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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Ich bin nicht der Papst von Siegen“Superintendent Friedemann Hillnhütter auf dem Bunten Sofa
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15.12.2003 13:39
Auf dem Bunten Sofa des Gemeindehauses der Christusgemeinde am Siegener Wellersberg stellte sich jetzt Superintendent Friedemann Hillnhütter den kritischen Fragen von Pfr. i.R. Ulrich Weiß. „Kirchenkreis Siegen – wo stehen wir – wo gehen wir hin?“, lautete das Thema zur Standortbestimmung und für den Blick nach vorn.„Die Vielfalt des Kirchenkreises mit seinen über 40 Einrichtungen, fast 200 Synodalen und vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden fasziniert mich“ so Superintendent Hillnhütter eingangs. Gute Perspektive„Die Perspektive für den Kirchenkreis bieten nicht die Rahmenbedingungen, sondern der Herr der Kirche“, davon ist Hillnhütter überzeugt. Dies gebe die nötige Gelassenheit. „Die Kirche ist nicht das, was wir produzieren, sondern das, was der Herr in uns und durch uns wirkt. Er verantwortet Anfang und Ende und gibt uns dazwischen Gelassenheit.“Die Gemeindegliederzahl im Kirchenkreis sei stabil und betrage zurzeit über 140.000. Der Gottesdienstbesuch sei ebenfalls stabil, Tendenz zunehmend. Für die nächsten 5 – 10 Jahre sei er zuversichtlich. In den Gemeinden sei viel in Bewegung. Neue Ideen würden ausprobiert, es entstünden alternative Gottesdienstformen und neue Angebote.Dazu gehöre auch das Projekt „Gemeinsam unterwegs“, das vor einigen Jahren mit vielen Mitarbeitenden begonnen worden sei und das jetzt mit Unterstützung von Pfarrer Jürgen Dusza fortgesetzt werde. Das Projekt fördere die persönliche Frömmigkeit der Mitarbeitenden und unterstütze die Entwicklung der Gemeinden. Auf das reformierte Profil des Kirchenkreises Siegen angesprochen, das diesen in der westfälischen Landeskirche von anderen Kirchenkreisen unterscheidet, weiß Hillnhütter sich den Grundlagen der Theologie Calvins und seiner Darstellung im Heidelberger Katechismus verpflichtet. Daraus ergebe sich beispielsweise die Weltverantwortung und das Eintreten für den Frieden. Hierzu werde der Kirchenkreis Siegen auch in Zukunft seinen Beitrag leisten.FinanzenAuf die Fragen aus dem Kreis der Besucher blieb Hillnhütter keine Antwort schuldig. Auch hier ging es um die Finanzen. In 2004 werde es keine betriebsbedingten Kündigungen im Kirchenkreis geben. Was danach komme, sei allerdings offen. Die geringeren Einnahmen von 1,5 Mio. Euro in 2005 treffe auch die Kirchengemeinden. Im Kirchenkreis Siegen sei das Engagement bei den Kindertageseinrichtungen am größten. Er sei der größte Träger in ganz Westfalen. Die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Siegen verantworteten 164 Gruppen in fast 60 Einrichtungen, in denen über 500 Mitarbeitende beschäftigt seien. Der Staat und die Eltern beteiligten sich an den Kosten. Im Kirchenkreis mache diese Arbeit mehr als 10% des Etats aus. Die demographische Entwicklung fordere eine Reduzierung dieser Arbeit um 30% in den kommenden 10 Jahren. Kinder seien zwar ein Reichtum. Wenn der Staat allerdings in seiner Politik nicht umsteuere, seien die Familien mit Kinder finanziell gesehen die Dummen. Schweden sei das Land mit der geringsten Geburtenrate gewesen. Heute lägen sie mit an der Spitze und hätten damit viele Probleme im Land gelöst. Komplizierte WahrheitAuf die Frage, wie er denn die vielen Strömungen und Ansichten in der Kirche unter einen Hut bekomme, antwortete Hillnhütter, die bekomme er nicht unter einen Hut. Die hätten in der Kirche noch nie jemand unter einen Hut bekommen, nicht zur Zeit des Neuen Testaments oder des Paulus und auch nicht danach. Schwierig werde es allerdings, wenn sich einige als Wächter über die anderen setzten. Die Formulierung des Glaubensbekenntnisses beispielsweise habe vieler Gespräche, Synoden und Konzile bedurft. Das mit der Wahrheit sei sehr kompliziert. „Ich bin nicht der Papst von Siegen“, so Hillnhütter wörtlich. Der Superintendent habe nicht die Lehrautorität und sei auch nicht für alle Lebensäußerungen der Kirche im Siegerland und Olper Raum verantwortlich. Der Geist Gottes bewahre die Wahrheit.Umfangreiche AufgabenAuf seinen Arbeitsumfang und seine Zuständigkeiten angesprochen ist sich Hillnhütter sicher, es ist definitiv zu viel für eine Person. Allein 100 Pfarrerinnen und Pfarrer zu begleiten sei unmöglich. Dazu kämen noch die vielen Einrichtungen des Kirchenkreises, darunter ein Gymnasium. Er sei auf die vielen kompetenten Mitarbeitenden angewiesen. Die Wochenenden seien weitgehend ausgebucht, da viele Gemeinden und Gemeinschaften ihn einlüden. Solchen Anfragen komme er gerne nach.Zu den Kollegen in der katholischen Kirche habe er ein gutes und herzliches Verhältnis. In vielen Dingen sei er sich mit denen einig und vieles werde gemeinsam vertreten. Die Einigkeit gelte auch für die Gemeinschaftsbewegung im Siegerland. Viele Pfarrer, die heute im Siegerland Dienst täten, hätten ihre Wurzeln in der Gemeinschaftsbewegung. Von keinem werde er so oft eingeladen wie von den Gemeinschaften. Er erlebe viel Verbundenheit mit der Kirche und seinem Amt. Viele beteten für ihn. In seiner Kindheit sei er neben seinem Elternhaus am meisten von einer Frau geprägt worden, nämlich von einer Sonntagsschultante in Alchen. Jesus sei dieser Frau konkurrenzlos wichtig gewesen. Solche Zeugen Jesu brauche man heute in den Gemeinschaften und in der Kirche.kpText zum Bild: (Foto Karlfried Petri)Von der umfangreichen Arbeit des Superintendenten berichtete Friedemann Hillnhütter auf dem Bunten Sofa der Christus-Kirchengemeinde am Siegener Wellersberg

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