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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode I
Bericht des Superintendenten:
Jesus Christus handelt in seiner Kirche
Grußwort Bürgermeister Ewers

Superintendent Peter-Thomas Stuberg
26.06.2014 15:06

Zu einem gedanklichen Rundflug über Arbeitsfelder im Evangelischen Kirchenkreis Siegen startete Superintendent Peter-Thomas Stuberg in seinem Bericht auf der Kreissynode Siegen, die jetzt (Mittwoch, 25. Juni 2014). in der CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgersdorf tagte. Er griff zunächst die Barmer Theologische Erklärung auf, die am 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen formuliert wurde. Die Bekennende Kirche wehrte sich gegen die nationalsozialistische Vereinnahmung und formulierte in wenigen Sätzen treffend, was Kirche Jesu Christi ist. Die 137 Männer und eine Frau legten damals in dem Bekenntnistext ihr Fundament wieder frei: „Jesus Christus, das eine Wort Gottes, das wir zu hören, das wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Stuberg: „Die Besinnung auf Christus als den Herrn der Kirche, nur sie, stellte wieder ihre innere Freiheit her, aus der ihr Handeln, ihr äußere Gestalt und ihre Verfassung erwachsen. Die Form folgt wieder aus dem Inhalt, nicht umgekehrt.“

Peter-Thomas Stuberg ging auf den Wachstumsbegriff ein, der in kirchlichen Diskussionen immer wieder aufgegriffen wird. Dies ist für ihn nicht unproblematisch bei überwiegend aus demokrafischen Gründen abnehmenden Gemeindegliederzahlen. Stuberg griff einen Bibelvers aus dem Epheserbrief auf, der in der Barmer Theologischen Erklärung eine Rolle spielt. „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist.“ (Eph. 4, 15. 16) Wachstum werde in den damaligen Berichten zu dem Bekenntnis durchaus qualitativ verstanden. Nach Auffassung des Superintendenten sollte durchaus gefragt werden, „wo in unserer Kirche jenseits der statistischen Befunde Jesus Christus als gegenwärtig zu verspüren ist, oder mit welchen Menschen, in welchen Lebensgeschichten sich Gottes Gegenwart, sein Wirken bemerkbar macht“.

In dem Zusammenhang stellte der leitende geistliche Theologe des Kirchenkreises die Frage, wozu der Glaube gut sei. In den Berichten der Kirchengemeinden werde deutlich, dass die Menschen offenbar einen Nachholbedarf hätten in der Klärung des christlichen Glaubens. Dabei gehe es um dessen Alltagswert. Gespräche in Schulklassen, bei Lektüreabenden oder im Rahmen von Glaubenskursen ließen etwas von dem kontroversen Austausch über Inhalte des Glaubens deutlich werden. Auch auf Kirchenkreisebene hätten Vortragsabende über Homosexualität, Bibelverständnis und das Verständnis von Segen eine große Resonanz erfahren. Dies zeige, dass häufiger Themen der Lebens- und Glaubensgestaltung aus biblischer Perspektive in den Blick genommen werden sollten.

Der Superintendent spricht die vielfältigen Gottesdienstformate in den Gemeinden an. So werde der Gottesdienst nicht nur von einem Bibeltext her gestaltet, sondern auch von bestimmten Themen geleitet zu anderen Zeiten und womöglich auch an anderen Orten als den gewohnten. Dadurch werde oftmals eine anders gelagerte Zielgruppe erreicht, als die vom Sonntagmorgen. Beide Gottesdienstformen, die klassische als auch die experimentelle, müssen sich jedoch ergänzen. Beide sollten nachvollziehbar sein für die Menschen, die nicht sehr häufig zum Gottesdienst kommen. Stuberg: „Im Gottesdienst sind Glaube und Leben immer aufeinander bezogen. Wo dieses verspürt wird, entsteht ein Aufmerken der Menschen, ganz gleich, in welchem Gottesdienst sie sich befinden.“

Ehrenamtlich Mitarbeitende sind in der Kirche eine gefragte Gruppe. Die Prädikanten beispielsweise brächten eine hohe Motivation mit, in den Gemeinden nicht nur als Lückenbüßer zu dienen, sondern ehrenamtlich und kooperativ mit zu gestalten. Hier grüne ein Pflänzchen, das für die Zukunft der Kirche mit weniger Pfarrerinnen und Pfarrer im aktiven Dienst eine wachsende Bedeutung haben könnte. Sie könnten jedoch den Dienst der Pfarrer mit Theologiestudium und langjähriger Praxisausbildung nicht ersetzen. Ehrenamtlichkeit geschieht an ganz vielen Stellen, oft sehr geräuschlos und abseits der öffentlichen Beachtung. Stuberg: „Ich kann ihnen von hier aus nur unseren ganz herzlichen Dank für ihr Tun aussprechen, ohne sie alle beim Namen zu nennen.“ Heute stehe bei der Motivation fürs Ehrenamt nicht mehr der Blickwinkel der Organisation im Vordergrund, sondern die Sicht der Engagierten mit den Fragen, was kann ich und wo kann ich meine Talente einbringen. Die befristete und projektbezogene Form von Ehrenamt mit einer qualifizierten Ausbildung sei gefragt. Letzteres wird an dem Konzept der Telefonseelsorge deutlich.

