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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Gottesdienst – institutionalisierte Belanglosigkeit oder Zeit zur Begegnung mit Gott
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16.02.2004 10:37
Etwas über 140.000 Menschen gehören im Siegerland und Olper Raum der evangelischen Kirche an. Sollten etwa 6% davon regelmäßig Gottesdienste besuchen, sind das 8.400 Menschen jeden Sonntag. Es sind aber 131.600, die zwar nominell zur Kirche gehören, aber kaum oder nur sehr selten, etwa zu hohen Feiertagen, ein Gotteshaus betreten, geschweige denn sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Woran das liegt, mag unterschiedliche Gründe haben. Dass es dennoch auch heute Gottesdienste gibt, die überproportional gut besucht und von Menschen gerne angenommen werden, wurde jetzt auf dem Impulstag Gottesdienste im Evangelischen Gymnasium in Weidenau deutlich. Vier moderne Gottesdienstarten, die im Siegerland angeboten werden, und Gottesdienste aus Lüdenscheid und Unna-Billmerich zeigten, auch heute lassen sich Menschen unterschiedlichen Alters in die Kirche einladen, wenn man ihnen dort einladend und anspruchsvoll begegnet. Menschen begeistern mitzumachen Hans-Jürgen Dusza, Pfarrer für Gemeindeentwicklung im Kirchenkreis Siegen und Leiter des Projektes „Gemeinsam unterwegs“ berichtete in seinem Grundsatzreferat von seinen Erfahrungen in Unna-Billmerich. Dort hätten vor einigen Jahren nur sehr wenige Menschen den Gottesdienst besucht. Man habe darauf hin sehr kritisch die Situation der Gemeinde analysiert und sich eine „Auszeit“ mit Gesprächen, Gebet und Bibellesen gegönnt. Dabei seien die Mitarbeitenden zu dem Entschluss gekommen, einen neuen Gottesdienst anzubieten und gleichzeitig den bestehenden Gottesdienst zu verändern. Mit dem neuen Gottesdienst sollten in Billmerich Menschen zwischen 30 und 50 Jahren erreicht werden. „Wichtig ist es“, so Dusza, „das Presbyterium zu informieren und Menschen zu begeistern, an der neuen Idee mitzuarbeiten.“ Von der Zielgruppe her gesehen wurde der Gottesdienst geplant. Moderne Musik, Lieder, Texte, Bezeichnung des Gottesdienstes, Uhrzeit und Ort blieben nicht dem Zufall überlassen. Heraus kam die Guten-Abend-Kirche, ein Projekt während der Wintermonate, das durch eine Open-Air-Kirche im Sommer abgelöst wurde. Die Resonanz war erstaunlich groß, die Kirche voll. Die normalen Gottesdienste veränderten sich und verzeichneten ebenfalls wachsende Besucherzahlen. „Wir konnten feststellen, dass durch die veränderte Gottesdienstsituation das Gemeindeleben interessanter, prägender und insgesamt lebendiger wurde“, berichtete der Referent von seinen eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen, die er mit anderen Gemeinden beispielsweise in England machen konnte. Kreative Köpfe und Zusammenarbeit Ähnliche Entwicklungen beschrieben die Teams, die die Gottesdienste ihrer Gemeinde vorstellten. Deutlich wurde jeweils, solche aufwendig gestalteten Gottesdienste können nicht allein vom Pfarrer, Küster und Organisten organisiert und durchgeführt werden. Hier bedarf es vieler kreativer Köpfe und fleißiger Hände, die ihre Begabungen und Kraft in die Gestaltung eines solchen Gottesdienstes einbringen. Und alle gemeinsam müssen einen langem Atem haben. Der Aufwand lohnt sich allemal, wie viele Erfahrungen zeigen. Beispielsweise der Jugendgottesdienst „eXtrakt“, der offene Jugendgottesdienst im Bistrostil in Niedrdresselndorf, den die Mitarbeiterin Annette Steinbring vorstellte. Jeden letzten Dienstag im Monat ist das Gemeindehausbistro ab 18 Uhr geöffnet. Für eine Stunde ist Programm geplant mit Theater, Sketchen, Musik, kreativen und interaktiven Elementen sowie einer Kurzansprache zum Thema. Anschließend kann man zwanglos zusammensein, spielen und plaudern. Für Konfirmanden und Katechumenen ist die Veranstaltung Pflicht. Der Konfirmandenunterricht fällt in dieser Woche dann aus. Oder der Gottesdienst C-online in der Freien evangelischen Gemeinde Geisweid. Jugendpastor Christoph Schmitter erläuterte den Gottesdienst für Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahre, der seit etwa 3 1/2 Jahren angeboten wird. Begonnen habe man mit etwa 60 Besuchern. Heute kämen zu den Veranstaltungen zwischen 250 und 300 Besucher. Darunter etwa 10-15% Jugendliche oder junge Erwachsene, die sich zu keiner christlichen Gemeinde zählten. Video, Theater und Musik seien wichtige Gestaltungselemente. Ähnlich funktioniert der Gottesdienst MaXGo in Eisern, der auf junge Leute zielt und aktuelle Trends inhaltlich aufgreift. Begonnen habe man 2001. Fünf ehrenamtlich Mitarbeitende verantworteten die Veranstaltungen. Deutlich wurde auf dem Impulstag, dass auch heute in Gemeinden Gottesdienstformen angeboten werden können, die Menschen ansprechen und wo sie sich Zuhause fühlen. Gemeinden erleben, dass sie selbst durch ein Einlassen auf solche neuen Gottesdienstformen verändert werden und neu Zugang zu Menschen finden. kp Text um Bild: (Foto Karlfried Petri) 1. Mit über 130 Teilnehmenden gut besucht war der Impulstag des Kirchenkreises in Weidenau. Jürgen Dusza verstand es, auf humorvolle Weise von seinen Erfahrungen in Unna-Billmerich zu erzählen.

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