischen des oberen Johannlandes hier versammelt. Jetzt wurde das Gotteshaus entwidmet. Unter den Gottesdienstbesuchern waren die ehemaligen Pfarrer der Kirchengemeinde Deuz Matthias Weissinger und Michael Junk und auch die Ortsvorsteher des Oberen Johannlandes.

Pfarrer Tim Winkel: „Wir nehmen Abschied von einer Kirche, die für etliche zu einer Heimat geworden ist, zu einem durchbeteten Raum. Wir wollen danken für das, was war. Aber auch in die Zukunft schauen und Gottes Wort vertrauen.“

In seiner Predigt wies Pfarrer Henning Briesemeister darauf hin, dass sich die Zeiten geändert hätten. Er zitierte Superintendent Peter-Thomas Stuberg mit den Worten: „Die Kleider sind uns zu groß geworden. Wir müssen uns kleiner setzen.“ Die Gründe für die Kirchenschließung sind vielfältig. Für die Kirche in Werthenbach ist ein Renovierungsstau zu verzeichnen, die finanziellen Möglichkeiten werden für die Kirchengemeinden geringer, es gibt weniger Menschen und damit auch Kirchenmitglieder. Die Inschrift der großen Glocke im Glockenturm der Kirche lautet: Versammle mir das Volk, dass sie meine Worte hören (5. Mose 4, 10). Briesemeister: „Die Menschen wollen heute nur noch die Glocken hören, sich aber nicht mehr rufen lassen.“

Am 22. Mai hat das Presbyterium beschlossen, die Predigtstätte in Werthenbach aufzugeben. Am 27. August hat das Landeskirchenamt die kirchenaufsichtliche Genehmigung hierzu erteilt. Briesemeister würdigte die Leistung vergangener Generationen, die sich um das Haus und die Menschen in Treue gekümmert hätten. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Matthäus 24, 35) steht auf dem Grundstein der Kirche. Jede Kirche habe ihren Wert und sei ein Fingerzeig Gottes. Dennoch bestehe die Gemeinde Gottes letztendlich nicht aus Steinen, sondern aus Menschen. Briesemeister: „Wir brauchen die Veränderung nicht zu fürchten, sondern wir vertrauen darauf, dass die zukünftige Stadt noch vor uns liegt. Gott geht durch alle Veränderung mit. Sein Wort hat Bestand.“ Allerdings machte er auch deutlich, dass beim Wegfall der Predigtstätte die Menschen im oberen Johannland eine bleibende Verantwortung für die Kirchengemeinde sind. Wie hier auch in Zukunft evangelische Gemeinde gelebt werden könne, darüber müsse nachgedacht und eine Lösung gefunden werden.

Mit bewegten Worten berichtete Pfarrerin Helma Land von der Entwicklung der Gemeindearbeit in dieser kleinen Kirche. Die Generation der Flüchtlinge hat sie gebaut. Land: „Es ist nicht gelungen, die Liebe zu dem Gebäude und der Gemeindearbeit weiterzugeben.“ Schon seit einiger Zeit findet die Arbeit mit den Konfirmanden in Räumen der Pfarrei St. Cäcilia in Irmgarteichen statt. Die kleiner gewordene Frauenhilfe wurde 2010 mit der Frauenhilfe Rudersdorf zusammengelegt und der Kindergottesdienst Werthenbach ist vor zwei Jahren nach Rudersdorf umgezogen. Land: „Die Kirche am Berg kann nicht mehr erhalten werden. Den 55. Geburtstag der Kirche im September haben wir schon nicht mehr gefeiert.“ Viele Menschen haben persönliche Erinnerungen an das Gotteshaus und persönliche Geschichten in der Kirche erlebt. Gerne erinnert sie sich an die Zeit, in der sie sich mit den Kollegen hier zum Beten getroffen habe.

Anschließend überreichte Pfarrer Briesemeister den Presbyteriumsmitgliedern die Taufschale, die Bibel und das Abendmahlsgeschirr. Dann zog die Gemeinde aus der Kirche aus und versammelte sich vor dem Gotteshaus. Von den Eingangsstufen aus segnete Pfarrer Tim Winkel die Gemeinde.

Ein neuer Abschnitt des Gemeindelebens hat nun auch liturgisch begonnen. Am Sonntagmorgen luden die Kirchenglocken die Evangelischen im Johannland nach Rudersdorf ein. Diese evangelische Kirche wurde 1964 in Dienst gestellt und im Jahr 2000 mit einem Gemeindezentrum erweitert. Was mit dem Kirchengebäude in Werthenbach geschehen soll, ist noch offen.

 

Die evangelische Kirche in Werthenbach, die ihrer Größe nach eher einer Kapelle gleichkommt, wurde am 21. September 1958 als erste Kirche in dem erst fünf Jahre zuvor errichteten selbstständigen Seelsorgebezirk „Johannland“ der Kirchengemeinde Netphen in Dienst gestellt. Der Bau der Kirche wurde durch eine außerordentliche Spendenbereitschaft und viel Eigenleistung ermöglicht. Bis 1985 entwickelte sich das Gemeindeleben in Werthenbach rege. Es gab nach Auskunft des Gemeindeboten, dem Informationsblatt der Kirchengemeinde, einen wöchentlichen Sonntagsgottesdienst und einen Kindergottesdienst. Frauen versammelten sich in der Frauenhilfe und trafen sich im Mütterkreis. Auch eine Jungschar und ein Teen-Treff gehörten zur evangelischen Kirchengemeinde. Trotz steigender Gemeindegliederzahlen nahm das Interesse am Gottesdienst und am Gemeindeleben jedoch ab. Ab Januar 1989 wurde der Gottesdienst auf samstagabends verlegt, 1995 fand er wegen mangelnden Interesses nur noch einmal monatlich statt. Das Gemeindeleben verlagerte sich zunehmend nach Rudersdorf.

kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Bild Oben:

Etliche Gemeindeglieder feierten in der kleinen Kirche in Werthenbach den bewegenden Entwidmungsgottesdienst.

 

Am Ende des Gottesdienstes wurden die Taufschale, die Bibel und das Abendmahlsgeschirr aus dem Gotteshaus getragen.

 

Die evangelische Kirche Werthenbach von außen ...

 

... und von innen.

 


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