Wachstum nimmt der leitende Theologe des Kirchenkreises in einer vermehrten Nachfrage in Seelsorge und Beratung wahr. Sie wird geleistet in Krankenhäusern, Altenheimen, der Telefonseelsorge, bei Hausbesuchen und in der kreiskirchlichen Ehe-, Familen- und Lebensberatungsstelle. Stuberg: „Jede Begegnung mit Ratsuchenden geschieht in unseren unterschiedlichsten Seelsorgefeldern mit großer Profession, menschlicher Einfühlung und der gemeinsamen Suche nach Gottes aufleuchtender Verheißung in der einzelnen Lebenslage.“ Es sei mehr als beeindruckend, wie viele Menschen sich auch außerhalb der engen kirchlichen Gemeindegrenzen für die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle engagierten.

In der Jugendarbeit würden Aufbrüche bemerkt, wenn sie mit der Konfirmandenarbeit verschränkt werden könne. Die klassischen Gruppenangebote stünden immer stärker unter dem Konkurrenzdruck der Schulen und ihrer Ganztagsangebote. An den Wochenenden und in den Ferien machten ehrenamtlich Mitarbeitende und Pfarrer bewegende Erfahrungen auch mit spirituellen Angeboten für Jugendliche. Stuberg verwies auf die umfängliche Visitation der Jugendarbeit mit über 60 Terminen. Eine Auswertung stehe noch aus, das Ergebnis werde auf der Herbstsynode präsentiert. Superintendent Stuberg: „Bis dahin kann ich nur sagen: Wir haben sehr engagierte Jugendreferentinnen und -referenten, einschließlich der Referatsleitung, die für Jugendliche ein Herz haben und deren Vertrauen genießen. Sie machen eine Arbeit, die nicht immer gleichmäßig gesehen oder gar anerkannt wird. Wer ihren Dienst aber im Zusammenhang der regionalen Struktur wahrnehmen konnte, kann nur voller Respekt „Danke“ sagen für das, was sie im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten zwischen Fläche und immer wieder intensiver Beziehungsarbeit zu Einzelnen vor Ort bewirken.“

Auch die Kunst der Begegnung zwischen Tür und Angel, eingebunden in niederschwellige kirchliche Angebote, nimmt der Superintendent in den Blick. An vielen Stellen hätten Kirchengemeinden eine Sensibilität entwickelt, Menschen vorbehaltlos willkommen zu heißen und ihre Sprache zu sprechen. Dies gelte auch für Kirchen, die als Raum der Stille entdeckt würden. Für die manchmal tiefen Berührungen gäben die Besucherbücher Zeugnis. Hier schrieben Menschen Gebete und Herzensanliegen auf, für die sie den geschützten Raum allein für sich benötigten.

Abschließend schlägt der Theologe den Bogen wieder zur Barmer Theologischen Erklärung: „Eine Kirche, die zu Christus hin wächst, bleibt in ihm geborgen. Sie hat den Rücken frei, ,die Botschaft der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk‘.“

kp

Den ganzen Bericht finden Sie hier.

Text zum Bild oben: (Foto Karlfried Petri)

Superintendent Peter-Thomas Stuberg zeigte auf, was die Gemeinden bewegt und dass Themen zu Lebens- und Glaubensgestaltung gefragt sind.

 


 

Grußwort Bürgermeister Christoph Ewers

Es ist mittlerweile der Beginn einer Tradition, dass ein Bürgermeister aus dem Kirchenkreisgebiet ein Grußwort auf der Kreissynode spricht. Christoph Ewers, Bürgermeister der Gemeinde Burbach, machte deutlich, was er sich als Politiker von der Kirche wünscht. Dazu gehört, dass die Kirchen die Grundrechte der Verfassung durchsichtig machen hinsichtlich ihrer christlichen Wurzeln. Die Grundrechte seien ein wertvoller Maßstab unserer Gesellschaft und ein Pfeiler der demokratischen Grundordnung. Die Bürger seien sich der christlichen Wurzeln dieser Regelungen nicht mehr bewusst. Die Kirchen sollten öffentlich machen, dass der Glaube nicht nur Privatsache sei, sondern auch einen öffentlichen Charakter habe. Die Bildung in Kindertagesstätten und Schulen schließe für ihn die religiöse Bildung ein. Ihm sei ein kirchliches Profil der Kindertageseinrichtung in kirchlicher Trägerschaft wichtig. Biblische Geschichten und das Gebet müssten hier ihren Platz haben. Die Kirche habe zudem ein Wächteramt auszuüben, indem sie auf Frieden und die Bewahrung der Schöpfung hinwiesen. Sie habe denen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört würden. Die kirchliche Diakonie übernehme Verantwortung für eine Kultur des Helfens. Ewers wünscht sich einen ständigen Dialog zwischen Kirche und Politik. Zwischen ihm und dem Superintendenten habe dieser Dialog bereits begonnen.

Foto Bürgermeister Christoph Ewers, Burbach (Foto: Karlfried Petri)


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