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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Jahresempfang der EFL im Apollo-Theater
„Ich habe 1000 ,Freunde‘ und kenne niemanden“

Prof. Dr. Konrad Schily
03.06.2014 14:53

„Mensch, werde wesentlich, oder ich beschreibe dich als Gen-Code“. Mit diesem Fazit beschloss Prof. Dr. Konrad Schily seinen nachdenklichen Vortrag zu dem Thema „Das Selbst in einer digitalen Welt“. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Ev. Kirchenkreises Siegen hatte den Mediziner und Hochschulgründer als Festredner zu ihrem Jahresempfang am vergangenen Montag (2. Juni 2014) eingeladen.

Zuvor jedoch begrüßte Superintendent Peter-Thomas Stuberg die etwa 150 Gäste im Apollo-Theater Siegen. 1500 Menschen hätten im vergangenen Jahr den Rat der EFL gesucht. Er sehe, immer wieder an den Gesichtern und Haltungen, wie Menschen gestärkt und mit mehr Lebensmut aus der Beratungsstelle herauskämen. Der leitende Theologe des Kirchenkreises dankte den Unterstützern dieser kirchlichen Beratungsarbeit herzlich.

Als einen Menschen mit Initiative und Authentizität beschrieb die Leiterin der EFL Annette Mehlmann den Redner Dr. Konrad Schily. Sie habe ihn bei einem Besuch kennengelernt als einen Menschen mit Geist und Esprit, der mit ihr ein Gespräch auf Augenhöhe und mit viel Wertschätzung geführt habe.

In seinem Vortrag ging Schily der Frage nach, wer der Mensch sei in einer zunehmend digitalen Welt. Er beschrieb den Menschen zunächst anhand von Gefühlen und Stimmungen, darunter Angst, Zorn und Wut oder auch Vertrauen. Im Leben mit leibhaftigen Beziehungen habe das seelisch-empathische Bedeutung. Schily: „Mein Selbst stellt sich ein auf das andere Selbst.“ Er machte einen Schlenker in die Philosophie und zitierte René Descartes mit dem berühmten Satz „Ich denke, also bin ich“. Er schilderte, wie sich das Denken in der Vergangenheit verändert hat, und zeichnete das Bild der „Leonardo-Welt“, die von den technischen Errungenschaften geprägt werde. Leonardo da Vinci, der berühmte Universalgelehrte (1452–1519), ist sein Namenspate für die Welt der Technik und der Erfindungen. Diese Welt des Machbaren habe die Welt verändert. Dem gegenüber setzte er die zu deutende Welt, die er nach dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) die Leibniz-Welt nannte.

Die technische Leonardo-Welt übernimmt mehr und mehr die Deutungshoheit zeigt Schily auf: „Es sind nicht mehr die Pfarrer, die über das Schicksal reden, sondern die Genetiker.“ Zudem verbinde sich die Welt der Technik zunehmend mit der Welt der Ökonomie. Dies führe zu weltweiten technischen Standards. Er beschreibt, wie die Technik durch die leistungsfähigen Computer rasend schnelle wird. Wie beispielsweise eine Operation im Jung-Stilling-Krankenhaus von Ärzten in New-York live begleitet werden könne. Wissenschaftliche Vorträge von Nobelpreisträgern könnten heute von tausenden Studenten im Internet erlebt werden. Dies seien tolle Möglichkeiten, die die Technik biete.

Die Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite beispielsweise in sozialen Netzwerken, wo angebliche Freunde gesammelt werden, die man nicht kennt. Schily: „Ich habe 1000 ,Freunde‘ und kenne niemanden.“

Die Menschen würden mehr und mehr zu Datensammlern in einer Ersatzwelt. Das eigene Erleben in der realen Welt finde immer weniger statt. Die Informationen des Datennetzes seien überall verfügbar, aber die Menschen wüssten immer weniger aus eigener Anschauung. Schily hebt hervor, wie bedeutsam die unmittelbare empathische Begegnung mit Menschen ist. Das selbstständige Bewerten, Denken, Fühlen könne ein Computer nicht ersetzen. Schily macht deutlich, wie nötig es ist, nicht nur über die Technik zu reden, sondern mehr über das Wesen der Dinge nachzudenken. Schily schließt mit dem Aufruf: „Mensch, werde wesentlich, oder ich beschreibe dich als Gen-Code.“

In einem Podiumsgespräch ging Dr. Giesela Labenz als charmante Moderatorin mit EFL-Unterstützenden der Frage nach „Was es uns Wert ist“. Barbara Lambrecht-Schadeberg ist eine langjährige Unterstützerin der EFL und hat mit einer großen Summe die Stiftung EFL unter Aufsicht der Landeskirche mit gegründet. Sie wurde von Prof. Dr. Hans-Heinrich Goßmann angesprochen, um der EFL zu helfen. Ihr ist es ein christliches Herzensanliegen, mitzuhelfen, die segensreiche Arbeit der kirchlichen Beratungsstelle zu erhalten. Christina Dietze, Lehrerin und Mitbesitzerin der Erndtebrücker Eisenwerke, ist von der Notwendigkeit der guten Beratungsarbeit der EFL überzeugt. Sie ist Mitbegründerin von Stiftung und Fonds und engagiert sich in deren Vorstands- und Ausschussarbeit. Durch ihren Beruf ist sie zur EFL gekommen. Lehrer kämen, was die Probleme der Eltern und Kinder anbelange, an ihre Grenzen. Hier habe ihr die EFL weitergeholfen. Und auch persönlich habe sie die Beratung der Einrichtung in Anspruch nehmen dürfen und eine kompetente, zeitnahe und menschliche Beratung erfahren.

Die Unternehmerin Annette Hering weiß die Beratungsarbeit der EFL für ihre Firma zu schätzen. Sie mache Mitarbeitende auf die Einrichtung aufmerksam. Beratungen hülfen, dass Mitarbeitende zufrieden und leistungsfähig ihren Beruf ausüben könnten. Sie lädt Mitarbeitende der EFL ein als Coach für Führungskräfte oder für Schulungen im Betrieb.

Viele Firmen in der Region seien Familienunternehmen mit hoher sozialer Verantwortung, weiß Unternehmer und IHK-Präsident  Klaus Vetter. Er macht deutlich, dass für die Unternehmen intakte Familien einen hohen Stellenwert hätten. Vetter: „Wenn die Familien nicht mehr funktionieren, dann funktioniert auch die Gesellschaft nicht mehr.“

Der ehemalige technische Leiter der RWE Gerd Doege engagiert sich im Vorstand des Fördervereins und im Vorstand des Stiftungsrates. Er wirbt Unterstützer und Stifter. Doege: „Die EFL-Arbeit darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen. Hier ist Herzblut erforderlich.“ Eine  Herausforderung ist für ihn die Integration von Zuwanderern. Dies sei auch eine Zukunftsaufgabe der EFL.

Konrad Schily weiß, wo das „ich“ sich befindet. Es sitzt im Portemonnaie. Schily: „Wofür ich Geld ausgebe, das will ich.“ Damit war ein Stichwort für Brigitte Ross-Henrich gefallen, für die es 500 gute Gründe gibt, die Beratungsarbeit der EFL zu unterstützen. Es werden 500 Menschen gesucht, die bereit sind, 500 Euro für den weiteren Aufbau des Stiftungsfonds zu spenden. Ross-Henrich  legte den Gästen im Apollo-Theater die Aktion 500 x 500 wärmstens ans Herz.

kp

 

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Text zum Bild; (Fotos Karlfried Petri)

Prof. Dr. med. Konrad Schily setzte sich mit der Persönlichkeit in einer digitalen Welt auseinander.

 

In einer Gesprächsrunde ging Dr. Giesela Labenz mit ihren Gästen der Frage nach, was ihnen die Unterstützung der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle wert ist.

 

Auf einer Pressekonferenz einige Tage zuvor wurden verdiente Förderer der EFL geehrt. Die Bilder hat der Medienkünstler Ralf Maria Schröder (3. v.l.) individuell für die Empfänger angefertigt.

 

 


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